Fifa-WM 2014: Die Geheimtipps: Belgien und Kolumbien

WM 2014 : Die Geheimtipps: Belgien und Kolumbien

Zwei Mannschaften überraschten die Welt bereits in den Qualifikationsspielen zur Weltmeisterschaft.

Es war einmal das "Kampfschwein". Diesen ausdrucksstarken Namen gaben die Fans von Schalke 04 Marc Wilmots. Es war ein Ehrentitel, nur "Eurofighter" wäre viel zu wenig gewesen. Der Belgier Wilmots nämlich wühlte sich wie kein anderer über den Platz, er steckte nie auf, und er war eine der Führungsfiguren in der Mannschaft, die für Königsblau 1997 den Uefa-Pokal holte.

Nicht viele trauten ihm damals zu, was ihm im Leben nach dem Leben als aktiver Fußballer gelang. Wilmots ist inzwischen Nationaltrainer in Belgien. Und er hat ein Team geformt, das in der Welt für Aufsehen sorgt. Es hat in der Qualifikation zur WM so gut, so aufregend gespielt, dass es bei vielen Experten ganz oben auf dem Tippzettel steht. Ebenso wie Kolumbien ist Belgien so etwas wie der heimliche Favorit auf den Weltmeister-Titel.

Belgiens Rückkehr in die Weltklasse begann mit einem Blick zum großen Nachbarn im Osten. Deutschland machte nach den schmerzhaften Jahren des Rumpelfußballs zur Jahrhundertwende vor, wie mit Talentsichtung, Stützpunkttraining und abgestimmten Lehrmethoden Qualität entwickelt werden kann. Durch ein vergleichbares System wuchsen auch in Belgien die Talente nach.

Viele von ihnen wechselten zu den großen Klubs ins Ausland. Und davon haben die Belgier profitiert. Die Erfahrung, die Spieler wie Marouane Fellaini (Manchester United) im europäischen Spitzenfußball sammeln, ist eine der Grundlagen für das rasante Spiel der Nationalmannschaft. Sie kontert wie kaum ein anderes Auswahlteam auf dem Globus, und sie begeistert ihr Publikum wie nie zuvor in der Länderspielgeschichte.

Noch vor sechs Jahren war das unvorstellbar. "Wir haben nicht mehr daran geglaubt, dass das Team überhaupt auch nur ein Tor schießt, egal gegen welchen Gegner", sagte Wilmots dem "Spiegel". Eintrittskarten zu Länderspielen wurden verschenkt, die Ränge blieben trotzdem leer. Heute ist Belgien "das heißeste Versprechen des europäischen Fußballs", wie der ehemalige Nationaltorwart Jean-Marie Pfaff urteilte. Ohne Niederlage stürmte es durch die Qualifikation, gerade mal zwei Unentschieden ließ es in zehn Spielen zu. Und Europa staunte über Kevin de Bruyne, Fellaini oder Romelu Lukaku, den Brecher im Angriff. Mitten in die Lobeshymnen aber grätschte Wilmots wie in besten Kampfschwein-Zeiten. "Wir haben noch gar nichts erreicht", stellte er mürrisch fest.

Das muss allerdings nicht so bleiben. Seine Mannschaft hat durchaus das Format, die Gruppe H mit Algerien, Russland und Südkorea unbeschadet zu überstehen. Danach ist alles möglich — wenn die Belgier angesichts prominenter Gegner in den K.o.-Runden keine nervlichen Probleme bekommen.

Mit den Nerven hat der zweite Geheimtipp überhaupt keine Probleme, denn Kolumbien bringt viel Erfahrung an den Start. Vor allem die Innenverteidigung mit Mario Yepes (37) von Atalanta Bergamo und Luis Perea (34/Cruz Azul, Mexiko) hat ein geradezu biblisches Alter. An den Routiniers bissen sich viele junge Konkurrenten in der Südamerika-Qualifikation die Zähne aus. In 16 Spielen ließ Kolumbien nur 13 Gegentreffer zu. Die größten Namen stehen jedoch im Angriff. Radamel Falcao (AS Monaco) und Jackson Martinez (FC Porto) verdienen das Prädikat Weltklasse. Das schlägt sich auch in Transfersummen nieder. Für Falcao zahlte Monaco im Sommer 60 Millionen Euro an Atletico Madrid.

13 der 16 Qualifikationspartien bestritt Falcao für Kolumbien, dabei schoss er neun Tore und überzeugte seinen Trainer José Pékerman darüber hinaus mit seiner hingebungsvollen Laufarbeit. Nur Argentinien schnitt in der Südamerika-Gruppe als Tabellenführer besser ab. Das hat sich bei der Konkurrenz sicher herumgesprochen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: WM-Quali 2014: Belgien fährt nach Brasilien

(RP)