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WM 2014: Joachim Löw und DFB-Elf bleiben trotz 7:1 gegen Brasilien auf dem Boden

Historisches 7:1 wird nicht überbewertet : Deutschland mit Bodenhaftung auf dem Weg zum Titel

Sie statteten ihrer Kurve einen Pflichtbesuch ab, sie machten mit den Fans die Welle, sie ließen sich von den brasilianischen Zuschauern feiern, und sie fielen sich natürlich um den Hals. Aber kein deutscher Spieler stimmte ein übertriebenes Triumphgeheul an. Dabei hätte es dafür Gründe gegeben.

Noch nie hat eine Mannschaft ein Weltmeisterschafts-Halbfinale derart dominiert, wie es die DFB-Auswahl gegen Brasilien tat. Noch nie wurde ein Gastgeber in der Vorschlussrunde fußballerisch so auseinander genommen. Und noch nie hat eine deutsche Elf ein Halbfinale mit 7:1 gewonnen.

Aber Spieler und Trainer gehorchten dem Diktat der neuen deutschen Sachlichkeit. Toni Kroos, einer aus dem überragenden deutschen Mittelfeld, der in Anerkennung einer großen Vorstellung zum Mann des Spiels gewählt worden war, erklärte: "Ich habe immer gesagt, dass wir hier sind, um Weltmeister zu werden. Dafür reicht ein Halbfinalsieg nicht. Wir haben noch ein Spiel." Und Bundestrainer Joachim Löw sagte: "Wir sollten dieses Ergebnis nicht überbewerten."

Das klang nicht einmal arrogant. Es war der Versuch, sofort richtig einzuordnen, was so schwer zu begreifen war. Die hochkonzentriert startende deutsche Mannschaft schoss ihren Gegner schon im ersten Durchgang regelrecht vom Platz. "Wir haben ihre Verunsicherung gespürt", sagte Kroos. Das war eine unzureichende Erklärung für ein historisches Debakel, das mit der frühen deutschen Führung seinen Ausgang nahm.

Thomas Müller drückte den Ball nach einem Eckball von Kroos erfreulich unbehelligt von der brasilianischen Deckung ins Tor. Und unmittelbar darauf brach Panik im Spiel der Gastgeber aus. Wie schon in den Partien zuvor fanden die Brasilianer keinen Rhythmus, sie schlugen die Bälle hilflos nach vorn, und sie boten ihrem Gegner ungewöhnliche Entfaltungsräume.

Wie im Training

Die Deutschen nahmen diese Einladung sehr dankbar an. Sie kombinierten sich gegen in eine alle Einzelteile zusammenfallende Mannschaft in einen Sechs-Minuten-Rausch. Spielzüge wie im Training, wie beim Hallenfußball, bei dem bis zur letzten Möglichkeit aufgelegt wird, ergaben eine 5:0-Führung zur Pause.

Eine Sensation, mit der die Brasilianer nun gar nicht mehr fertig wurden. "Uns fehlte ein paar Minuten lang die Organisation, dann war das Spiel verloren", räumte Trainer Felipe Scolari ein. "Ich gehe als der Trainer in die Geschichte ein, der die schwerste Niederlage Brasiliens zu verantworten hat", sagte er.

Bis zur Pause war nicht nur das Spiel für die Deutschen entschieden, sie hatten auch einen weiteren Rekord gewonnen. Miroslav Klose erzielte zum Zwischenstand von 2:0 sein 16. WM-Tor, er ist damit am Brasilianer Ronaldo vorbeigezogen. "Wenn man es einem gönnt, dann dem Miro", stellte Löw fest. Dazu regte sich im Mannschaftskreis vermutlich kein Widerspruch.

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Löws Team brachte die Begegnung so seriös zu Ende, wie das der Trainer in der Halbzeit gesagt haben soll. Ein paar Minuten nach dem Wechsel ließ es die Sache ein wenig schleifen. Aber nach drei wiederum außerordentlichen Paraden von Torwart Manuel Neuer, der regelrecht erfreut über ein wenig Beschäftigung schien, ging es wieder konzentriert ihrer Arbeit nach.

Der eingewechselte André Schürrle schoss noch zwei Tore, eines von der Art, wie es nur gelingt, wenn die Mannschaft ohnehin einen Lauf hat. Er zimmerte den Ball aus schräger Schussposition geradezu in den Torgiebel. Das passte ins deutsche Gesamtkunstwerk.

Der Ehrentreffer weniger. Aber über den regten sich nur Neuer, Bastian Schweinsteiger und Jerome Boateng auf. Der Ärger verrauchte allerdings schnell wieder.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Brasilien - Deutschland: Einzelkritik