WM-Kader 2018: Joachim Löw hält an Mesut Özil und Ilkay Gündogan fest

Vorläufiges Aufgebot : Özil und Gündogan nach Wirbel um Foto mit Erdogan im WM-Kader

Ungeachtet der Debatte um die Fotos mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan gehören Mesut Özil und Ilkay Gündogan zum DFB-Team. Bundestrainer Joachim Löw berief die beiden Mittelfeldakteure am Dienstag in sein vorläufiges WM-Aufgebot.

"Wir vonseiten des Verbandes haben den beiden klargemacht, dass es keine glückliche Aktion war", sagte Bundestrainer Joachim Löw bei der Bekanntgabe des WM-Kaders am Dienstag in Dortmund. Er kündigte ein Gespräch mit den Spielern für das Trainingslager der Nationalmannschaft in Südtirol (23. Mai bis 7. Juni) an. Er betonte allerdings auch: "Beide haben für die Integration in Deutschland sehr viel getan", der Vorfall, ergänzte er, werde "eine Lehre für sie sein".

Weltmeister Özil ist seit Jahren eine unverzichtbare Größe bei Löw. Der wiederholt verletzte Gündogan verpasste vor zwei Jahren die Europameisterschaft in Frankreich.

Özil und Gündogan hatten dem türkischen Präsidenten Erdogan bei einem Termin in London Trikots ihrer Vereine überreicht. Die von Erdogans Partei veröffentlichten Bilder hatten harsche Kritik ausgelöst, da die Spieler mit dem Auftritt Wahlkampf-Hilfe für den umstrittenen Politiker geleistet hätten. Es sei eine Situation gewesen, „die Fragen aufwarf und zu Missverständnissen einlud“, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag. Als Nationalspieler hätten die beiden Vorbildfunktion. Seibert begrüßte, dass die beiden Fußballer sich inzwischen zu dem Vorfall erklärt hätten. Gündogan hatte das Treffen mit einer Geste der Höflichkeit erklärt.

"Menschen können Fehler machen“

DFB-Präsident Reinhard Grindel rief bei der Bekanntgabe des WM-Kaders zu einem fairen Umgang mit den beiden Nationalspielern auf. "Menschen können Fehler machen. Wir müssen das Maß wahren", sagte Grindel und ergänzte, viele Kritiker hätten über das Ziel hinausgeschossen.

Auch Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff bezeichnete das Verhalten der türkischstämmigen Spieler als "unglücklich". Özil und Gündogan hätten sich der Wirkung bewusst sein müssen. Allerdings: "Man muss auch verstehen, wie Türken in dieser Sache ticken." Die DFB-Führung werde die WM-Fahrer "auf die Brisanz gewisser Fragen hinweisen, auch im Zusammenhang mit Russland". Dies sei jedoch ohnehin geplant gewesen.

Der türkische Fußballverband bezeichnet Grindels Aussagen als „absolut inakzeptabel“

Der türkische Fußballverband TFF hat derweil mit Empörung auf die ersten Aussagen von Grindel reagiert.Grindels "verleumderische" Kommentare hätten bei ihm "große Traurigkeit" ausgelöst, ließ der TFF-Vorsitzende Yildirim Demiroren am Dienstag mitteilen: "Die ausgedrückten Gedanken sind absolut inakzeptabel."

Der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes habe einen "schrecklichen Fehler" begangen, als er Politik und Sport vermischt habe. Demiroren deutete gar an, Grindels Aussagen wären vor dem Hintergrund des Rennens der beiden Verbände um die Ausrichtung der EM 2024 taktischer Natur: "Der türkische Fußballverband wird sich solchen Verhaltens nicht bedienen und in seiner Bewerbung um die EURO weiterhin nach den Regeln der UEFA spielen."

Grindel versicherte indes, der DFB werde "bei dem bleiben, was eine Richtschnur ist: Integration ist eine Schlüsselfrage für die Zukunft des deutschen Fußballs. Es ist nicht interessant, wo du herkommst, welche Hautfarbe du hast, was deine Religion ist, sondern, dass du dich auf Basis gemeinsamer Regeln zu einer Mannschaft findest". Das Problem an dem Fototermin sei gewesen, dass "nicht das Miteinander, sondern eher das Trennende hervorgerufen und manches Vorurteil bestätigt wurde".

(dpa)
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