WM-Party: Helene Fischer ist der neue Xavier Naidoo

WM-Party in Berlin : Helene Fischer ist der neue Xavier Naidoo

Auf der Fanmeile in Berlin feierten Deutschlands Weltmeister eine rauschende Party. Auffällig war die Musik-Auswahl: Die WM-Helden sind in Sachen Fangesänge nicht auf dem neuesten Stand, Queen ist out und Helene Fischer der neue Xavier Naidoo.

Der Klassiker erklang erst, als sich die Weltmeister schon wieder verabschiedet hatten. "We are the Champions" galt lange Zeit als DIE Hymne beim Feiern von erfolgreich abgeschlossenen Sport-Veranstaltungen. Als Deutschland 1990 zum dritten Mal Weltmeister wurde, sorgte das Lied bei Fans und Spielern gleichermaßen für Gänsehaut. 2014 hatten die Bombast-Rocker von Queen im Hauptprogramm jedoch keinen Platz mehr. Erst im Nachgang, als sich die Menge auf der Fanmeile schon deutlich gelichtet hatte, schallte es dann doch noch durch die Boxen. "We are the Champions - wir sind die Meister."

Helene Fischer textet "Atemlos" um

Die musikalischen Hauptrollen übernahmen an diesem Tag andere. Andreas Bouhrani zum Beispiel, dessen Song "Ein Hoch auf uns" zur inoffiziellen WM-Hymne avancierte und der in Berlin live auftrat. Auch die "Höhner" fungierten als Live-Act. Und um das rheinische Gleichgewicht im fernen Berlin wieder auszugleichen, durfte auch "An Tagen wie diesen" von den Toten Hosen nicht fehlen.

Und natürlich Helene Fischer, um die man in diesen Tagen, Wochen, Monaten einfach nicht herumkommt. Gemeinsam mit den Nationalspielern gab sie im bauchfreien (sie, nicht die Nationalspieler) DFB-Trikot ihren Hit "Atemlos" zum Besten. Und Deutschlands derzeit erfolgreichste Sängerin bewies erstaunliche Kreativität, textete gar ihren Song um. Statt der Textzeile "Spür', was Liebe mit uns macht" sang sie am Dienstag vor dem Brandenburger Tor "Spür', was Fußball mit uns macht". Auch die Zeile "Unser aller Traum ist wahr, wir haben den WM-Pokal" brachte sie unter

Beim Sommermärchen 2006 hatte noch Xavier Naidoo mit den damals Drittplatzierten WM-Helden auf der Bühne gestanden. Dass der Mannheimer gleich einen eigenen Song für die Fußballer komponiert und nicht bloß einige Worte ausgetauscht hatte? Geschenkt. Helene Fischer finden die Nationalspieler trotzdem toll. Vor allem die Dortmunder. "Wir in Dortmund hören sie gerne", sagte BVB-Keeper Roman Weidenfeller. "Wir in München sehen sie gerne", so der Kommentar von Bastian Schweinsteiger.

Bei ihren eigenen Gesangseinlagen bewiesen die Weltmeister, dass sie offenbar nicht ganz am Puls der Zeit sind. "So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so", sangen Miroslav Klose, Andre Schürrle, Shkodran Mustafi, Mario Götze, Roman Weidenfeller und Toni Kroos, als sie tief gebückt auf die Bühne liefen. Daraufhin richteten sie sich auf: "So gehen die Deutschen, die Deutschen, die gehen so."

"Gauchogate" ist ein alter Hut

Der (harmlose) Seitenhieb auf die Argentinier hatte das mediale Echo, das bei Twitter als "Gauchogate" bezeichnet wurde, eigentlich nicht verdient. Denn in den Stadien wurde der choreographierte Schmähgesang mit dem jeweiligen Sieger und Verlierer der Stunde so lange gesungen, dass er mittlerweile schon wieder out ist.

Ähnliches gilt für die fußballerische Variante der "Seven Nation Army" von den White Stripes. Schon 2006 der inoffizielle Weltmeister-Song der Italiener wurde das Lied 2008 bei der EM von sämtlichen Fan-Kurven intoniert. Und das "So sehen Sieger aus", das die Deutschen in Berlin immer wieder zum Besten gaben, ist nun wirklich ein alter Hut.

Der Empfang 2006 hatte auf viele Beobachter einen spontaneren, nicht ganz so durchgestylten Eindruck gemacht. Tragisch ist der Mangel an Originalität in der Musik-Auswahl der WM-Helden allerdings nicht. Schließlich handelte sich bei der Veranstaltung in Berlin um eine Party in Bierlaune — von und für Weltmeister.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Helene Fischer feiert mit der DFB-Mannschaft auf der Fanmeile

(areh)
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