WM 2018: Deutschland raus - acht Gründe für das Scheitern

Analyse zum WM-Aus : Acht Gründe für das Scheitern der Deutschen

Das DFB-Team unterbietet bei der WM in Russland alle Erwartungen und scheitert völlig verdient schon in der Vorrunde. Was sind die Gründe dafür? Eine Analyse.

Auf dem Rasen lagen die Südkoreaner. Dabei hatten sie gerade nach ganz späten Toren mit 2:0 gewonnen - gegen den Weltmeister, der seinen Titel nun nicht mehr verteidigen kann. Deutschland ist nach einer blamablen Vorstellung in Kasan aus dem WM-Turnier in Russland ausgeschieden. Es ist der vierte von fünf Weltmeistern der zurückliegenden Turniere, der nach der Vorrunde nach Hause fahren muss. Das hatte dennoch kaum jemand auf der Rechnung.

Noch weniger Menschen konnten sich ernsthaft vorstellen, dass diese Mannschaft mit ihren großen Fähigkeiten so uninspirierten Fußball spielen kann. Aber das musste die Fußballwelt in den beiden ersten Turnierwochen von Russland lernen. Am Samstag, wenn mit den Begegnungen des Achtelfinals der Wettbewerb so richtig los geht, sitzen die Deutschen daheim und lecken ihre Wunden. Woran hat es gelegen?

WM 2018: Deutschland raus - Entsetzen bei den Fans

Am Spiel gegen Südkorea

Gegen Südkorea fiel die Mannschaft in das Muster des ersten Spiels gegen Mexiko zurück. Sie kombinierte einfach nicht schnell genug, um die emsig herumwuselnden Männer aus Asien wirklich zu gefährden - abgesehen von einer späten Drangphase, als den Spielern der Ernst der Lage aufzugehen schien. Die komplette erste Hälfte verschlief der Weltmeister.

Am Auftakt gegen Mexiko

Der Start war bereits alles andere als verheißungsvoll. Unkonzentriert und mit einem schwer verständlichen Hang zur Leichtfertigkeit ging Löws Team in diese Begegnung. Die Mannschaft spielte unsortiert, gedanklich langsam und fußballerisch lethargisch. Sie bestätigte schlechte Testspiele. Und sie konnte gegen Mexiko den Schalter nicht finden, der sie wieder in den Normalbetrieb hätte bringen können.

An der Vorbereitung

Ganz offensichtlich schlug die Erdogan-Foto-Affäre um die türkischstämmigen Nationalspieler Ilkay Gündogan und Mesut Özil doch tiefer und nachhaltiger ins Binnenklima der Mannschaft ein. Die Konzentration aufs große Ziel litt, obwohl sich Bundestrainer Joachim Löw nach Kräften bemühte, die vielgerühmte "Fokussierung auf Russland" zu beschwören. Er selbst tat zu wenig, auf eine negative Gruppenstimmung zu reagieren. Die schwachen Testspiele in Österreich (1:2) und gegen Saudi-Arabien (2:1) redete er sich im Duett mit den Spielern schön, statt die richtigen taktischen Schlüsse für den Auftakt in Russland zu ziehen.

An Löw selbst

Der Trainer hat zu spät reagiert und zu spät als Coach eingegriffen. Zu lange hat er die Dinge laufen lassen. Und als er gegen Schweden die Elf erfolgreich umgebaut hatte, wirbelte er sie gegen Südkorea erneut durcheinander. Das war nach langen Phasen, in denen er auf eine Stammelf seiner Vertrauten baute, eine zu heftige Rotation.

An der Achse der Arrivierten

Löw wollte mit dem Gerüst aus amtierenden Weltmeistern die Titelverteidigung erreichen. Aber Thomas Müller und Sami Khedira haben überhaupt keine Form, Mesut Özil spielte gegen Südkorea besser als gegen Mexiko, aber er trat weit unter seinen Möglichkeiten auf.

An der fehlenden Mischung

Die deutsche Mannschaft schaffte es nicht, das Beste aus dem Weltmeisterteam, das Beste aus dem Confed-Cup-Siegerteam und aus dem U-21-Europameisterteam in Russland auf den Platz zu bringen. Das aber wäre notwendig gewesen.

An der Einstellung

Die DFB-Auswahl hat auf keinen Fall den Behauptungswillen nachgewiesen, den Löw ihr immer zugeschrieben hat. "Übermenschliche Anstrengungen" hat er ihr verheißen. In Russland hat sie nicht mehr getan, als ihren Stiefel herunterzuspielen. Es fehlte an Akteuren, die das Heft des Handelns in die Hand nehmen.

Am fehlenden Plan B

Der Kombinationsfußball Löws kennt offenbar keine Ausweichtaktik. Und wenn er sie kennt, war sie in Russland nicht zu sehen. Vor lauter Abneigung gegen den einfachen, gelegentlich wirkungsvollen Fußball wurde fruchtlos in die Breite kombiniert und selbst dann noch nicht die verpönte Brechstange herausgeholt, als die Rückflugtickets fast schon gebucht waren.

Was kommt jetzt?

Alles muss auf den Prüfstand. Das Personal in der Mannschaft, das Personal um die Mannschaft. Wenn schon die WM aus deutscher Sicht keine fußballerischen Aufreger bot, wird das Nachspiel umso turbulenter.

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