Wm 2014: Kommentar: Defensive holt Titel

DFB-Elf steht im Halbfinale : Kommentar: Die Defensive holt Titel

Oliver Bierhoff hatte kürzlich festgestellt, dass sich in Deutschland noch keine "Grundfreude" über die Auftritte der Nationalmannschaft eingestellt hatte. Der Manager des Teams kann offenbar solch eine Ferndiagnose quer über den Atlantik anstellen. Toller Kerl! Aber keine Sorge, lieber Olli, jetzt wird sie sich einstellen, deine Grundfreude.

Deutschland steht nach Japan/Südkorea 2002, dem Sommermärchen 2006 und Südafrika 2010 zum vierten Mal hintereinander im Halbfinale einer Weltmeisterschaft. Auch wenn am Dienstagabend zweifelsfrei die bislang größte Aufgabe des Turniers bevorsteht, ist spätestens jetzt klar: Der Titel ist drin.

Nach dem über weite Strecken besorgniserregenden bis peinlichen Auftritt im Achtelfinale gegen Algerien beherzigten die Spieler jetzt Löws gebetsmühlenartig vorgetragenen Ruf nach höchster Konzentration. Sie halfen einander, sie machten einander Mut und sie demonstrierten schon auch den viel besungenen Teamgeist, als es drauf ankam. Mit Erfolg stemmten sie sich gegen die Franzosen und gegen die klimatischen Bedingungen in Rio de Janeiro.

Die deutsche Mannschaft hat sich gegen einen Gegner, dem sie auf Augenhöhe begegnete, durchgesetzt. Dazu benötigte sie auch ein wenig Glück. Doch dieses Mal darf die Floskel vom Glück des Tüchtigen bemüht werden.

Die deutsche Mannschaft hat der Welt am Freitag mit Nachdruck ihre Abwehrstärke und die außerordentlichen Qualitäten von Torwart Manuel Neuer zur Schau gestellt. Und es gilt ja die alte Sportlerweisheit: Eine starke Offensive gewinnt Spiele, die Defensive aber gewinnt die Titel. Ums Zweite geht es, falls Joachim Löw und seine Jungs am Sonntag in einer Woche hoffentlich an ihren Sehnsuchtsort Maracana zurückkehren. Zum Finale.

(RP)
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