WM 2018: Noch 100 Tage bis zum ersten Anpfiff

100 Tage bis zur WM: "Deutschland wird gejagt werden wie nie"

100 Tage vor Turnierbeginn tobt der von Joachim Löw geschürte "härteste Konkurrenzkampf" um die WM-Kaderplätze. Größtes Sorgenkind des Bundestrainers bleibt Kapitän Manuel Neuer.

Die große WM-Bühne beim Workshop in Sotschi überließ Joachim Löw zuletzt seinem Assistenten Thomas Schneider, stattdessen tüftelte der Bundestrainer im Verborgenen an seinen Russland-Plänen. 100 Tage vor Turnierbeginn werden seine Überlegungen immer konkreter, über allem steht die für Löw "historische Mission" erfolgreiche Titelverteidigung. "Deutschland wird gejagt werden wie nie", weiß er.

Die rachedurstigen Brasilianer, Mitfavoriten wie Frankreich, Spanien oder Argentinien, auch die Gruppengegner Mexiko, Schweden und Südkorea - "sie alle wollen uns, den Weltmeister, unbedingt schlagen", sagte Löw in seinem Jahresausblick. Deshalb hat er im Ringen um die 23 Kaderplätze für die Endrunde (14. Juni bis 15. Juli) "den härtesten Konkurrenzkampf, den wir je erlebt haben", ausgerufen.

Und der ist zehn Wochen vor der Bekanntgabe des vorläufigen Aufgebots am 15. Mai im Fußballmuseum Dortmund längst voll entbrannt. Gestandene Weltmeister, Confed-Cup-Sieger und U21-Europameister - das Reservoir an Klassespielern ist so groß wie wohl nie zuvor in der Geschichte des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Doch ausgerechnet Kapitän Manuel Neuer, einer von sechs, sieben "Unantastbaren" in Löws Kaderplanung, bereitet der sportlichen Leitung große Sorgen.

Dass der Weltmeister die letzten Länderspiele vor der Nominierung des vorläufigen Aufgebots am 23. und 27. März gegen Spanien in Düsseldorf und Brasilien in Berlin nach seiner Fuß-OP verpassen wird, ist längst klar. Doch ein Comeback-Termin Neuers beim FC Bayern ist noch immer nicht absehbar. Dennoch geht er davon aus, "dass ich bei der WM im Tor bin". Und auch Löw sowie Bayern-Coach Jupp Heynckes sind "felsenfest" von Neuers WM-Teilnahme überzeugt.

Während Kronprinz Marc-Andre ter Stegen, der beim FC Barcelona eine starke Saison spielt, als Ersatz bereitstünde, herrscht in den anderen Mannschaftsteilen fast ein Überangebot. In der Abwehr bedrängen Niklas Süle oder Antonio Rüdiger das Weltmeister-Duo Jerome Boateng und Mats Hummels. Im Mittelfeld haben die Stammspieler Toni Kroos und Sami Khedira im wieder erstarkten Ilkay Gündogan einen weiteren Konkurrenten bekommen.

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Und im Angriff hat Löw mit dem lange verletzten, jetzt aber stark aufspielenden Marco Reus ein Option mehr. Am vergangenen Samstag überzeugte sich der Bundestrainer beim Topspiel zwischen RB Leipzig und Reus' Dortmundern (1:1) höchstpersönlich vom Leistungsstand des 28-Jährigen, dem Vernehmen nach war er "sehr angetan".

Nach der Kaderbekanntgabe reist die Mannschaft am 23. Mai ins Trainingslager nach Eppan/Südtirol, am 2. Juni findet in Klagenfurt gegen Österreich der vorletzte WM-Test statt. Das Kandidaten-Casting endet zwei Tage später, wenn Löw sein endgültiges, 23-köpfiges Aufgebot melden muss. Dieses bestreitet am 8. Juni gegen Saudi-Arabien in Leverkusen die WM-Generalprobe.

Am 12. Juni bezieht der Weltmeister sein WM-Quartier in Watutinki nahe Moskau. Fünf Tage später startet die DFB-Elf in der russischen Hauptstadt gegen Mexiko in die Gruppenphase. Die weiteren Spiele in der Vorrunde finden am 23. Juli in Sotschi gegen Schweden und am 27. Juni in Kasan gegen Südkorea statt.

"Wir gehen das Turnier mit aller Konzentration, mit aller Kraft an, die uns zur Verfügung steht", sagte Löw, "wir wollen da unbedingt erfolgreich sein."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist der WM-Kader von Deutschland

(sid)
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