WM 2018: Wirtschaft nimmt das deutsche WM-Aus gelassen

Deutsches WM-Aus : Schlimm für Fans, nicht für die Wirtschaft

Das frühe Aus der deutschen Elf hat nicht nur die Anhänger, sondern auch manche Gastronomen in der Region getroffen. Die hoffen jetzt auf einen heißen Sommer. Einzelhandel und Sportartikelhersteller bleiben sowieso gelassen.

Eigentlich sollte es ein neues Sommermärchen für die deutschen Bierbrauer werden. Einzelhändler und Gastronomen hatten steigende Umsätze einkalkuliert in der Erwartung, „die Mannschaft“ würde möglichst lange im Turnier bleiben. Und jetzt, nach dem Aus, nach nur drei Partien mit deutscher Beteiligung? Kein Problem, sagt der Deutsche Brauer-Bund. „Wichtiger als die Nationalmannschaft ist das Wetter“, sagt ein Sprecher des Verbandes. Wenn das so bleibe, werde es trotz des Scheiterns in der Vorrunde keine spürbare Delle im Konsum geben. Oder in Abwandlung eines alten Sprichwortes: Durst ist schlimmer als frühe Heimkehr aus Russland. Bei mehr als 30 Grad kann auch ein sportliches Desaster zur Nebensache werden.

So zuversichtlich wie die Brauer ist so mancher Gastwirt in der Region nicht. Thomas Wenning beispielsweise war nach dem WM-Aus der Deutschen frustriert. „Ich habe mir extra für die WM eine zwei mal drei Meter große Leinwand ausgeliehen. Nun bekomme ich das Geld, das ich dafür ausgegeben habe, niemals wieder rein“, sagt der Wirt der Gaststätte Partytur in Neuss-Weckhoven. So wie Wenning ergeht es vielen Wirten in NRW. Ein Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) in Nordrhein-Westfalen sieht das ähnlich. „Der Frust ist groß. Für viele Fans waren die deutschen Spiele ein Ausgehgrund, der jetzt wegfällt“, heißt es. Bei einem Weiterkommen des deutschen Teams hätte es in der zweiten WM-Hälfte erfahrungsgemäß ein zusätzliches Absatzpotenzial von etwa 400.000 Hektolitern für die hiesige Braubranche gegeben. Das entspreche einem Umsatzpotenzial in der Größenordnung von etwa 40 Millionen Euro, das nun für die Braubranche verlorengegangen sei, sagt ein Sprecher der Privatbrauerei Veltins.

Gerade für die Düsseldorfer Wirte sei das Aus der deutschen Mannschaft bitter, weil auch das Konzert von Ed Sheeran abgesagt worden sei, ergänzt der Dehoga-Sprecher. „Das hätte ein Supersommer für die Gastronomen werden können. Jetzt bleibt nur noch die Hoffnung auf Sommer und Sonne.“ Und vielleicht hilft den Gastronomen auch der Glaube an die allgemeine Fußballbegeisterung und das Interesse an den anderen Teams. Das könnte befürchtete Erlösrückgänge zumindest teilweise ausgleichen. Jutta Rozanski von der Brauerei Webster in Duisburg: „Vielleicht gibt es jetzt auch Zuspruch für die Außenseiter, die noch dabei sind.”

Im deutschen Einzelhandel insgesamt bleiben die Auswirkungen auf die Unternehmen nach Angaben des Handelsverbands Deutschland (HDE) dagegen überschaubar. Begründung: Die meisten Trikots und Fußbälle waren schon vor Beginn des Turniers verkauft, die Fernseher genauso. „Leichte Zusatzeffekte hat der Handel also schon mitgenommen. Und außerdem ist die Weltmeisterschaft ja noch nicht ganz zu Ende“, sagt ein Sprecher des Verbandes auf Anfrage. Bei mehr als 500 Milliarden Euro Umsatz im deutschen Einzelhandel ist das, was durch die Weltmeisterschaft zusätzlich in die Kassen von Wirten, Sportartikelhändlern und Elektronikverkäufern kommt, natürlich ein willkommener Aufschlag, am Ende aber nicht entscheidend für die Bilanz des ganzen Jahres in der gesamten Branche.

Das denken sich vermutlich auch die Verantwortlichen beim Sportartikelhersteller Adidas. Der hat als Ausrüster von WM-Teams nach dem Aus des noch amtierenden Weltmeisters zwar sein Zugpferd verloren, aber immerhin noch drei Teams im Rennen. „Natürlich gibt es jetzt noch DFB-Trikots im Handel. Allerdings ist unser Engagement als globale Marke bei der Fußball-Weltmeisterschaft so umfassend, dass wir nicht vom Erfolg eines einzelnen Teams abhängig sind“, sagt ein Sprecher. Zur WM vor vier Jahren in Brasilien seien knapp acht Millionen Trikots der „Adidas-Teams“ verkauft worden, aktuell gehe man davon aus, dass es 2018 sogar mehr würden. Trotzdem gilt: Dass Trikots der deutschen Mannschaft, die vor der Weltmeisterschaft bis zu 100 Euro kosteten, jetzt für die Hälfte über die Ladentheke gehen, schmerzt auch in der Zentrale in Herzogenaurach.

In der dunklen Stunden bleibt immer noch die Hoffnung auf den nächsten Anlauf. Mit dem verdient Smartphone-Hersteller Samsung gerade Geld. Dank Mario Götze als Werbebotschafter, der nach seinem persönlichen WM-Aus schon bei der Kader-Nominierung für sein Comeback in der Nationalelf schuftet und auf die Fußball-Europameisterschaft 2020 in zwölf europäischen Ländern hofft. Samsung als Symbol für die fußballerische Wiederauferstehung – wenn das keine Botschaft für enttäuschte deutsche WM-Fans ist.