Jonas Hector vom 1. FC Köln: „Andere Vereine haben niemals eine Rolle gespielt“

Nationalspieler Jonas Hector im Interview: „Andere Vereine haben niemals eine Rolle gespielt“

Linksverteidiger Jonas Hector geht mit dem 1. FC Köln in die 2. Bundesliga. Vorher möchte der 28-Jährige aber noch Weltmeister werden.

Nationalspieler Jonas Hector hat eine ereignisreiche Saison hinter sich: Europa League mit dem 1. FC Köln, seine erste schwere Verletzung (Syndesmosebandriss), der Abstieg in die 2. Bundesliga, seine Vertragsverlängerung. Nun steht der 28-Jährige vor seiner ersten Weltmeisterschaft.

Herr Hector, wie war es für Sie, als Bundestrainer Joachim Löw vier Spieler aus dem 27er Kader aussortieren musste? Hat man da auch als etablierter Nationalspieler noch Angst, dass man rausfliegt?

Jonas Hector Angst nicht unbedingt, aber man ist schon aufgeregt. Allerdings auch schon nicht mehr so wie bei der Europameisterschaft vor zwei Jahren.

Sagt einem der Bundestrainer persönlich Bescheid, ob man bei Lehrgängen oder Turnieren dabei ist?

Hector Das war nur beim allerersten Mal so. Ansonsten bekommt man E-Mails mit allen Daten.

Am 14. September 2017 machten Sie das erste und bislang einzige Europa-League-Spiel Ihrer Karriere mit dem 1. FC Köln. Gegen den FC Arsenal wurden Sie in der 35. Minute mit einem Syndesmosebandriss ausgewechselt – die bislang schlimmste Verletzung in Ihrer Karriere. Wie war der Moment?

Hector Es war ein Zweikampf, und ich habe nur einen Schlag gespürt. Als ich dann weiterspielen wollte, habe ich sofort gemerkt, dass es was Schlimmeres war. Es war im ersten Moment schon ein Schock.

Denkt man in solchen Momenten und den Tagen danach an ein mögliches WM-Aus?

Hector Die WM war überhaupt kein Thema, zumal ja klar war, dass ich Anfang dieses Jahres schon wieder auf dem Platz stehen würde.

Mit der Vertragsverlängerung trotz des Abstieges sind Sie deutschlandweit das Sinnbild für Vereinstreue geworden. War Ihnen das bewusst?

Hector Ich habe mir zwar gedacht, dass die Kölner positiv darüber denken werden, aber dass so etwas in so kurzer Zeit in ganz Deutschland passiert, hätte ich nicht für möglich gehalten.

Wieso sind Sie überhaupt in Köln geblieben? Als Nationalspieler hätten Sie so gut wie überall hingehen können. Es soll Angebote des FC Bayern und von Borussia Dortmund gegeben haben.

Hector Ich habe mir seit Anfang des Jahres Gedanken gemacht, was ich machen möchte – auch im Falle eines Abstiegs. Ich habe mit meiner Familie geredet und mit meiner Freundin und habe allen erklärt, dass ich gerne in Köln bleiben möchte. Dann habe ich das auch dem Verein erklärt, und wir haben zusammen eine Lösung gesucht. Andere Vereine haben niemals eine Rolle gespielt. Soweit wäre es erst gekommen, wenn der FC und ich keine Lösung gefunden hätten.

So spielen Sie in der nächsten Saison beim FC Erzgebirge Aue, während viele ihrer Nationalmannschaftskollegen in der Champions League aktiv sind.

Hector Ich brauche keine Champions League.

Champions League-Sieger Real Madrid ist dafür bekannt, dass er sich nach einer WM die überragenden Spieler des Turniers herauspickt und verpflichtet. Das könnte doch auch für Sie gelten?

Hector Ich brauche auch kein Real Madrid. Außerdem haben die mit Marcelo den besten Linksverteidiger der Liga. Ich habe in Köln verlängert, weil wir direkt wieder von der 2. in die 1. Liga aufsteigen möchten.

(dpa)
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