Tom Bartels fand die Worte zum Tor von Mario Götze im WM-Finale 2014

Der TV-Kommentar zum WM-Finale: "Mach' ihn! Mach' ihn! Er macht ihn!"

Nicht nur die Bilder einer Fußball-WM schreiben regelmäßig Geschichte. Auch die Kommentare der Reporter prägen sich tief ins Gedächtnis ein – von Herbert Zimmermann bis Tom Bartels.

Nicht nur die Bilder einer Fußball-WM schreiben regelmäßig Geschichte. Auch die Kommentare der Reporter prägen sich tief ins Gedächtnis ein — von Herbert Zimmermann bis Tom Bartels.

"Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen!" — diese Worte spielen in einer Liga mit John F. Kennedys "Ich bin ein Berliner", was ihren Bekanntheitsgrad angeht. Herbert Zimmermann sprach sie 1954 im Wankdorf-Stadion von Bern, als Deutschland zum ersten Mal Weltmeister wurde. "Rahn schießt! Tor! Tor! Tor!"

Es folgten Rudi Michels arg nüchterne Worte zum WM-Titel 1974, Gerd Rubenbauers und Karl-Heinz Rummenigges "Jaaaaa!" 1990. Und auch wenn es Millionen von Menschen wundern wird, die beim 1:0 durch Mario Götze am Sonntagabend ekstatisch über die Wohnzimmer-, Kneipen- und Marktplatzböden der Republik kullerten: ARD-Kommentator Tom Bartels blieb ebenso wenig stumm in jenem Moment, der in die Geschichte eingehen wird.

Bartels bemängelt gerade noch die großzügige Regelauslegung des italienischen Schiedsrichters, als Andre Schürrle sich auf den Weg in Richtung Grundlinie macht. Der Linksaußen flankt. "Der kommt an!", schreit Bartels und sieht Götze völlig frei in der Mitte. Annahme mit der Brust, "Mach' ihn!", Schuss mit links, "Mach' ihn!", der Ball schlägt ein, "er macht ihn!" Als Rizzoli abpfeift, ruft Bartels: "Deutschland ist zurück im Fußball-Himmel!"

Auch die liebste Nebendisziplin der Fernseh-Fußball-Fans hat vor Bartels nicht Halt gemacht. Kommentatoren-Bashing hat sich auf Neudeutsch als Name eingebürgert für diesen Sport, der selten Sieger kennt. Dass seine Worte in Zukunft zum Götze-Tor gehören wie die Atmo im Maracana, hätte Bartels nur verhindern können, wenn er in der 113. Minute völlig still geblieben wäre.

Rubenbauer emotional, aber sachlich

Alle Kommentare spiegeln auch ein wenig den Zeitgeist wider. Zimmermann hat den Mythos "Wunder von Bern" mit seinen Emotionen nachhaltig geprägt, die Stimme ist noch 60 Jahre später ein Gänsehaut-Beschleuniger. Michel kommentiert aus heutiger Sicht zurückhaltend, als würde er die Anschlusszüge im ICE durchgeben. Rubenbauer ist voll dabei, ordnet die Dinge aber sachlich ein. Und Bartels' Stimme überschlägt sich zwar, aber die Pferde gehen inhaltlich nicht mit ihm durch.

Wir haben protokolliert, was die Reporter von 1954 bis 2014 bei den deutschen WM-Titeln ins Mikrofon gerufen haben — von "Aus! Aus! Aus!" bis "Jetzt ist es vollbracht!".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das sagten die Reporter zu den WM-Titeln

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