WM 2018: Joachim Löw setzt in Aufstellung gegen Mexiko auf Weltmeister

Aufstellung gegen Mexiko : Joachim Löw setzt auf Altbewährtes

Acht Weltmeister für den fünften Stern: Joachim Löw setzt zum Start der WM-Mission Titelverteidigung auf ein Gerüst aus Rio-Helden. Ein Fragezeichen aber gibt es bei der Aufstellung.

Joachim Löw hat sein Pokerface aufgesetzt, dabei liegt sein Blatt längst auf dem Tisch. Wenn die deutsche Nationalmannschaft bei der Fußball-WM in Russland am Sonntag (17.00 Uhr/ZDF und Sky) gegen Mexiko ihre Mission Titelverteidigung startet, setzt der Bundestrainer auf Altbewährtes: Mindestens sieben, vielleicht sogar acht der neun Weltmeister im deutschen Kader werden beginnen.

"Wie die Aufstellung aussieht, da werde ich mich vielleicht am Samstag festlegen", sagte Löw zwar im deutschen WM-Quartier in Watutinki. Die Trainingseindrücke jetzt in Russland seien für ihn "wichtig, um zu sehen: Wer ist bereit, von Anfang an zu spielen?" Und schließlich herrsche in der Mannschaft ein großer Konkurrenzkampf, "das ist ganz bewusst so gewollt". Zittern aber muss keiner der Arrivierten, einzig Mesut Özil wackelt nach überstandener Knieblessur und wegen der Erdogan-Affäre ein bisschen.

Körperlich, betonte Löw, sei der Regisseur des deutschen Spiels fit, "er hat überhaupt keine Probleme". Die Foto-Debatte werde jedoch "ein kleiner Aspekt" in den Überlegungen des Bundestrainers sein, meinte DFB-Direktor Oliver Bierhoff. Spielt Özil, läuft es auf der linken Offensivseite auf ein Duell zwischen Marco Reus und Weltmeister Julian Draxler hinaus. Reus dürfte die Nase nach starker Vorbereitung knapp vorne haben. Löw erwartet, dass der Dortmunder bei seiner ersten WM "einen wesentlichen Beitrag" leisten wird.

„Mannschaft kennt sich gut“

Bei seinen Weltmeistern ist er sich da ebenfalls sicher, von den Rio-Helden gehört nur Matthias Ginter - wie bereits 2014 - nicht zum Kreis der Stammspieler. "Die Voraussetzungen sind gut, weil sich unsere Mannschaft gut kennt und wir eine starke Achse haben, die die Mannschaft anführt", sagte Löw über die "Unantastbaren" im SID-Gespräch.

Der Kern der Mannschaft steht seit der WM 2010, als Löw um die U21-Europameister von 2009 ein neues Team aufbaute. "Wir kennen uns alle sehr gut und haben ein gutes Korsett, an dem sich jeder Spieler, der dazu kommt, orientieren kann. Das ist ein Riesenvorteil", sagte Thomas Müller. Toni Kroos sagte: "Es ist wichtig, dass du mit einer Achse agierst, die große und wichtige Spiele zusammen gemacht und etwas Großes gewonnen hat. Das kann über so ein Turnier entscheidend sein."

Er selbst, Kapitän Manuel Neuer, Jerome Boateng, Sami Khedira, Özil und Müller waren schon vor acht Jahren in Südafrika dabei, Mats Hummels debütierte ebenfalls 2010. "Wir haben ein sehr gut eingespieltes Gerüst", sagte der Bayern-Profi, "auf das man sich immer verlassen kann."

Fünf Bayern-Spieler in der Stammelf

Seit dem Rio-Triumph zog Löw in dieses Korsett die "Stangen" Jonas Hector (2015), Joshua Kimmich (2016) und Timo Werner (2017) ein. Ilkay Gündogan stand kurz davor, Khedira dessen Platz streitig zu machen. Verletzungen und aktuell die Erdogan-Affäre warfen ihn allerdings zurück. "Die Mischung scheint gut", sagte Müller, "deshalb bin ich sehr positiv gestimmt, dass wir sehr weit kommen."

Dass fünf Stammspieler beim FC Bayern aktiv sind, wo ja auch Kroos bis 2014 unter Vertrag stand, sei "nicht hinderlich", ergänzte er: "Die Abläufe sind eingeschliffener." Ohne die Stars des Rekordmeisters "wird man nicht Weltmeister", tönte Uli Hoeneß in der Münchner AZ, "sie werden entscheidend dazu beitragen, wenn man Erfolg haben will".

Dass die Weltmeister satt sind, glaubt Müller nicht. "Da lassen wir es einfach mal darauf ankommen", sagte er: "Ich würde das Risiko eingehen, nach einem zweiten WM-Titel satt zu sein."

(rent/SID)
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