WM 2018: DFB-Präsidium stellt sich geschlossen hinter Joachim Löw

Vetrauensbeweis für Bundestrainer : DFB-Präsidium stellt sich geschlossen hinter Löw

Das DFB-Präsidium hat das Vertrauen in Bundestrainer Joachim Löw erneuert. Der 58-Jährige sei auch nach dem blamablen Vorrunden-Aus bei der WM weiter der richtige Mann, um die Nationalmannschaft zu führen.

Ein kollektives Ja: Joachim Löw ist weiter geeignet für die Führung der wichtigsten Fußballmannschaft des Landes. Alle Präsidiumsmitglieder sprachen sich nach dpa-Informationen auf einer Telefonkonferenz am Freitag dafür aus, dass Löw seinen bis 2022 laufenden Vertrag erfüllen soll.

Ob der nach dem Vorrunden-Aus bei der WM in seine private Welt abgetauchte Bundestrainer tatsächlich weitermacht, werden die enttäuschten Fans von Schwarz-Rot-Gold aber erst in den nächsten Tagen erfahren.

Joachim Löw lässt eigene Zukunft offen

Löw hatte seine Zukunft nach dem desaströsen Abschneiden in Russland offen gelassen und sich Bedenkzeit erbeten. „Das braucht ein bisschen Zeit, bis wir das alles irgendwie verdaut haben“, hatte der 58-Jährige bei der Rückkehr erklärt. „Ich muss mich natürlich auch selber hinterfragen, warum wir das nicht geschafft haben.“ Für die kommende Woche ist ein Treffen aller Verantwortlichen geplant. Vielleicht aber geht alles auch viel schneller. Schon an diesem Wochenende könnte der verdienstvolle, aber auch angeschlagene Weltmeistercoach Löw für sich selbst erkennen, ob ihn die historische deutsche WM-Schmach zu sehr belastet oder ob er Kraft und Lust hat für einen Neubeginn.

„Dann heißt es, Dinge abstellen, verbessern und die Mannschaft wieder auf Kurs bringen“, sagte Manager Oliver Bierhoff, der als DFB-Direktor auch bei der Präsidiums-Schalte dabei war. Damit hat er im Falle eines positiven Signals von Löw schon mal klar den Kurs abgesteckt. In knapp zehn Wochen muss der gestürzte Weltmeister von 2014 wieder ran.

Deshalb setzt der DFB bei der Aufarbeitung der WM zunächst alle Konzentration auf die Cheftrainerfrage. Erst dann sollen Themen wie die arg kritisierte Außendarstellung der Nationalmannschaft, die Abkapselung von der Öffentlichkeit, die Zusammenstellung des immer größer werdenden Stabes der Löw-Helfer, die Rolle der Assistenztrainer oder Organisationsfragen in den Fokus rücken. Die zentrale Frage ist: Wer sitzt am 6. September in München im Spiel gegen Frankreich als Bundestrainer auf der Bank?

Bierhoff will die von Löw eingeforderte Denkpause nicht als Alarmsignal werten, dass der seit 2006 amtierende Bundestrainer genug hat von seinem Job, den er eigentlich liebt und der ihm auch viel Geld sowie große Freiheiten bringt. „Die Situation ist wie nach jedem Turnier, ob erfolgreich oder nicht“, bemerkte der Manager. Löw habe sich immer die Zeit für eine persönliche Analyse genommen.

Nach dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 in Warschau gegen Italien, das damals Löws falscher Spieltaktik angelastet wurde, hatte der infrage gestellte Chefcoach auch lange für ein klärendes Wort gebraucht. Noch länger dauerte sein Schweigen in der Öffentlichkeit: Erst 46 Tage nach dem 1:2 gegen die Squadra Azzurra meldete sich Löw mit einer 25-minütigen Brandrede zurück.

„Fakt und grundsätzlich ist auf jeden Fall eines: Unser Weg, den wir eingeschlagen haben, der stimmt. Es gibt keinen Grund, von diesem Konzept abzuweichen“, hatte der Bundestrainer vor sechs Jahren erklärt. Die Entscheidung weiterzumachen, erwies sich als richtig: 2014 feierten Löw und sein Team in Brasilien den Weltmeistertitel.

Dieses Mal erwarten die Fans und auch die Verantwortlichen im DFB andere Konsequenzen von Löw als 2012, auch wenn ihm das komplette DFB-Präsidium den erforderlichen Neuaufbau zutraut. „Umbruch heißt ja auf der Ebene der Nationalmanschaft vor allem, junge Spieler heranzuführen“, sagte Verbandschef Grindel. Und Löw habe schon immer bewiesen, dass er junge Spieler integrieren und voranbringen kann.

Alle Präsidiumsmitglieder wünschen sich, dass Löw weitermacht. „Da gibt es keine andere Meinung - ein klarer Vertrauensbeweis“, hieß es nach der Telefonkonferenz aus dem DFB. Inwieweit das die Entscheidung des Südbadeners beeinflusst, bleibt allerdings offen. Auch welchen Einfluss Vertraute wie sein Berater Harun Arslan oder Chefscout Urs Siegenthaler auf Löw haben, ist schwer abzuschätzen.

Der ehemalige Nationalspieler Christoph Metzelder wies in Sky auf ein großes Problem hin, das der DFB bei einem Rücktritt von Löw habe: „Wer wäre ein potenzieller Nachfolger? Da bin ich relativ blank, so wie wahrscheinlich alle anderen auch.“

(old/dpa)