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Umbruch nach WM 2018; Die Zukunft der Nationalmannschaft

Das Team nach dem Umbruch : Die Zukunft der Nationalmannschaft

Trotz des desaströsen Abschneidens bei der WM ist ein personeller Umbruch in der deutschen Nationalmannschaft nicht zwingend. Viele Führungskräfte haben mindestens noch ein großes Turnier vor sich. Jüngere Akteure werden mehr Verantwortung übernehmen müssen. Eine Analyse.

Dem Absturz des Weltmeisters folgten markige Worte. Alles müsse nun auf den Prüfstand, hieß es, von der inhaltlichen Ausrichtung bis zum Personal der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. In dieser Woche wird wohl entschieden, wie es mit der bisherigen sportlichen Leitung weitergeht. Und ab dieser Woche wird gewiss auch beraten, mit welchen Spielern die Qualifikation für die Europameisterschaft in zwei Jahren und im besten Fall das WM-Turnier 2022 in Katar gespielt werden kann. Eine Vorschlagsliste:

Manuel Neuer (32) Ist immer noch der beste Torwart der Welt. In seinem Job zählen die Jahre nicht so wie bei den Feldspielern, er hat sicher noch eine Perspektive bis 2022. Dass der beste Torwart der Welt aber nicht unbedingt für die besten Ergebnisse der Welt bürgt, hat Fußball-Deutschland in Russland gesehen.

Marc-André ter Stegen (26) Der Mönchengladbacher (Rheydter, um genau zu sein) ist einer von mehreren zweitbesten Torhütern der Welt. Den Platz im deutschen Kader hat er damit sicher, den Platz im Tor nur dann, wenn Neuer verhindert ist. Das ist blöd für ter Stegen, der seinen internationalen Ruhm wahrscheinlich nur beim FC Barcelona mehren kann. Es gibt allerdings Schlimmeres – den Stammtorwartposten in Malta zum Beispiel.

Joshua Kimmich (23) Überforderte sich selbst mit dem Anspruch, die Position des rechten Verteidigers mit der des Rechtsaußen zu vereinbaren. Die Karriere auf der Überholspur wurde in Russland durch ein paar Auffahrunfälle gebremst. Aber sie endet nicht. Kimmich ist eine feste Größe – vielleicht mal einer wie der große Philipp Lahm.

Jerome Boateng (29) Nach dem WM-Titel von Rio war er zu sehr mit seinen vielen einträglichen Nebentätigkeiten beschäftigt – die drei wichtigsten: Marketing, Marketing und Marketing. Wenn er zur Konzentration aufs Sportliche zurückfindet, immer noch fast konkurrenzlos als Innenverteidiger.

Mats Hummels (29) Als Klassensprecher und Innenverteidiger unentbehrlich. Eine der wenigen Führungsfiguren im Team. Zur Not kann er sogar noch das Amt des Spielertrainers übernehmen.

Jonas Hector (28) Der Weg zur „absoluten Weltklasse“, die Bundestrainer Joachim Löw mal zum Maßstab erhoben hat, ist für ihn wohl zu weit. Aber Hector ist ein kluger Fußballer, der auch davon profitiert, dass es auf der Position des linken Verteidigers kaum Konkurrenz gibt.

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Toni Kroos (28) Selbst in für seine Verhältnisse unterdurchschnittlicher Form immer noch einer der Besten in der DFB-Auswahl. Sein methodisches und kluges Spiel unterliegt weniger den Alterungsprozessen, unter denen weniger begabte Kollegen im zentralen Mittelfeld (Sami Khedira) leiden. Sichere Bank bis 2022.

Leon Goretzka (23) Eine der auffallendsten Figuren beim Confed-Cup vor einem Jahr. Sein WM-Debüt gegen Südkorea war dagegen lediglich ein Fall für die Statistiker. Als junger Spieler mit strategischer Begabung möglicherweise ein Eckpfeiler für das Team der näheren Zukunft.

Julian Brandt (22) Brauchte nur ein paar Minuten Einsatzzeit in den Nachspielphasen der Gruppenspiele gegen Mexiko und Schweden, um zweimal den Pfosten zu treffen. Seine Schnelligkeit kann das Team in Zukunft vom unergiebigen Breitwandfußball befreien.

