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Joachim Löw: WM-Kader mit Schwachstellen

Bundestrainer Löw beruft vorläufigen Kader : 30 WM-Kandidaten – viele Schwachstellen

Der Bundestrainer hat fünf angeschlagene Profis in sein vorläufiges WM-Aufgebot geholt. Sami Khedira gehört dazu. Auf Mario Gomez setzt er hingegen nicht mehr.

Joachim Löw hat noch ein Weilchen Zeit. Am 2. Juni erst – am Tag nach dem Testspiel der Fußball-Nationalelf in Mönchengladbach gegen Kamerun – muss er entscheiden, auf welche 23 Spieler er in Brasilien vertraut. Am Donnerstag veröffentlichte er die Namen der 30 Profis, die sein vorläufiger Kader umfasst. Nach der Partie am Dienstag gegen Polen wird er seine Crew auf 25 oder 26 Mann reduzieren, mit denen er im Trainingslager in Südtirol an der WM-Form arbeiten wird.

Wer am Donnerstag nicht genannt wurde, hat keine Chance mehr, am Turnier in Brasilien teilzunehmen: Mario Gomez zum Beispiel, der beim AC Florenz in der "hässlichsten Saison meiner Karriere" wegen Verletzungen kaum zum Einsatz kam. "Er ist nicht in der Lage, bei der WM zu bestehen", urteilte Löw. Es fehlen auch die Torhüter Marc-André ter Stegen (Borussia Mönchengladbach), Bernd Leno (Bayer Leverkusen) und Rene Adler (Hamburger SV), die sich Hoffnungen gemacht hatten. Auch der Gladbacher Angreifer Max Kruse, der Hamburger Allrounder Heiko Westermann und Sven Bender von Borussia Dortmund stehen nicht auf der Liste.

Angeschlagene Spieler sind die große Schwäche

Die große Schwäche des Kaders: Fünf Spieler plagen sich mit langwierigen Verletzungen oder deren Nachwirkungen. Sami Khedira – einer der wichtigsten, wenn nicht der wichtigste Mann in der Nationalmannschaft – fehlt nach einem Kreuzbandriss die Spielpraxis. Sein Madrider Vereinstrainer Carlo Ancelotti will ihn aber bis zum Champions-League-Finale am 24. Mai aufbauen, und Löw sagt: "Er ist nicht am Leistungslimit, aber wir sind überzeugt, ihn dahinzubringen." Khediras letzter Einsatz liegt ein halbes Jahr zurück.

Miroslav Klose (35) scheint angesichts des Mangels an Mittelstürmern unverzichtbar, obwohl er sich die ganze Saison über bei Lazio Rom mit Verletzungen geplagt hat. Einziger möglicher Vertreter für ihn ist der Hoffenheimer Kevin Volland. Deshalb sind dessen Chancen, ins 23er-Aufgebot zu rutschen, auch größer als die der anderen ohne Länderspielerfahrung nominierten Schalker Max Meyer und Leon Goretzka oder die von Shkodran Mustafi und André Hahn.

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Große Chance für Nobody Durm

Besser stehen die Chancen für den Dortmunder Erik Durm. Denn er bekleidet die Position des linken Verteidigers. Dort herrscht in Deutschland ein Mangel, und hinter den anderen Anwärtern im Kader stehen Fragezeichen. Wird Philipp Lahm im defensiven Mittelfeld gebraucht? Finden Marcel Schmelzer oder Marcell Jansen nach Verletzungen zur Form? "Gerade in seinen sieben Champions-League-Spielen hat Durm uns überzeugt", sagte Löw. Die Champions League setzt international das Maß für Tempo, Technik, Taktik. Benedikt Höwedes muss ebenfalls als Problemfall angesehen werden. Der in der Defensive vielseitig einsetzbare Schalker fehlte wegen eines Muskelbündelrisses im Oberschenkel bei den letzten sieben Bundesligaspielen. "Es gibt schon noch ein paar Fragezeichen", räumte Löw ein. Bei Schmelzer, Jansen und Höwedes "müssen wir noch mal sehen".

Die Bekanntgabe des Kaders machte aber auch deutlich, über welch großes Reservoir an Talenten der Bundestrainer verfügt. Sein Vorvorgänger Rudi Völler erinnert sich noch gut daran, wie sich die Mannschaft für die WM 2002 in Japan und Südkorea praktisch von selbst aufstellte. Löw kann nun eine Vielzahl von Nachwuchskräften einladen. Beim Blick auf den jugendlichen Kader für das Spiel gegen Polen (siehe Anhang) wird das besonders deutlich. Löw spricht vom "Spiel der jungen Gesichter". Die Münchner und Dortmunder fehlen bei der Begegnung in Hamburg, weil sie sich am folgenden Samstag im Pokal-Endspiel gegenüberstehen. Während Vertreter von Bundesliga-Mannschaften früher mitunter froh waren, dass ihre Profis für solche Aufgaben nicht herangezogen werden, beklagen sich einzelne jetzt. Gladbachs Sportdirektor Max Eberl sagt: "Wenn ich mir den Kader für das Länderspiel gegen Polen anschaue, muss ich sagen, dass ich sehr überrascht und auch enttäuscht bin, dass Jungs wie Tony Jantschke und Patrick Herrmann fehlen, die bei uns eine tolle Saison gespielt haben." Löw kann es nicht jedem recht machen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Pressestimmen zum DFB-Kader

(RP)