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WM 2018: Jerome Boateng und Mats Hummels - Deutschlands Innenverteidiger stehen im Fokus

Boateng und Hummels : Deutschlands sensible Riesen

Die Innenverteidiger des DFB-Teams stehen bei dieser WM besonders im Fokus. Als Führungsspieler, Sprachrohre und regelmäßige Ausbügler von Eins-gegen-Eins-Situationen.

Von Beruf sind sie Spielverderber. Denn es ist ihr Job, gegnerischen Stürmern das Leben schwer zu machen. Früher hatte man mal das hässliche Wort von "Zerstörern" dafür. Darauf beschränkt sich der Beruf des sogenannten Innenverteidigers aber schon lange nicht mehr. In einem wesentlichen Nebenberuf ist er nach dem Torwart der zweite Aufbauspieler im Team. Trotzdem sehnt sich so mancher, der der Gattung des Innenverteidigers angehört, sehr danach, auch mal in den vorderen Bereichen mitzuturnen, in denen sich der natürliche Lebensraum der Stürmer befindet.

Mats Hummels zum Beispiel, der sein Fußballerleben tatsächlich als Stürmer begonnen hat. "Das ist es doch, was jeder kleine Junge will, der mit dem Fußball anfängt: Stürmen und Tore schießen", hat er mal gesagt. Als der heute große Mats noch ein vergleichsweise kleiner Mats war und beim FC Bayern München bei den E-, D- und C-Junioren spielte, hat er viele Tore geschossen. Aber irgendwann wurde der kleine Mats ein großer, viel schwererer Mats. Seine Erinnerung: "Das Gewicht wurde höher, und ich musste nach hinten."

Nicht völlig zum Nachteil seiner Karriere. Hummels wurde ein Weltklassemann in der Innenverteidigung. Und es gibt Experten, die Deutschlands WM-Innenverteidigung für die beste der Welt halten. Sie meinen damit die Erstbesetzung, die aus Hummels und Jerome Boateng besteht, die auch beim FC Bayern München erste Wahl sind. In Russland haben die beiden großen Jungs erst einmal zusammengespielt, gegen Mexiko. Und da sahen sie nicht wie ein Weltklasse-Paar aus, weil die gesamte Mannschaft ihren Auftrag zur Mitarbeit in der Defensive eher entspannt interpretierte und die Innenverteidiger im Regen stehen ließ. Gegen Schweden, als viel besser verteidigt wurde, durfte Hummels nicht mitmachen, weil sein Halswirbel und die Ärzte etwas dagegen hatten. Im letzten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Südkorea fällt Boateng aus, der gegen die Schweden vom Platz flog.

Feldverweise riskieren die Abwehrleute in der letzten Linie immer, das ist sozusagen Berufsrisiko. Ihr zweites Berufsrisiko: Weil sie in aller Regel sehr groß und sehr muskulös sind, machen die gut aufgebauten Muskeln vor allem im hohen Alter nicht immer mit. Die Verletzungspausen nehmen zu, je betagter so ein Innenverteidiger ist. Davon können Boateng und Hummels, beide werden in diesem Jahr 30, ein Lied singen. Deshalb war von Anfang an klar, dass ein Paar in der zentralen Deckung sicher nicht ausreichen würde für ein WM-Turnier. Bundestrainer Joachim Löw hat gleich fünf ausgebildete Innenverteidiger im Aufgebot. Zu den Weltmeistern Boateng und Hummels gesellen sich drei jüngere Leute: Niklas Süle (22), Matthias Ginter (24) und Antonio Rüdiger (25).

Rüdiger durfte gegen die Schweden neben Boateng verteidigen, weil ihm die Position links von der Mitte gut liegt. Nun muss Löw den richtigen Ersatzmann für Boateng suchen, der am liebsten rechts verteidigt. Die logische Lösung wäre Niklas Süle, der bei den Bayern spielt und dort Boateng schon sehr erfolgreich vertreten hat. Hummels habe beschwerdefrei trainiert, sagte Löws Assistent Marcus Sorg, und da bietet sich das Bayern-Paar geradezu an. Hummels würde auf seine angestammte Position links zurückkehren.

Beide werden sich auf einige ziemlich schnelle Gegner einstellen müssen - in erster Linie auf Heung Min Son, der nach Einschätzung seines deutschen Berufskollegen Timo Werner in "der internationalen Weltklasse" anzusiedeln ist. Davon konnte sich das Bundesliga-Publikum überzeugen. Der Star Südkoreas spielte für den Hamburger SV und Bayer Leverkusen. Nun verdient er sein Geld bei Tottenham Hotspur in der englischen Premier League. Gegen solche Spieler helfen gutes Stellungsspiel, in dieser Disziplin ist Hummels ganz groß, und ein veritabler Antritt, über den wiederum Süle trotz seiner bemerkenswerten Körpergröße von 1,95 Meter verfügt. Dass er darüber hinaus auch Fußball spielen kann, wie es das Berufsprofil des modernen Verteidigers erfordert, hat er ebenfalls hinreichend bewiesen. Alles andere als sein WM-Debüt wäre eine Überraschung.