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Fußball-WM 2018: Ex-Bundestrainer Berti Vogts lobt Toni Kroos: "Weltklasse"

WM-Kolumne von Berti Vogts : Boateng opfert sich fürs Team

Unser Autor Berti Vogts hat einen verdienten Sieg gegen Schweden gesehen. Toni Kroos hat ihm imponiert, die Gelb-Rote Karte gegen den Abwehrchef ärgert ihn. Das Foul passierte, weil andere nicht gut gearbeitet haben.

All denen, die jetzt sagen, Deutschland hat mit Glück gegen die Schweden gewonnen, muss ich widersprechen. Es war ein verdienter Sieg gegen einen unangenehmen Gegner. Man schießt die Schweden nicht einfach so 3:0 oder 4:0 aus dem Stadion. Man darf nicht vergessen, dass sie in der Qualifikation die Niederlande und in den Play-offs Italien rausgeworfen haben. Gegen diese Mannschaft in Unterzahl das Spiel zu drehen, ist aller Ehren wert. Das sind die Tugenden, die einer deutschen Nationalmannschaft würdig sind.

Ein tolles Spiel hat Toni Kroos gemacht. Und zwar nicht nur, weil er dieses herrliche Tor in der letzten Minute erzielt hat. Sicher, vor dem 1:0-Führungstor der Schweden hat er einen Fehler gemacht – aber danach müssen andere besser verteidigen. Kroos ist der Regisseur dieser Mannschaft, er gibt den Spielrhythmus vor, spielt die wichtigen Pässe, auch den vor dem Tor zum 1:1 durch Marco Reus auf den Vorlagengeber Timo Werner. Kroos muss nicht nach hinten arbeiten, er ist für die Offensive zuständig, und da macht er mit seinen Ideen einen herausragenden Job.

Toni Koos ist ein Weltklassespieler – und Weltklassespieler machen in den entscheidenden Situationen das Richtige. Der Schuss war kein Zufall, den kann er einfach. Ich muss allerdings sagen: Das darf man von Spielern seiner Klasse auch erwarten.

Toll finde ich, dass Marco Reus nun im Team ist. Er hat mit seinem Tor und vielen starken Läufen in die Tiefe gezeigt, warum er wichtig für unser Spiel ist. Er ist für den Gegner kaum auszurechnen, er hat immer eine besondere Idee. Super! Ich hoffe, dass er gesund bleibt und weiter so mutig spielt.

Rätselhaft ist mir, warum die Mannschaft nach starken Anfangsminuten in beiden Halbzeiten so abgebaut und unerklärliche Fehler im defensiven Umschaltspiel gemacht hat.

Ich habe schon nach dem Mexiko-Spiel bemängelt, dass unsere Innenverteidiger allein gelassen werden. Wenn ich Jerome Boateng wäre, würde ich dem einen oder anderen den Marsch blasen wegen der Gelb-Roten Karte, bei der er Glück hatte, dass es nicht Rot war. Boateng hat sich in der Szene in den Dienst der Mannschaft gestellt, sich fürs Team geopfert. Wer weiß, wie gefährlich es geworden wäre, wenn er den Schweden nicht gestoppt hätte.

Es darf aber nicht sein, dass er in so eine Situation kommt – da muss die Staffelung viel besser sein. Da müssen vor allem die Außenverteidiger ihren Job genauer machen. Es ist schön, wenn sie viel nach vorn machen, aber gegen den Ball sollen sie sich bitteschön auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren: die Verteidigung. Es kann nicht sein, dass beide an der Mittellinie unterwegs sind, wenn der Gegner den Ball hat.

Joachim Löw hat mit seinen Umstellungen ein wichtiges Zeichen gesetzt: Jetzt wissen die etablierten Spieler, dass es keine Pfründe gibt, sondern nur die Leistung zählt. Die Idee mit Sebastian Rudy hat mir gefallen, er als Absicherung für Kroos, das war gut. Ich hoffe, dass er gegen Südkorea wieder spielen kann.

Was das dritte WM-Spiel angeht, will ich ausdrücklich warnen: Leute, geht nicht mit der falschen Einstellung an das Spiel heran! Es geht hier nicht um die Höhe des Sieges, sondern darum, das Spiel erst einmal zu gewinnen. Wir sind ganz sicher nicht in der Situation, einen Gegner zu unterschätzen, wir müssen Südkorea sehr ernst nehmen. Dann sind wir im Achtelfinale.

Dazu muss Joachim Löw aber zwei wesentliche Fragen beantworten: Warum haben wir uns gegen Schweden plötzlich so zurückgezogen? Und: Warum haben wir den Gegner zwischenzeitlich aufgebaut? Er muss das Phlegma, das da wieder aufkam, vollends verscheuchen. Gegen Schweden war es eine klare Steigerung, aber wir haben noch viel mehr Potenzial. Ich freue mich darauf, das im weiteren WM-Verlauf zu sehen. Deutschland hat ein deutliches Signal an sich selbst und die Konkurrenz ausgesandt: Wir sind jetzt bereit, eine tolle WM zu spielen.