Miroslav Klose — sein zweiter Versuch in einem WM-Finale

Klose steht erneut im WM-Finale : Der ewige Miro — sein zweiter Versuch

Miroslav Klose ist von allen Spielern, die am Sonntag das Finale bestreiten, der einzige, der schon einmal in einem WM-Endspiel gestanden hat. 2002 hat er verloren, diesmal ist er vorsichtig optimistisch.

Natürlich beginnt es mit allseitigen Respektbekundungen. "Argentinien ist eine Mannschaft mit einer ganz starken Abwehr, und das Team hat Lionel Messi", sagt Hansi Flick, künftig Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes und zur Stunde noch der wichtigste Assistent von Bundestrainer Joachim Löw. "Argentinien wird sich mit aller Macht entgegenstemmen, und Messi ist einer der besten Spieler der Welt", erklärt Verteidiger Benedikt Höwedes. "Das wird ein ganz anderes Fußballspiel als das Halbfinale, und Messi kann ein Spiel im Alleingang entscheiden", betont Miroslav Klose. Allzu nachdrückliche Demonstrationen von Selbstbewusstsein verkneifen sich die deutschen Spieler und Trainer vor dem WM-Finale am Sonntag (21 Uhr/MESZ, Live-Ticker).

"Es geht nur um die Truppe"

Von ihren Stärken sind sie dennoch überzeugt. Auch Klose, der mit 16 Treffern als Rekordtorschütze der WM-Turniere in dieses Endspiel geht. Es ist allerdings typisch für ihn, dass er seine eigene Rolle nicht in den Vordergrund spielt. "Es geht nur über die Truppe, den Erfolg kann man nur als Mannschaft schaffen", sagt der Alterspräsident des Finalisten aus Deutschland. Mit 36 Jahren steht er zum zweiten Mal in einem WM-Endspiel - 2002 verlor der gebürtige Oppelner mit der DFB-Auswahl das letzte Spiel des Turniers ins Japan und Südkorea mit 0:2 gegen Brasilien. "Ich weiß, wie sich das anfühlt", sagt der Mittelstürmer, "das will ich nicht noch mal erleben."

Damals stand der Angreifer als junges, schüchternes Kerlchen erst am Anfang einer großen Karriere. Mit fünf Toren hatte Klose der deutschen Elf maßgeblich mit ins Finale verholfen, alle erzielte er mit dem Kopf. Sein Spiel hat sich seither extrem weiter entwickelt, er ist ein kompletter Stürmer geworden, der nicht mehr allein sein edelstes Körperteil zum Torerfolg benötigt, er ist mit Fuß und Kopf gleich stark, er hat die Wandlungen des Spiels in einer ganzen Epoche mitvollzogen. Und vielleicht bleibt er dem internationalen Fußball sogar über das Turnierende hinaus erhalten.

Das ist die überraschende Botschaft vor Kloses zweitem WM-Finale. Bei Lazio Rom hat er neulich seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Und auf die Frage, wie es denn nach dem Endspiel weitergehe, antwortet er: "Das weiß ich selbst noch nicht. Ich kann es leider noch, und es kann sein, dass ich meinen Kadaver doch noch weiter rumschleppe." Fürs nächste WM-Turnier wird's zwar nicht reichen, aber "der Kadaver" wirkt durchaus stark genug für ein paar weitere Länderspiele.

Wie geschaffen für Löws System

In Brasilien ist Klose rechtzeitig fit geworden für die ganz großen Aufgaben, nachdem er im Klub in der italienischen Meisterschaft ein Jahr voller kleiner gesundheitlicher Rückschläge erlebte. Er hat sich davon nicht aus der Bahn bringen lassen, und er weiß den Bundestrainer hinter sich. "Der Miro", sagt Joachim Löw, "kennt seinen Körper ganz genau, er hat enorm viel Erfahrung." Deswegen half er ihm bei einem dosierten Trainingsaufbau. Den jungen, alten Klose erlebt die Welt seit dem erfolgreichen Kurzeinsatz beim 2:2 gegen Ghana, als er den späten Ausgleich erzielte, und erst recht seit dem Viertelfinale gegen Frankreich. Er ist geschaffen für das deutsche 4-2-3-1-Spielsystem, zu dem Löw seit dem Frankreich-Spiel zurückgekehrt ist.

Und er lebt, das versichert er jedenfalls, völlig für den fußballerischen Augenblick. "Ich sauge jeden Moment auf, den ich auf dem Platz stehe", versichert Klose. Deshalb denke er nicht an seine bemerkenswerte Vergangenheit oder dieses große Erlebnis beim 7:1 im Halbfinale gegen Brasilien. Allenfalls denkt er jetzt schon an den nächsten Augenblick auf dem Platz, an die Begegnung mit Argentinien. Und selbstverständlich ist er im Mode-Vokabular der Fußball-Gegenwart zu Hause, wenn er erklärt: "Seit der Gegner feststeht, ist der Fokus auf Argentinien gerichtet." Ja, ja, der Fokus. Ohne den kommen die Sportler der Neuzeit nicht mehr aus. Früher reichte bereits die Konzentration auf den Gegner.

Aber natürlich gehen die Deutschen mit "högschder Konzentration" (Löw-Deutsch) ins Spiel. Vor allem, weil sie jetzt mit der Rolle des Favoriten leben müssen, die ihnen nach dem großen Auftritt im Halbfinale angehängt wird. "Wenn wir nicht unsere Topleistung abrufen, dann werden wir das Endspiel nicht gewinnen", hat Mittelfeldspieler Toni Kroos unmittelbar nach der Partie gegen Brasilien gesagt. Und Klose vermittelt in seiner ganzen Art jene Demut, von der Löw in diesen Tagen spricht.

Den Optimismus nimmt ihm seine bewusst bescheidene Haltung allerdings nicht. "Ich bin voller Zuversicht, dass wir jetzt endlich dran sind", erklärt Klose. Er darf das sagen, weil er seit zwölf Jahren an den deutschen Versuchen beteiligt ist, länger als jedes andere Mitglied des aktuellen Kaders. Den ewigen Miro nennen sie ihn deshalb. Darüber lächelt er mit der Nachsicht seines hohen Alters.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Alle WM-Treffer von Miroslav Klose

(RP)
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