WM 2018: Für Joachim Löw soll es im Trainingslager endlich wieder um Fußball gehen

Viel Politik, wenig Sport : Für Löw soll es endlich wieder um Fußball gehen

Bundestrainer Joachim Löw hatte vor dem Start des WM-Trainingslagers noch einige Probleme zu lösen. Immerhin gab es bei seinem Kapitän Manuel Neuer weitere positive Signale.

Entspannt das Pokalfinale verfolgen? Ein sonniges Pfingstwochenende genießen? Von wegen! Joachim Löw hatte genug zu tun, bevor am Mittwoch in Südtirol die heiße Phase der WM-Vorbereitung beginnt. Zwischen der Kadernominierung in der vergangenen Woche und dem Start des Trainingslagers musste der Bundestrainer noch einige Baustellen schließen. Viel Politik, wenig Sport, keine Ruhe lautete das Feiertags-Motto beim 58-Jährigen.

Zunächst wies Löw Sandro Wagner nach dessen Angriff auf das Trainerteam der deutschen Nationalmannschaft ungewohnt deutlich in die Schranken. Dann arbeitete er zusammen mit Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Präsident Reinhard Grindel das Politikum um Mesut Özil und Ilkay Gündogan ab.

Die beiden Stars hatten nach ihrem viel kritisierten Treffen mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan ihren Kurzurlaub unterbrochen und waren zu einem Gespräch nach Berlin angereist. Im Anschluss wurden Özil und Gündogan sogar noch im Schloss Bellevue bei Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vorstellig, um die Irritationen der vergangenen Tage auszuräumen. Zum Abschied hatte Steinmeier noch einen klaren Auftrag für die Nationalspieler. "Und mit Deutschland werden Sie Weltmeister", sagte der Bundespräsident.

Es ist auch ganz im Sinne Löws, dass ab sofort wieder der Fußball in den Mittelpunkt rückt. Er wünsche, betonte auch Grindel, "dass sich die Mannschaft jetzt auf die sportliche Vorbereitung der WM konzentrieren kann und die Spieler wieder aufgrund ihrer sportlichen Leistung von sich reden machen". Ab jetzt, ergänzte Gündogan, "solle es endlich wieder um das gehen, was wir am besten können: Fußball! Und nicht mehr um Politik."

Beim Thema Fußball erhielt Löw knapp vier Wochen vor dem Auftakt der WM in Russland (14. Juni bis 15. Juli) immerhin von seinem Kapitän weitere positive Signale. Manuel Neuer stand beim Pokalfinale nach achtmonatiger Verletzungspause wieder im Kader des FC Bayern. "Die Nation kann ganz beruhigt sein. Ich denke, dass er zur WM nicht nur fit wird, sondern ein großer Rückhalt für die Mannschaft sein wird", hatte Trainer Jupp Heynckes schon im Vorfeld der Partie gesagt. Auch Neuers Vertreter Sven Ulreich sieht "kein Problem. Ich denke, dass wir bei der WM einen guten Manuel Neuer sehen werden."

Neuer wird wie der Großteil des 27-köpfigen vorläufigen WM-Kaders am Mittwoch ins noble Fünfsternehotel Weinegg in Eppan anreisen. Einigen hoch belasteten Nationalspielern gewährt Löw zu Beginn der Vorbereitung Sonderurlaub. Weltmeister Mats Hummels bestätigte nach dem 1:3 der Bayern gegen Eintracht Frankfurt, dass er erst kommenden Freitag zur Mannschaft stoßen werde.

Neben Hummels dürften auch dessen Münchner Klubkollegen Thomas Müller und Joshua Kimmich erst zwei Tage später nachkommen. Gleiches gilt wohl für Antonio Rüdiger, der mit dem FC Chelsea im FA-Cup-Finale gegen Manchester United (1:0) stand.

Ohnehin verzichten muss Löw zunächst auf Toni Kroos, der mit Titelverteidiger Real Madrid am 26. Mai das Champions-League-Finale gegen den FC Liverpool bestreitet. Der leicht angeschlagene Sami Khedira dagegen will in Südtirol von Beginn an dabei sein, obwohl er mit Juventus Turin bis zu diesem Wochenende in der italienischen Meisterschaft gefordert war.

Doch egal, wer wann zum Team stößt - die Erwartungen von Löw sind bis zum 7. Juni in Südtirol an alle gleich hoch. "Im Trainingslager geht es darum, die Basis zu legen für das WM-Turnier, das uns alles abverlangen wird, physisch wie mental", sagte der Bundestrainer.

Löw muss seinen endgültigen 23er-Kader (3 Torhüter/20 Feldspieler) bis zum 4. Juni dem Weltverband Fifa melden. Vier Profis muss er noch aussortieren. Vor der endgültigen Nominierung stehen nur noch das Länderspiel in Klagenfurt gegen Österreich (2. Juni) und interne Tests gegen die U20-Auswahl des DFB an.

(SID)
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