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WM 2018: Wenn sich Ex-Spieler wie Mario Basler im Ton vergreifen

Kommentar zur Kritik an DFB-Elf : Wenn sich Ex-Spieler im Ton vergreifen

Die deutsche Nationalmannschaft hat enttäuscht. Das bringt naturgemäß viele Kritiker auf den Plan. Im Rausch der Verachtung versuchen sich vor allem Ex-Profis zu profilieren. Mario Basler ist jetzt deutlich übers Ziel hinausgeschossen.

Es gab sie vermutlich schon immer, die Millionen Bundestrainer. In Zeiten der Sozialen Medien haben sie allerdings ein größeres Sprachrohr als in der Vergangenheit. Und wenn des Deutschen liebstes Kind, die Nationalelf – oder neudeutsch: die Mannschaft – dann beim größten Fußballturnier der Welt eine indiskutable Leistung abliefert, passiert eben das, was in der heutigen Zeit immer passiert, wenn man die Möglichkeit hat, mal richtig Dampf abzulassen: Es gibt einen Aufschrei. Daran nehmen diejenigen teil, die sich sachlich mit der Materie auseinandersetzen. Aber auch diejenigen, die mit möglichst viel Polemik um Aufmerksamkeit buhlen – und diese dann meist auch bekommen.

In die letztere Kategorie fallen vor allem Experten, deren vermeintlicher fußballerischer Wissensvorsprung längst aufgebraucht scheint und deren Dienste im aktiven Tagesgeschäft nicht mehr gefragt sind. Einige Ex-Nationalspieler nutzen den Rausch der Verachtung, um sich wieder ins Gespräch zu bringen oder zumindest für ein paar Momente wieder im Scheinwerferlicht zu stehen.

Lothar Matthäus, der ehemalige Weltklassesportler, dem seit mehr als sieben Jahren kein Verein oder Verband mehr zugetraut hat, das Amt als Trainer zu übernehmen, nutzt dazu sein liebstes Sprachorgan: die „Bild“. Matthäus habe das Gefühl, dass sich Özil im DFB-Trikot nicht wohlfühle. Dass Özil gar nicht mitspielen wolle. Und dann legt Matthäus dem Weltmeister von 2014 quasi einen Rücktritt nahe. Matthäus spielt dabei mit den Ressentiments der deutschen Bevölkerung gegenüber Özil nach der Affäre rund um das Foto mit Ilkay Gündogan und dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Matthäus gelingt es dabei aber immerhin, bei den Formulierungen ein Restmaß an Anstand zu wahren.

Einer, der diese Grenze zur Unverschämtheit gerne – vermutlich auch bewusst – überschreitet, ist Mario Basler. Der 49-Jährige nutzte die Bühne bei „Hart aber fair“ im Ersten, um das eigentliche Thema der Sendung „Der Ball rollt, noch ist alles drin: Viel Spaß mit der WM in Russland?“ in „Wie beleidige ich aktuelle Nationalspieler am besten?“ umzumodeln. Basler bediente sich primitiver Sprachbilder. Seine Aussage, dass Özils Spiel „erbärmlich“ gewesen sei, hätte sich vielleicht noch mit kernigem Fußballersprech rechtfertigen lassen. Das war aber spätestens mit dem Satz „Özils Körpersprache ist die von einem toten Frosch“ Geschichte. Auch bei Sami Khedira trat Basler verbal genüsslich zu: „Dem kannste die Schuhe besohlen beim Laufen, dem kannste die Stollen runterdrehen und raufdrehen beim Laufen.“

Wer nun glaubt, eigentlich müssen die Ex-Profis aus eigener Erfahrung doch wissen, dass solche Aussagen aus der Entfernung gefährlich sind, täuscht sich. Basler gibt eine alternative Wahrheit der Erinnerung an seine Zeit als Spieler zum besten: „Ich wäre sicherlich auch wenig gelaufen, aber ich hätte ein Tor gemacht und zwei vorbereitet. Das ist der große Unterschied.“ Bei dieser Art verklärter Weltsicht ist der Populismus wohl nur die logische Konsequenz.

Zur allgemeinen Beruhigung dürfte aber beitragen, dass die Vergangenheit immerhin gelehrt hat, dass jeder große Aufschrei auch alsbald wieder in den Tiefen der sozialen Medien verhallt. Außer natürlich, die deutsche Mannschaft liefert am Samstag gegen Schweden eine erneute Vorlage für die polemischen Kritiker. Denn diese werden sie sicher verwandeln.