WM 2018: Jerome Boateng und Toni Kroos beschwören den Teamgeist

Vor dem Start gegen Mexiko: Boateng und Kroos beschwören den Teamgeist

Sie gehören zu den Leistungsträgern und Routiniers im deutschen Team: Jerome Boateng und Toni Kroos kann so schnell nichts mehr erschüttern. Trotz der Probleme in den vergangenen Wochen sind sie von einem positiven WM-Start gegen Mexiko überzeugt.

Jerome Boateng hat sich in diesen Tagen für die Frisur im Josephine-Baker-Look entschieden. Das Haar klebt glänzend am Kopf, dazu trägt der deutsche Nationalverteidiger eine Goldrandbrille. Und er verbreitet vor dem WM-Auftakt gegen Mexiko (Sonntag) gute Laune im Boateng-Modus. Das geht so: "Wir fühlen uns wohl und freuen uns, dass es losgeht." Punkt. Zur Plaudertasche wird der lange Kerl aus Berlin mit dem imposanten Körper in diesem Leben nicht mehr.

Immerhin findet er sich aber bereit, die Lehren aus den zurückliegenden nicht gerade überzeugenden Testspielen öffentlich zu verbreiten. "Wir wissen, dass da einiges gefehlt hat - an Gier und an Feuer", sagt er im Mannschaftsquartier Watutinki, "aber Freundschaftsspiele sind etwas anderes als WM-Spiele. Es ist von Vorteil, dass wir auf einen starken Gegner treffen." Das sei bereits im Training zu erkennen. "Da muss es dann auch mal knallen", findet Boateng. Und er sieht so aus, als werde er maßgeblich daran mitarbeiten, dass es auf dem Trainingsplatz ein wenig munterer zur Sache geht.

„Wir wissen, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen“

Toni Kroos wird das wahrscheinlich nicht erschüttern. Toni Kroos erschüttert ohnehin eher wenig. Er bringt seine Auftritte auf der Medienbühne ähnlich unaufgeregt hinter sich wie die fußballerischen Aufgaben auf dem Rasen. Sein Ruhepuls bewegt sich sicher zuverlässig im Bereich von 40 Schlägen pro Minute. Und er beruhigt aufgeregte Gemüter, die nach zittrigen Testspielen eine problematische WM erwarten. "Wir wissen, dass wir noch eine Schippe drauflegen müssen", sagt Kroos, "aber wir haben oft genug bewiesen, dass wir dazu in der Lage sind."

Damit die Basis für so eine Leistungssteigerung stimmt, hat Kroos vor ein paar Monaten mal ganz vorsichtig den mahnenden Zeigefinger gehoben. Nach dem 0:1 im Freundschaftsspiel gegen Brasilien in Berlin nahm er sich vor allem Spieler aus der zweiten Reihe öffentlich zur Brust. Wer Ansprüche stelle, müsse auch Leistung zeigen, murrte der Weltmeister. In Watutinki will er das "nicht als grundsätzliche Kritik" verstanden wissen.

Es sei eher als Ermahnung zur richtigen Einstellung gemeint gewesen, sagt er. Und in dieser Hinsicht habe er schon lange keine Bedenken mehr. "Ich bin überzeugt davon, dass es während der WM überhaupt nichts an der Einstellung zu kritisieren gibt", urteilt der Mann aus dem Maschinenraum des deutschen Spiels, der Rhythmusgeber in der defensiven Mittelfeldzentrale. Dazu lächelt er gewinnend in die Runde. Er macht sich wirklich keine Sorgen.

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Wie Boateng lobt er die fußballerischen Qualitäten der Mexikaner. Und genau wie der Kollege aus der Innenverteidigung glaubt er, dass ein starker Gegner die besseren Seiten des deutschen Fußballs zum Vorschein bringen wird.

Beide wissen aus gemeinsamer Erfahrung bei den großen Turnieren, dass ein erfolgreiches erstes Spiel Flügel verleihen kann. Und weil gute Leistungen wesentlich leichter fallen, wenn nicht allzu viel Beschwerendes den Alltag der feinfühligen Topathleten trübt, beschwören sie geradezu den guten Geist.

Kroos ist auch im diplomatischen Dienst des DFB unterwegs

"Ich glaube, dass die Stimmung grundsätzlich gut ist", versichert Kroos allem Tamtam um die Foto-Affäre der Kollegen Mesut Özil und Ilkay Gündogan zum Trotz. In der Mannschaft, das behauptet jedenfalls Kroos, sei die Geschichte "kein Thema mehr". Und dann sagt er noch: "Die Aktion kann man verurteilen, das tun auch manche. Aber wir sind hier, um Fußball zu spielen." Das kurzfristige Ziel sei, "jeden so hinzukriegen", dass vernünftig gespielt werden kann. Das, erklärt Kroos, schließe selbstverständlich Özil und Gündogan mit ein. Und auf diese Weise ist er eben auch im diplomatischen Dienst des DFB unterwegs.

Boateng beschäftigt sich längst nur noch mit den großen Zielen. "Ich bin hier bei einer WM, darauf konzentriere ich mich", sagt er. Wechselgerüchte nach der angeblichen Freigabe durch Bayern München will er natürlich nicht kommentieren. "Ich bin bei der Nationalmannschaft. Alles andere interessiert mich nicht. Und das sage ich hier nur einmal." Er sagt es leise in seinem sanften, etwas mundfaulen Berliner Tonfall. Aber es hört sich trotzdem wie eine Warnung an. Er lächelt auch nicht, als er sich zurücklehnt auf seinem Sessel und die Arme abwehrbereit vor der mächtigen Brust verschränkt.

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