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Kevin Volland kämpft für seinen WM-Traum

Länderspiel gegen Polen : Volland kämpft für seinen WM-Traum

Der Angreifer der TSG Hoffenheim wird heute in Hamburg gegen Polen sein Debüt im deutschen Nationalteam feiern. Der 21-Jährige hat gute Chancen, nach Brasilien zu fahren – dabei hätte er auch Eishockey-Profi werden können.

Der Angreifer der TSG Hoffenheim wird heute in Hamburg gegen Polen sein Debüt im deutschen Nationalteam feiern. Der 21-Jährige hat gute Chancen, nach Brasilien zu fahren — dabei hätte er auch Eishockey-Profi werden können.

Wenn man in Marktoberdorf geboren ist und einen Funken sportliches Talent in sich trägt, dann möchte man Eishockeyprofi werden. Ganze zwölf Kilometer sind es vom Kern des 18.000-Einwohner-Örtchens im Ostallgäu zum Eisstadion des ESV Kaufbeuren, in dem Stars wie Dieter Hegen oder Alexander Sulzer ihre ersten Versuche auf dem Eis unternahmen, 29 Kilometer ist das Eisstadion des 16-maligen Meisters EV Füssen entfernt. Wer dann auch noch der Sohn eines früheren Eishockey-Nationalspielers ist, dessen sportlicher Weg sollte erst recht vorgezeichnet sein.

Manchmal jedoch läuft alles ganz anders als geplant. Und so ist Kevin Volland zur Stunde nicht in Weißrussland, wo die deutsche Eishockey-Auswahl ihr Glück bei der Weltmeisterschaft versucht, sondern in Hamburg. Obwohl er in Marktoberdorf geboren wurde, obwohl sein Vater Andreas bei der Eishockey-WM 1993 für Deutschland stürmte, wird der 21-Jährige heute Abend (20.45 Uhr, Live-Ticker) im Länderspiel gegen Polen das Trikot der deutschen Fußball-Nationalmannschaft tragen.

Dass die Partie von den meisten Beobachtern aufgrund des Fehlens der Profis von Bayern München, Borussia Dortmund, Arsenal London und Real Madrid — die am Wochenende in den Pokal- und Saisonfinals ihrer Ligen antreten - als Muster ohne Wert abqualifiziert wird, ist dem Angreifer der TSG Hoffenheim herzlich egal. "Als der Anruf von Hansi Flick kam, habe ich über das ganze Gesicht gestrahlt", sagt Kevin Volland. "Es ist ein sehr schönes Gefühl, hier dabei zu sein. Ich freue mich riesig."

Es gibt da allerdings auch einen nicht unerheblichen Faktor, der den Allgäuer von den meisten seiner heutigen Mitstreiter unterscheidet. Spieler wie der Freiburger Oliver Sorg oder der Stuttgarter Antonio Rüdiger sind nur zum Kennenlernen dabei oder haben wie die Schalker Max Meyer und Leon Goretzka trotz ihrer Nominierung für den vorläufigen WM-Kader Profis kaum Chancen, in Brasilien dabei zu sein. Vollands Aussichten sind dagegen erheblich größer. Ihm traut Bundestrainer Joachim Löw zu, in vorderster Spitze zu stürmen — mehr sogar als Mario Gomez, den er nicht in den vorläufigen 30er-Kader berief.

"In der Jugend bei 1860 München war ich hauptsächlich Stürmer", berichtet Volland und korrigiert damit selbstbewusst die Zweifler, die in ihm eher einen Spieler für die Außenbahn sehen. "Ich kann auch Stoßstürmer spielen, weil ich ein robuster Typ bin, die Bälle halten und auch das eine oder andere Tor erzielen kann. Die Position liegt mir." Klug formuliert — außen ist die Konkurrenz für Brasilien erheblich größer als im Angriffszentrum.

Sein Vereinstrainer spricht nicht ohne Stolz über Vollands Entwicklung. "Kevin kann im Angriff auf allen Positionen eingesetzt werden", betont Markus Gisdol, "und er ist klar in der Birne." Oder, wie der so Gelobte es selbst ausdrückt: "Ich bin bodenständig. Das gehört neben der Disziplin zu den wertvollen Tipps, die mir mein Papa mit auf den Weg gegeben hat."

Vielleicht hätte der es trotz allem lieber gesehen, wenn sein Filius es ihm gleichgetan und eine Profikarriere auf Kufen angestrebt hätte. Zumindest brachte Andreas Volland ihn früh zur Eishockey-Jugend des EV Füssen — die Entscheidung für den Fußball fiel erst mit zwölf Jahren. Und Kevin hat einiges mitgenommen aus der Eishockeyschule: "Dort habe ich gelernt, nicht gleich umzufallen und zu jammern." Dass er heute gegen Polen dabei ist, empfindet er als Ehre, versichert Volland. "Und wenn man die Chance hat, bei einer WM dabei zu sein, dann will man sie auch nutzen."

(RP)