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Simon Rolfes: „Julian Brandt ist ein Startelfkandidat“

WM-Kolumne von Simon Rolfes : „Brandt ist ein Startelfkandidat“

Unser Autor Simon Rolfes mahnt nach dem knappen Sieg im zweiten Gruppenspiel zur Demut. Und sieht die deutschen Sechser in der Pflicht. In der Offensive hätte Julian Brandt eine Chance verdient.

Wir dürfen uns nichts vormachen: Auch beim knappen 2:1 gegen Schweden war nicht alles gut. Wir sind nicht nur mit einem, sondern zwei blauen Augen davongekommen. Selbst mit dem Blick durch die deutsche Brille hätte es in der 12. Minute Elfmeter für Schweden und Rot für Jerome Boateng geben können – und die Partie wäre vielleicht schon zur Pause entschieden gewesen.

Unsere Außenverteidiger spielen sehr offensiv. Das ist heute zwar Usus, doch es funktioniert nur, wenn neben den Innenverteidigern auch die beiden Sechser in der Breite verteidigen. Sie müssen im Wechselspiel auch die Positionen der Außenspieler absichern, wenn diese hoch stehen. Das funktionierte leider auch gegen Schweden nicht so wie erhofft. Was mir dann aber gefallen hat, war die Mentalität unseres Teams. Das Herzblut und die Leidenschaft, mit der es die zweite Halbzeit angegangen ist, haben mich als Zuschauer mitgerissen. Die Mannschaft stand unter hohem Druck, hat sich aber aus einer schwierigen Situation gekämpft. Am Ende war es eine Mischung aus Willensstärke, Können und Glück. Der späte Erfolg setzt mit Sicherheit Kräfte frei und gibt Selbstvertrauen. Ich bin überzeugt davon, dass Südkorea besiegt wird und es in die K.o.-Phase geht. Die Mannschaft darf nur nicht denken, dass es nun von alleine läuft. Wenn das passiert, ist das Turnier schnell vorbei.

2014 gab es nach dem glücklich gewonnenen Algerien-Spiel auch einige Umstellungen, die entscheidend waren. Philipp Lahm rückte zum Beispiel aus dem defensiven Mittelfeld wieder auf die rechte Abwehrseite. Durch die personellen und taktischen Änderungen wurde das Team stabiler und kassierte ab dem Viertelfinale nur noch den Ehrentreffer beim 7:1 gegen Brasilien. Es ist ein Riesengewinn, dass die Zementierung bestimmter Positionen und Spieler in Russland aufgelockert wurde. Allerdings bedeutet das nicht, dass Mesut Özil oder Sami Khedira komplett raus sind. Sie können wichtige Faktoren werden. Julian Brandt ist absolut ein Kandidat für die Startformation. Immer wenn er kam, hat er das Spiel belebt.