Marco Reus (29) Wegen zahlreicher Verletzungspausen machte er in Russland erst sein zweites großes Turnier. Wenn ihm sein geplagter Körper nicht wieder einen Strich durch die Rechnung macht, kann sein intelligentes Spiel aus der Tiefe des Raumes (konnte nicht nur der Netzer) dem DFB-Team Frische geben.

Leroy Sané (22) In jungen Jahren schon ziemlich gut und entsprechend selbstbewusst. Manchmal viel zu selbstbewusst und dann weniger gut. In der Form, die er bei Pep Guardiolas Manchester City anbietet, auch beim DFB unentbehrlich, weil er statt des vierten Rückpasses lieber mal ein Dribbling wagt.

Timo Werner (22) Antritt wie Usain Bolt und fußballerisch entschieden besser. Auf dem Weg zu einer großen Stürmer-Karriere auch in der Nationalmannschaft.

Antonio Rüdiger (25) Früher mal ein Zappelphilipp allererster Güte. Inzwischen aber ein Innenverteidiger von Format, sonst hätte ihn der FC Chelsea nicht nach London geholt. Steht bereit für den Fall, dass Boateng sich mehr um sein Brillengeschäft kümmern muss.

Niklas Süle (22) Groß, schnell und auf dem Weg zu einem Innenverteidiger von internationaler Klasse. Er hat bei den Bayern in Boateng und Hummels prima Lehrmeister. Irgendwann wird er sie beerben.

Matthias Ginter (24) Loyaler Typ, der als Innenverteidiger, Außenverteidiger und defensiver Mittelfeldspieler einsetzbar ist. Die Vielseitigkeit macht ihn zum Kandidaten für den Neuaufbau, die Vielseitigkeit verhindert allerdings auch einen Stammplatz.

Benjamin Henrichs (21) Der Leverkusener durfte schon mal im DFB-Team vorspielen, und die Tatsache, dass er auf beiden Außenbahnen verteidigen kann, verkleinert seine Zukunftschancen nicht.

Kai Havertz (19) Der Teamkollege von Henrichs ist trotz seiner Jugend als Mittelfeldspieler schon ganz weit. Ein ganz großes Talent mit, das behaupten seine Wegbegleiter, ebenso großer Bodenhaftung. Beste Voraussetzungen für eine große Karriere.

Max Meyer (22) Ebenfalls eine große Begabung. Das Theater, das er auf Schalke aufführte, steht der Begabung einstweilen im Weg. Wenn er auf den Pfad der Tugend zurückgeführt werden kann, ein Spieler mit Perspektive auf beinahe allen Mittelfeldpositionen.

Thilo Kehrer (21) Spielt auf Schalke schon wie ein Routinier auf dem Flügel einer Abwehr-Dreierkette. International wird diesem Modell gern vertraut, auch die DFB-Auswahl spielte es schon.

Serge Gnabry (22) Ein Mann mit sehr viel Tempo, aber nicht eben pflegeleicht. Im DFB-Team hat er schon überzeugende Auftritte hingelegt. Und weil es der Mannschaft zuletzt vor allem an Geradlinigkeit mangelte, ein Typ für den Neuaufbau. Nur das Zickige müssen sie ihm noch austreiben.

Mitchell Weiser (24) An guten Tagen einer der wenigen überdurchschnittlichen deutschen Außenverteidiger. Das allein sichert einen Platz unter den Kandidaten fürs neue DFB-Team.

Max Arnold (24) Selbstbewusster Mittelfeldspieler mit der notwendigen kämpferischen Note – daran mangelte es dem deutschen Team in Russland.

Auf der Bank Thomas Müller (29), seit der WM 2014 sportlich im Sinkflug, aber wegen seiner natürlichen Art ein echter Sympathieträger. Mesut Özil (29), Buhmann durch die Erdogan-Affäre, aber genialer Spielgestalter. Ilkay Gündogan (27), im Nationalteam noch lange nicht so gut wie der Zwillingsbruder bei Manchester City. Sebastian Rudy (28), Mann ohne Eigenschaften im Mittelfeld, spielt weder Fehl- noch Risikopässe, ein braver Kerl.