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WM 2014: Deutschland demütigt Brasilien im Halbfinale mit 7:1

7:1-Demontage im WM-Halbfinale : Deutschland blamiert Brasilien bis auf die Knochen

Brasiliens Nationalmannschaft erlebte ihre Triumphfahrt vor dem Halbfinale. Zehntausende standen an den Straßen, als der Bus Richtung Stadion von Belo Horizonte unterwegs war. Zu weiteren Triumphfahrten fand sich kein Anlass mehr.

Die deutsche Nationalmannschaft demontierte den großen Favoriten und WM-Gastgeber mit 7:1. Die deutschen Fans verhöhnten die Brasilianer mit ihren Gesängen. Zum Beispiel mit dem Bundesliga-Klassiker "Ihr seid nur ein Karnevalsverein".

Vom "Wunder von Belo Horizonte" war in Anspielung auf das "Wunder von Bern" 1954 auf den Rängen die Rede. Brasilianische Anhänger verließen schon zur Pause in Scharen das Stadion.

Die DFB-Auswahl war erneut früh mit 1:0 in Führung gegangen, und sie beseitigte in unglaublichen sechs Minuten vor der Pause alle Zweifel, als sie auf 5:0 davonzog. In diesem Feuerwerk gelang Miroslav Klose sein 16. WM-Treffer. Er ist damit an Ronaldo vorbeigezogen und nun alleiniger Rekordschütze.

Die Deutschen gingen genau mit jener Ruhe an ihre Arbeit, die sie schon im Viertelfinale gegen Frankreich ausgezeichnet hatte. Unbeeindruckt vom bemerkenswerten Lärm auf den Tribünen unterbanden sie das Aufbauspiel der Hausherren, denen schnell nichts anderes mehr einfiel, als lange Bälle in den Angriff zu spielen. Das brachte die deutsche Defensive ganz selten mal in Schwierigkeiten.

WM 2014: Deutschland demütigt Brasilien im Halbfinale mit 7:1
Foto: dpa, ss

Und als Thomas Müller seine Mannschaft nach einem Eckball von Toni Kroos in Front gebracht hatte, taten sich erstaunliche Lücken im Mittelfeld und in der Abwehr der Brasilianer auf. Mit großem fußballerischen Geschick und eiskalt spielten sich die Deutschen durch diese Freiräume. Klose, Khedira und zweimal Kroos schlossen sehenswerte Kombinationen mit einer Lockerheit ab, als sei das kein Vorschlussrundenspiel einer Weltmeisterschaft, sondern das Training in der Saisonvorbereitung.

Die Brasilianer, natürlich spielerisch geschwächt durch das Fehlen ihres verletzten Superstars Neymar, bestaunten fast wehrlos die Aktionen der Deutschen, die es sich sogar leisten konnten, nach der klaren Führung einen Gang zurückzuschalten. Der WM-Gastgeber spielte nicht nur nach vorn ideenlos, er hatte auch nicht die defensive Stabilität, die bis jetzt der entscheidende Trumpf war.

Luiz Gustavo gelang es im Alleingang nicht, all die Löcher zu schließen, die seine offenbar allein an der Offensive interessierten Mittelfeld-Kollegen ließen. Und die DFB-Auswahl bewies in den ungewohnten Freiräumen ihre ausgeprägte Klasse im Kombinationsspiel. Das hinterließ nicht nur auf dem Rasen Wirkung. Die brasilianische Selecao taumelte geradezu in die Kabine, diesmal begleitet von einem ordentlichen Pfeifkonzert ihres völlig enttäuschten Anhangs. Die deutschen Anhänger dagegen konnten ihr Glück kaum fassen und sangen bereits nach einer halben Stunde voller berechtigter Überzeugung vom Finale in Rio de Janeiro.

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Dort wird sie nach dieser Vorstellung nun nicht unbedingt als krasser Außenseiter antreten. Sie hatte erneut eine große Geschlossenheit, die es ihr erleichterte, Brasilien zu kontrollieren. Und es wurde schnell deutlich, dass Löw schon gegen Frankreich seine beste Aufstellung und sein bestes System gefunden hatte. Auch wenn Per Mertesacker nach dem Wechsel den bislang überragenden, aber angeschlagenen Mats Hummels in der Innenverteidigung ersetzen musste, steckt das Erfolgsgeheimnis der DFB-Elf in ihrem klaren 4-2-3-1-System.

Weil vor allem Bastian Schweinsteiger und Sami Khedira sehr darauf achten, dem Gegner nicht zu viel Platz zu geben, werden die Abstände zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen nie zu groß. Das machte es den Brasilianern gestern meist unmöglich, überhaupt in ein Kombinationsspiel zu kommen. Und es gab Löws Team die Möglichkeit, bei Ballgewinnen sehr zügig vors Tor zu kommen.

Dass die Deutschen nach der Pause zunächst mal ein wenig passiver agierten und ihren schwer angezählten Gegner kommen ließen, trübt den herausragenden Eindruck überhaupt nicht. Im Gegenteil: Es war der Versuch, den Brasilianern auch den letzten Rest von Schwung zu rauben und vielleicht schonKräfte für das Endspiel am Sonntag in Rio zu sparen. Als Manuel Neuer in kurzer Folge gleich drei erstklassige Chancen mit ganz starken Paraden vereitelt hatte und Andre Schürrle auf 6:0 und 7:0 erhöht hatte, stand Brasiliens höchste Niederlage der Geschichte fest, auch wenn Oscar noch zum 1:7 traf.

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