Mats Hummels geht mit Deutschland gegen Frankreich an die Grenzen

Deutschland steht im Halbfinale : Hummels geht mit dem DFB-Team an die Grenzen

Mats Hummels köpft bereits in der 13. Minute den Siegtreffer zum 1:0 gegen starke Franzosen. Auch hinten überragt der Dortmunder Verteidiger. Doch die gesamte Mannschaft verausgabte sich für den Halbfinal-Einzug.

Es begann mit einem schön gemischten Gruppenbild. Vor dem WM-Viertelfinale stellten sich Franzosen und Deutsche für die Fifa-Aktion gegen Rassismus im Fußball zu einem Foto. Danach war es mit den Gemeinsamkeiten aber vorbei, vor allem mit dem gemeinsamen Weg durch das Turnier in Brasilien. Den geht die deutsche Mannschaft allein weiter. Nach einem hart erkämpften 1:0-Erfolg steht sie im Halbfinale. Wie immer seit 2002. Das Erfolgsrezept fasste Kapitän Philipp Lahm zusammen: "Wir standen wieder als Mannschaft auf dem Feld."

4-2-3-1 statt 4-3-3

Bundestrainer Joachim Löw hatte sich tatsächlich zu einem ziemlich grundsätzlichen Umbau dieser Mannschaft und vor allem seines Spielsystems durchgerungen. Er zog nicht nur, wie das alle erwartet hatten, Lahm auf die Position des rechten Außenverteidigers zurück. Er ließ auch das jahrelang praktizierte 4-2-3-1-System spielen. Erst unmittelbar vor der Weltmeisterschaft hatte er sein Team in einem 4-3-3 auflaufen lassen.

Das hatte vornehmlich der Sicherung des Tors gedient. Nun sollte Miroslav Klose (später Thomas Müller) als echte Spitze dem deutschen Spiel mehr Tiefe geben. Zunächst ging dieser Plan sehr gut auf. Die DFB-Auswahl kam besser ins Spiel, und Frankreich gelang es in der ersten Phase der Begegnung nicht so gut, seine Kombinationen von den Flügeln zu entwickeln. Das änderte sich allerdings im Verlauf der ersten Hälfte bereits.

Zu Beginn aber hatte Löws Team die Kontrolle auf dem Rasen des Maracana-Stadions von Rio de Janeiro. Und sie profitierte von der schnellen Führung. Eine Freistoß-Flanke von Toni Kroos aus dem vielgerühmten Halbfeld streichelte Mats Hummels mit dem Kopf geradezu ins Tor. Es war bereits die zweite erfolgreiche Turnier-Zusammenarbeit der beiden nach einer Standardsituation. Bemerkenswert, weil die ruhenden Bälle lange Zeit nicht zu den größeren Stärken der Deutschen gerechnet werden durften.

Den Franzosen war damit natürlich nicht der Stecker für ihre Angriffsmaschine gezogen. Dafür ist die Mannschaft bislang viel zu stark aufgetreten. Sie besann sich schnell auf ihre Qualitäten und versuchte, nach dem bekannten Muster zum Ziel zu kommen. Ausgeprägte Zweikampfstärke ergab häufig den Ballgewinn, und weil sich namentlich Mathieu Valbuena immer wieder gut in die freien Räume bewegte, kam es zu Torgelegenheiten.

Khedira und Schweinsteiger nicht bei 100 Prozent

Die deutsche Mannschaft antwortete mit ihrem fußballerischen Entwurf. Sie setzte auf Ballkontrolle, Geduld, Tempowechsel und Doppelpässe. Das sah ganz gut aus, aber nicht immer entschlossen. Vor allem Kroos und Bastian Schweinsteiger suchten einfach nicht oft genug den Abschluss aus der zweiten Reihe, obwohl sie über weithin gefürchtete Qualitäten verfügen. Schweinsteiger spielte im defensiven Mittelfeld neben Sami Khedira — eine Variante, die Löw in den Gruppenspielen noch kategorisch ausgeschlossen hatte, weil er am Fitness-Zustand der beiden Recken zweifelte. Bei 100 Prozent schien weder der eine noch der andere. Immerhin aber bemühten sie sich erkennbar und mit Erfolg, Ordnung in den Aufbau und Kontrolle über die Gegenangriffe zu bekommen.

Das war nicht einfach, weil sie von den Franzosen mit herzhaften Attacken eingedeckt wurden. Deren Trainer Didier Deschamps musste sich jedenfalls keine Sorgen um den körperlichen Zustand seiner Jungs machen. Und Athletik war dringend notwendig in der Mittagshitze von Rio. Das erwies sich vor allem in der Schlussphase einer bis zuletzt spannenden Begegnung. Beide Teams waren erkennbar bis an die Grenzen gegangen. Und als die Deutschen gegen Ende zweimal konterten, konnte kein Franzose mehr folgen.

Weg soll nicht im Halbfinale enden

Der eingewechselte André Schürrle hatte zwei Torgelegenheiten der allerbesten Kategorie, auf der Gegenseite rettete Manuel Neuer sensationell gegen Karim Benzema und forderte den Kommentar seines Mitspielers Jérôme Boateng heraus: "Manu ist einfach der beste Torhüter der Welt."

Die Party auf den Rängen war am Ende ausgelassener als die auf dem Rasen. Den Spielern fehlte dafür die Kraft. "Das ist der nächste Traum, der in Erfüllung ging", kommentierte Hummels deshalb eher dezent. "Ich hoffe, dass unser Weg noch nicht zu Ende ist."

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