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Kolumne: Gegenpressing: Freundschaftsspiel gegen Polen — ein Muster ohne Wert

Kolumne: Gegenpressing : Freundschaftsspiel gegen Polen — ein Muster ohne Wert

Bundestrainer Löw muss einen Monat vor der WM wahrscheinlich auf 18 seiner besten Spieler verzichten.

Das haben sich die Fußball-Terminplaner prima ausgedacht. Einen Monat vor der Weltmeisterschaft wollten sie den Ländermannschaften Mitte Mai die Gelegenheit geben, sich für das große Turnier in Freundschaft einzuspielen. Ein feiner Zug. Aber auch einer, der gekonnt die nationalen Belange übersehen hat. Dass in England und Deutschland in dieser Woche die Endspiele in den Pokalwettbewerben auf dem Programm stehen - wer hat das schon wissen können?

Die wesentliche Antwort auf diese bange Frage: die nationalen Verbände selbst. Weder für die Deutschen noch für die Briten kann es eine große Überraschung gewesen sein, dass am 17. Mai in Berlin und London gespielt wird. Und dass sich in Deutschland Bayern München und Borussia Dortmund gegenüberstehen, hätte man zumindest mal vorsichtig herbeiahnen können. Deshalb fehlen Bundestrainer Joachim Löw beim Spiel gegen Polen zwölf Akteure aus München und Dortmund, die drei Deutschen von Arsenal, die zugleich um den FA-Cup kämpfen, und, wenn's ganz gut geht, auch noch Miroslav Klose, Mario Gomez und Sami Khedira, weil in Spanien und Italien noch Meisterschaftspartien anstehen.

Das Fußballvolk darf sich demnach schon jetzt auf ein von Stars weitgehend bereinigtes Treffen mit den Polen freuen, die ihrerseits aus oben genannten Gründen so freundlich sein müssen, auf die Dortmunder Lukasz Piszczek und Robert Lewandowski zu verzichten. Das Spannendste an der Begegnung mit dem Nachbarn wird sein, wie Löw den Sinn eines solchen Tests erklärt. Vermutlich wird er sich an die fantastische Reise in die neue Welt erinnern, mit der Deutschlands Fußball-Auswahl für den Höhepunkt der vergangenen Sommerpause sorgte. Ein erfreulich ausgedünntes Aufgebot kickte im Rahmen seiner bescheidenen Möglichkeiten ein bisschen herum. Und Löw rechtfertigte den Ausflug in die USA mit dem schönen Satz: "Die Spieler, die sonst nicht im Hauptfokus stehen, können sich nun bewähren."

Das muss er wahrscheinlich wieder sagen. Aber was haben die, die nicht im Hauptfokus stehen, davon, wenn sie sich bewähren? Eine Chance auf die WM? Kaum. Die Gelegenheit, im nächsten Jahr wieder eingeladen zu werden, wenn der DFB einen Klassenausflug in der Sommerpause macht? Schon eher.

Fürs Publikum bleibt der Test ein ärgerlicher Etikettenschwindel. Denn wo Nationalmannschaft draufsteht, ist allenfalls eine B-Elf drin. Von hemmungslos reduzierten Ticketpreisen kann übrigens keine Rede sein. Die teuerste Karte kostet 80 Euro.

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(RP)