Ex-U21-Coach Kuntz zum DFB „Nur einen neuen Verantwortlichen einzustellen, bringt nichts“

Al-Rajjan · Personelle Konsequenzen allein reichen nach dem deutschen WM-Scheitern in Katar nicht, meint der langjährige U21-Coach Stefan Kuntz. Auch sportlich sieht der Ex-Profi eine bedenkliche Entwicklung.

 Stefan Kuntz, Trainer der Türkei, reagiert am Spielfeldrand.

Stefan Kuntz, Trainer der Türkei, reagiert am Spielfeldrand.

Foto: dpa/Uncredited

Der frühere deutsche U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz hält bei der Aufarbeitung des frühen deutschen WM-Scheiterns Veränderungen über personelle Konsequenzen hinaus für entscheidend. „Nur einen neuen Verantwortlichen einzustellen, bringt nichts, wenn derjenige gar keine Veränderungen herbeiführen kann“, sagte der 60-Jährige der Deutschen Presse-Agentur. Es sei wichtig zu überlegen, „was in den aktuellen Strukturen überhaupt verändert werden“ könne, sagte der türkische Nationalcoach.

Es müsse für angestrebte Veränderungen auch der Weg geebnet werden, sagte Kuntz, der von 2016 bis 2021 die deutsche U21-Nationalmannschaft trainiert hatte und mit ihr zwei Europameistertitel feierte. Beim Deutschen Fußball-Bund äußert sich am Dienstag erstmals seit der Rückkehr aus Katar Präsident Bernd Neuendorf. Offen ist weiter, wer die Nachfolge des zurückgetretenen Geschäftsführers Oliver Bierhoff antreten wird. Die Entscheidung, mit Bundestrainer Hansi Flick weiterzumachen, hält Kuntz für „nachvollziehbar. Jetzt sollte man sich Zeit lassen und überlegen, wo man mit dem deutschen Fußball hin möchte.“

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Aus sportlicher Sicht bemängelte Kuntz, dass bei dem Turnier in Katar kein deutscher Spieler „zu 100 Prozent an seine Leistungsgrenze gekommen“ sei. „Und als Mannschaft haben sie es nicht geschafft, den Funken überspringen zu lassen, damit die Menschen bedingungslos hinter ihnen stehen und sie anfeuern.“ Das Team habe das Turnierglück nicht erzwungen.

Auch die richtige Einstellung vermisse er beim aktuellen Team, sagte Kuntz. „Wir sind mit Benedikt Höwedes als Linksverteidiger Weltmeister geworden, Jürgen Klinsmann hatte auch nicht das Talent von Neymar. Aber egal, wer gespielt hat – die Aufopferungsbereitschaft, die Einstellung zum Fußball, der Teamspirit und der Zusammenhalt, das war immer da“, sagte der Europameister von 1996. Inzwischen seien aber „die deutschen Tugenden, für die uns die ganze Welt respektiert und geachtet hat, verloren gegangen.“

(dpa/stja)
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