1. Sport
  2. Fußball
  3. WM

Doping: Fifa spricht Russlands Fußballer frei, aber Zweifel bleiben

Doping-Ermittlungen : Fifa spricht Russlands Fußballer frei, aber Zweifel bleiben

Das befürchtete Doping-Beben im russischen Fußball ist vor der WM zwar (vorerst) ausgeblieben. Zweifel an der Integrität des WM-Gastgebers aber bleiben.

Die russischen WM-Macher dürften sich lächelnd die Hände geschüttelt haben. Das befürchtete Doping-Beben vor dem Anpfiff des Großereignisses am 14. Juni in Moskau ist durch den vorläufigen "Freispruch" durch den Fußball-Weltverband Fifa ausgeblieben - Experten und Politiker warnen jedoch eindringlich vor voreiligen Schlüssen.

"Es bleibt trotzdem eine Systemfrage. Es mag ja sein, dass bei den Aktiven keine belastenden Beweise gefunden worden sind - aber das Dopingsystem ist nach wie vor vorhanden", sagte der Nürnberger Doping-Experte Fritz Sörgel dem SID am Mittwoch: "Daran hat sich nichts geändert, und das sieht man in allen Bereichen. Man sollte nicht annehmen, dass das im Fußball anders ist. Das System ist im Vertuschen zu gut, als dass man zu viel Vertrauen haben sollte."

Die Fifa hatte mitgeteilt, dass sich die jüngsten Dopingverdächtigungen zumindest gegen die russischen Profis im vorläufigen WM-Kader nicht erhärtet haben. Die Untersuchungen seien "mangels ausreichender Beweise für das Vorliegen eines Verstoßes" eingestellt worden. Der Weltverband versicherte, sich eng mit Richard McLaren abgestimmt zu haben, dem Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) in der Causa Russland. Die Wada reagierte auf SID-Anfrage "zufrieden".

Ungereimtheiten nur bei Spielern außerhalb des WM-Kaders

Sportpolitikerin Dagmar Freitag warnte aber, dass "sowohl die Fifa als auch das russische Sportsystem seit geraumer Zeit nicht wirklich als die Hüter der Integrität des Sports" gelten. "Misstrauen darf also erlaubt sein", sagte die Vorsitzende des Sportausschusses im Bundestag dem SID: "Ungereimtheiten gibt es also nur bei Spielern außerhalb des russischen Kaders für die WM - das macht sicher nicht nur mich mehr als stutzig."

Nach dem Staatsdopingskandal um die Winterspiele 2014 im russischen Sotschi und den Erkenntnissen aus dem McLaren-Report waren der Fifa insgesamt 155 Proben russischer Fußballer übergeben worden, die die Wada im Moskauer Kontrolllabor beschlagnahmt hatte. Namen der Spieler, deren Proben genauer unter die Lupe genommen wurden, nannte die Fifa nicht. Das russische Team gehöre vor der WM aber zu den "mit am häufigsten kontrollierten" Mannschaften.

"Vor den Olympischen Spielen in Südkorea waren aus Russland ähnliche Verlautbarungen zu hören, dass alle Sportler sauber und negativ getestet seien", sagte Sörgel. Während der Winterspiele waren dann aber der Curler Alexander Kruschelnizki und die Bob-Pilotin Nadeschda Sergejewa überführt worden.

Dass es während der WM (14. Juni bis 15. Juli) positive Doping-Test gibt, hält der Experte aber für unwahrscheinlich. "So dumm kann niemand sein", sagte Sörgel: "Wir wollen hoffen, dass die Fifa das optimal organisiert in einem Land mit der spektakulärsten Dopingvergangenheit der letzten acht Jahre."

Der Weltverband habe mit der Pressemitteilung vom Dienstag jedenfalls sein Ziel erreicht, meinte Freitag. "Wenn nun doch noch der eine oder andere russische Fußballer aus der zweiten Reihe des Dopings überführt werden sollte, wird das nur noch ein kleines Rauschen verursachen. Die WM wird das dann jedenfalls nicht beeinträchtigen", sagte die SPD-Politikerin, die infrage stellte, "wie intensiv die Fifa wirklich gesucht hat".

(SID)