WM 2018: Fünf Erkenntnisse aus der Auftaktpleite von Deutschland gegen Mexiko

Stolperstart gegen Mexiko : Fünf Erkenntnisse aus der Auftaktpleite

Wankende Weltmeister-Säulen, defensive Löcher von der Größe Sibiriens, die schwere Bürde WM-Titel: Die 0:1-Auftaktpleite der deutschen Nationalmannschaft bei der WM in Russland gegen Mexiko brachte Bundestrainer Joachim Löw wichtige Erkenntnisse.

  • Viele Säulen wanken, einige bröckeln sogar.

Acht Weltmeister in der Startelf, nur Kapitän Manuel Neuer brachte Leistung, die höheren Ansprüchen genügt. Toni Kroos wirkte überspielt und war irgendwann nur noch mit sich selbst beschäftigt, Sami Khedira wurde seinem Führungsanspruch zu keinem Zeitpunkt gerecht, Thomas Müller spielte desaströses Larifari. Mit fast 28 Jahren im Schnitt brachte Löw die älteste WM-Mannschaft seit dem Finale 2002 - zu alt? Das Gerüst verfüge über "viel Erfahrung und hohe Qualität", sagte Löw, "auch wenn man das nicht so gesehen hat." Der Confed Cup brachte zwar in der Breite frischen Wind, in der Stammformation aber ist nur Timo Werner angekommen. So durften sich viele Weltmeister zu sicher fühlen. Aber auch Joshua Kimmich, seit 2016 neue Stütze, ging unter.

  • Löw muss dringend die defensiven Löcher stopfen.

"Mit so einem Auftritt kann man kein WM-Spiel gewinnen", schimpfte Jerome Boateng. Was der Abwehrchef vor allem meinte, erklärte Mats Hummels: "Unsere Absicherung ist nicht gut." Das war bereits in der Vorbereitung eklatant, deshalb hatte Löw in Watutinki intensiv daran arbeiten lassen, das Umschaltspiel war Thema mehrerer Sitzungen. Und dann? "Jetzt ist WM, und wir haben es immer noch nicht kapiert", maulte Boateng. Offensive und Defensive bilden keine Einheit, die Mannschaft sei "in zwei Hälften geteilt" gewesen, kritisierte Marco Reus. Mexiko, dessen Taktik Löw falsch eingeschätzt hatte, genügte es, Kroos zuzustellen und die deutschen Außen zu attackieren. Zu billig!

  • So ein Weltmeister hat's schwer.

Die Bürde des Rio-Titels "haben wir jetzt richtig gespürt", sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff. Frankreich 2002, Italien 2010, Spanien 2014 - drei der letzten vier Weltmeister scheiterten in der Vorrunde. "Uns wird das nicht passieren, wir werden es schaffen", sagte Löw ungerührt. Unterschätzt er die Lage? Grundlegendes ändern - "das machen wir schon gar nicht", sagte er. Gefährlich.

  • Erdogan spielt weiter mit.

Pfiffe gegen Mesut Özil? In Moskau nicht zu vernehmen. Und doch spielt die Erdogan-Affäre weiter mit. Özil hatte nicht seinen besten Tag, konnte das Gegentor als Aushilfsverteidiger nicht verhindern. Sein Platz ist gefährdet. Und Ilkay Gündogan? Wäre die erste Alternative zu Khedira. Wenn da nicht der Foto-Wirbel gewesen wäre.

  • Die Offensive ist (noch) nicht WM-tauglich.

Wäre es mit Leroy Sane anders gekommen? Das weiß niemand, dennoch fällt Löw der Verzicht auf den Wirbelwind nun auf die Füße. In der Offensive fehlte Tempo, Lothar Matthäus vermisste "Spieler, die in Eins-gegen-Eins-Dribblings gehen" - wie Sane. "Wir müssen es schaffen, in unserem Spiel zum Abschluss zu kommen", kritisierte Löw. Der formstarke Reus steht bereit, vorne aber fehlt ein Stürmer, "der im Strafraum eine Szene verwerten kann", wie Paul Breitner in der „tz“ bemängelte. Werner sei dies nicht. Bedenklich.

(old/sid)
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