WM 2018: DFB-Präsident Grindel rechnet mit Trainer-Entscheidung von Joachim Löw in der kommenden Woche

DFB-Präsident : Grindel rechnet mit Löw-Entscheidung in kommender Woche

Joachim Löw will "in Ruhe" darüber reden, ob er als Bundestrainer weitermacht. Präsident Reinhard Grindel stellt bereits Bedingungen.

Joachim Löw saß wie ein Häuflein Elend auf Platz 2C. Seine schwarz-rot-goldenen Glücksbändchen hatte der mit seiner Mannschaft so blamabel gescheiterte Weltmeistercoach längst achtlos abgelegt, als er auf dem Sonderflug nach Frankfurt hoch über den Wolken mit Chef Reinhard Grindel über seine Zukunft nachdachte. Eine Antwort hatte der Bundestrainer auch bei der Landung am Donnerstagnachmittag noch nicht parat.

"Ich muss mich natürlich als Trainer hinterfragen", sagte Löw den wartenden Reportern. Und: "Es braucht tiefgreifende Maßnahmen, es braucht klare Veränderungen, und das müssen wir jetzt besprechen." Dieser Nachsatz verriet immerhin eine klare Tendenz: Nach Rücktritt klang er nicht, Löw will die Scherben wohl selbst zusammen kehren.

"Ich muss die Verantwortung dafür übernehmen", hatte er am Abend der ebenso historischen wie katastrophalen 0:2 (0:0)-Pleite gegen Südkorea, die das erste Vorrunden-Aus in der 84-jährigen deutschen WM-Geschichte besiegelte, bereits gesagt. Ein Hauch von Götterdämmerung wehte da durch die Kasan-Arena.

Löw weiß: Ein "Weiter so!" kann es nicht geben - obwohl er seinen Vertrag erst kurz vor Turnierbeginn bis 2022 verlängert hatte. Doch er erbat sich Zeit, "ich bin auch geschockt", sagte er und rang sichtlich um Fassung. Er müsse sich "erst einmal sammeln". Der überaus schmerzhafte K.o. hat ihn völlig unvorbereitet getroffen, "ich hätte mir das auch nicht vorstellen können, dass wir gegen Südkorea verlieren", gab er zu.

Die Enttäuschung darüber sitze "tief in mir drin", betonte Löw mit roten Augen. "Wie es weitergeht, darüber muss man in Ruhe reden", sagte er. Erste Gespräche gab es noch in der Nacht im WM-Quartier in Watutinki, fortgesetzt wurden sie im Flieger LH 343 mit Grindel, Direktor Oliver Bierhoff und Kapitän Manuel Neuer. Löw erhielt viel Zuspruch - eine Mehrheit der Deutschen sprach sich dagegen am Tag nach dem Debakel für seinen Rücktritt aus.

Löw, seit 2006 im Amt, ist bewusst: An diesem schwarzen Abend in Kasan ist etwas zerbrochen. "Vieles, das wir uns aufgebaut haben", sei an der Wolga kaputtgegangen, sagte er. Und das wird, das muss Konsequenzen haben. Auch für ihn?

Grindel stärkte Löw den Rücken. Der Verband habe den Vertrag mit seinem wichtigsten Angestellten deshalb verlängert, weil er diesem den Neuaufbau der Mannschaft in Richtung EM 2020 und WM 2022 zutraue. "Diese Meinung gilt für mich nach wie vor", sagte Grindel. Und: Er habe "keine Anzeichen" für einen vorzeitigen Abschied Löws.

Doch Grindel erwartet von der sportlichen Leitung um Löw und Bierhoff "eine saubere Analyse". Dann "werden wir darüber sprechen und die notwendigen Konsequenzen ziehen". Welche? Das ist offen. Bierhoff, der wie Löws Assistenten Thomas Schneider, Marcus Sorg und Andreas Köpke ebenfalls bis 2022 verlängert hatte, geht "fest davon aus, dass Jogi weitermacht". Klar werde es "wichtig sein, dass wir alles aufarbeiten", betonte er, "jeder für seinen Bereich". Aber "alles über den Haufen schmeißen"? Nein, betonte Bierhoff.

Mats Hummels stützt diese Sicht. "Es war das erste Mal, dass etwas unter seiner Trainerschaft nicht so gut funktioniert hat", sagte er über Löw. Dieser müsse "in jedem Fall weitermachen", meinte Joshua Kimmich, und Thomas Müller sagte: "Wir sind alle von seinem Weg überzeugt."

Der Bundestrainer hat sein Tun nach Turnieren noch immer reflektiert. Gerne zog er sich dafür in die Sonne zurück - um nach ein paar Tagen weißen Rauch aufsteigen zu lassen: Ja, ich will (noch)!

So könnte es auch diesmal kommen, meinte Bierhoff. Er erwartet, dass Löw "im September die Sachen wieder richtig angeht". Dann steht das nächste Länderspiel an. Grindel rechnet mit einer Entscheidung in der kommenden Woche.

(rent/sid)