Jetzt jagt Miroslav Klose Ronaldos Tor-Rekord

WM in Brasilien : Jetzt jagt Miroslav Klose Ronaldos Tor-Rekord

Vor ein paar Tagen ist Miroslav Klose 36 Jahre alt geworden. Wiederum ein paar Tage davor hat er sich mit seinem 69. Länderspieltreffer selbst ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk gemacht. Er ist nun der Rekordtorjäger in der deutschen Länderspielgeschichte, obwohl er davon nichts wissen will. "Der Gerd Müller bleibt unerreicht", sagt Klose, "er hat die 68 Tore in 62 Spielen gemacht." Trotzdem ist Müllers Bestmarke gelöscht.

Zeit für Klose, den nächsten Rekord anzupeilen, den des Brasilianers Ronaldo. 15 Treffer hat der einstige Torjäger bei WM-Turnieren erzielt, Klose hat es in drei großen Turnieren schon auf 14 gebracht. Der Gedanke ist nicht völlig abwegig, dass Klose bei seiner vierten Teilnahme am Weltturnier zum alleinigen Rekordschützen aufsteigt - trotz des biblischen Fußballeralters.

Mit solchen Spielchen beschäftigt er sich aber nicht. "Der Erfolg der Mannschaft ist entscheidend", sagt er. Das sagen zwar viele, auch viele Torjäger, Klose darf man es jedoch glauben. Er ist ein untypischer Vertreter seiner Berufssparte. Im Zweifel gibt er dem Abspiel den Vorzug vor dem Torabschluss, und vermutlich hat er sich deshalb um eine noch viel bessere Quote gebracht in seinen 132 Länderspielen.

Allein diese Zahl ist beeindruckend. Sie wird noch beeindruckender durch den Umstand, dass Klose nicht den geraden Weg über die Nachwuchsmannschaften und die Talenteförderung genommen hat. Er ist so etwas wie ein Quereinsteiger in den Profifußball. Der 1. FC Kaiserslautern holte ihn einst aus der Bezirksliga für die eigene Amateurmannschaft. Und er schaffte den Sprung nach oben zunächst durch sein großartiges Kopfballspiel. Vom Kombinationsfußballer Klose war selbst bei seiner ersten WM in Japan und Südkorea 2002 noch nicht die Rede.

Aber Klose blieb buchstäblich am Ball. Es gibt vermutlich nicht viele Berufsfußballer, die ihr Leben so konsequent am Fußball ausgerichtet haben. "Ich lebe danach, ernähre mich gut, schlafe viel", sagt er. Ein einfaches Rezept. Und ein erfolgreiches, weil es sich ergänzt mit der Arbeit an den eigenen Fähigkeiten. Klose ist über die Jahre ein perfekter Stürmer geworden - sogar auf die alten Tage in Italien bei Lazio Rom beeindruckt er die Fans mit Torinstinkt, mannschaftlichem Spiel und läuferischen Qualitäten.

Dennoch ist es gut möglich, dass der einstige Lauterer in Joachim Löws WM-Konzept die Rolle des Bankspielers zufallen wird. Der Bundestrainer hat diese Gattung jüngst zur Sparte der "Spezialkräfte" ernannt. Und er hat das Anforderungsprofil so umrissen: "Es sind die Spieler, die der Mannschaft neue Energie, neue Impulse geben. Sie können den Unterschied ausmachen."

Klose hat sich im Test gegen Armenien mit dieser Rolle schon mal vertraut gemacht. Er kam von der Bank, brachte neue Energie, traf ins Tor und legte seinen Mitspielern die Bälle auf. Ihm kommt zugute, dass er zwar ins international aussterbende Fach der klassischen Mittelstürmer gerechnet wird, aber durchaus andere Wege geht. "Er ist schon auch ein Stürmer, der sehr beweglich ist und den Weg in die Tiefe sucht", sagt Löw.

Das Thema falsche oder richtige Neun steht für Klose eher im Rang einer akademischen Diskussion. Er hat die Mittelstürmerrolle längst für sich modernisiert. Und er hat im Unterschied zu all den falschen und halben Neunern dieser Welt einen großen Vorteil: Er ist immer noch ein ganz großer Kopfballspieler. Das kann bei der WM zum entscheidenden Trumpf werden - schon beim Auftakt in Salvador gegen Portugal.

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