Nach WM-Aus 2018: Joachim Löw bleibt Bundestrainer

DFB bestätigt : Joachim Löw bleibt Bundestrainer

DFB bestätigt: Joachim Löw bleibt Bundestrainer

Trotz der historischen WM-Pleite bleibt Joachim Löw Fußball-Bundestrainer. Das bestätigte der Deutsche-Fußball-Bund (DFB) am Dienstag.

Joachim Löw bleibt trotz des historischen WM-Debakels Bundestrainer. Das teilte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sechs Tage nach dem blamablen Vorrunden-Aus in Russland mit. "Ich bin sehr dankbar für das Vertrauen, das der DFB weiterhin geschlossen in mich setzt, und ich spüre trotz der berechtigten Kritik an unserem Ausscheiden auch generell viel Rückhalt und Zuspruch", sagte Löw: "Auch meine Enttäuschung ist nach wie vor riesig. Aber ich möchte nun auch mit ganzem Einsatz den Neuaufbau gestalten."

Zuvor war es in Frankfurt/Main zu einem Gespräch zwischen der WM-Delegation um DFB-Präsident Reinhard Grindel, Löw und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff gekommen.

"Wir sind alle der festen Überzeugung, dass wir mit Jogi Löw einen Bundestrainer haben, der sehr genau analysieren, die richtigen Schritte einleiten und unsere Mannschaft zurück in die Erfolgsspur führen wird", wird Grindel in einer DFB-Mitteilung zitiert.

Bei der Aufarbeitung will Löw nichts überstürzen. "Ich werde gemeinsam mit meinem Team analysieren, Gespräche führen und zum Start der neuen Saison die richtigen Schlüsse ziehen. Das alles braucht Zeit, wird aber alles rechtzeitig bis zum Start in die neue Länderspielsaison im September geschehen", sagte Löw.

Von personellen Konsequenzen in Mannschaft oder Betreuerstab war in der Mitteilung nicht die Rede. Löw und Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff sollen das WM-Desaster laut Grindel in den nächsten Wochen "sportlich aufarbeiten". Bis zum nächsten Länderspiel am 6. September in München gegen Frankreich solle dem Präsidium "eine umfangreiche Analyse" vorgestellt werden.

Bierhoff beteuerte, er freue sich, "dass es mit Jogi Löw an der Spitze unserer Nationalmannschaft weitergeht". Er habe in einem langen Gespräch am Montag bei Löw "die volle Energie gespürt, weiterzumachen". Auch Manuel Neuer äußerte sich positiv. Er habe "das Vertrauen, dass wir gemeinsam wieder zu unserer Stärke finden", sagte der Kapitän.

Löw steht nach dem erstmaligen Vorrunden-Aus in der 84-jährigen WM-Geschichte des DFB-Teams allerdings vor einer Herkulesaufgabe: Er muss den Umbruch in der Mannschaft forcieren, zugleich aber aus den beiden Lagern Etablierte und Junge wieder eine Einheit schaffen. Dabei ist der Ergebnisdruck gegen Frankreich in der neu geschaffenen Nations League sofort hoch. Die Mannschaft sei "gleich gefordert", betonte Grindel. Weiterer Gegner sind die Niederlande, der Gruppenletzte steigt ab.

Die Machtbasis von Löw und Bierhoff (Vertrag bis 2024) steht nach dem WM-Desaster auf tönernen Füßen. Vor allem die Sorglosigkeit der sportlichen Leitung habe zur WM-Pleite geführt, berichtet die FAZ aus "Spielerkreisen" und nach Gesprächen mit zwei "erfahrenen Kennern der sportlichen und organisatorischen Verhältnisse in der Nationalmannschaft und beim DFB".

Löw habe demnach den Leistungsgedanken in der Mannschaft ausgehebelt, was zur Spaltung der Mannschaft beigetragen habe. Dass Löw Kapitän Manuel Neuer nach dessen Verletzung einen Sonderstatus einräumte, soll "für einige Spieler" ein Problem gewesen sein. Überhaupt habe Löw älteren Verdiensten den Vorrang eingeräumt, jüngere Spieler seien für ihren Einsatz im Training nicht honoriert worden.

Weitere Kritikpunkte der namentlich nicht genannten Insider: die Auswahl der Testspielgegner in der Vorbereitung; die Hybris Bierhoffs bei der Quartierwahl ("Spielplan von hinten gedacht"); der Besuch der Bundeskanzlerin am Vorabend der endgültigen Kader-Benennung im Trainingslager in Südtirol; der Umgang mit Mesut Özil; und, und, und. Dennoch gab es beim DFB nie Zweifel an der weiteren Zusammenarbeit.

Löw hatte das Amt nach dem Sommermärchen 2006 von Jürgen Klinsmann übernommen. Bei allen großen Turnieren führte er die DFB-Auswahl mindestens ins Halbfinale - bis zur WM in Russland. Höhepunkt seiner Amtszeit war der Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien. Im vergangenen Jahr führte er eine bessere B-Elf zum Confed-Cup-Sieg, nun scheiterte seine hoch gehandelte Mannschaft kläglich.

Auch wenn noch kein Weltmeister zurücktreten möchte: Der Umbruch muss längerfristig radikal ausfallen. Von den neun Rio-Champions, die Löw mit ins unpopuläre WM-Quartier nach Watutinki genommen hatte, wären bei der WM 2022 in Katar nur Julian Draxler und Matthias Ginter noch unter 30 Jahre alt.

"In vier Jahren sind Spieler wie Kimmich, Werner, Sane, Süle, Brandt und Goretzka auf dem Zenit ihres Könnens. Das ist für mich spannend und eine reizvolle Aufgabe", sagte Löw vor der WM im SID-Interview. Der Bundestrainer glaubt an eine neue "Goldene Generation" - und daran, dass er auch diese auf den Gipfel führen kann.

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(lt/sid/dpa)
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