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Nationalmannschaft vor WM-Qualifikation: Die Abwehr — Löws größte Baustelle

Nationalmannschaft vor WM-Qualifikation : Die Abwehr — Löws größte Baustelle

Der deutsche Fußball hat immer wieder starke Torhüter wie gegenwärtig den Münchner Neuer, und im Mittelfeld sind die Möglichkeiten geradezu paradiesisch. In der Defensive und in der Spitze dagegen ist die Zahl an Klassespielern sehr begrenzt.

Morgen Irland, Dienstag Schweden: Die beiden nächsten Gegner in der WM-Qualifikation sollten bei Bundestrainer Joachim Löw keine schlaflosen Nächte verursachen. Doch viel Skepsis bleibt. Der deutsche Fußball hatte zwar immer gute oder sogar überragende Torhüter, auch jetzt wieder mit Manuel Neuer. Und auch das riesige Angebot an talentierten, zum Teil sogar hochbegabten Mittelfeldakteuren macht Deutschland in diesem Bereich zu einem Fußballparadies. Die Probleme aber sind: Es reicht — buchstäblich — hinten und vorn nicht zu Extraklasse.

Abwehrformationen waren einst Prunkstücke deutscher Nationalteams — insbesondere zu Zeiten, als konsequent mit großer Disziplin, Körper- und Willenskraft "Mann gegen Mann" gespielt wurde. Das Halbfinale bei der EM mit der 1:2-Niederlage gegen Italien sowie die neue Saison warfen jedoch ein grelles Licht auf die aktuellen Schwächen in der Hintermannschaft. "Der Fokus ist absolut auf die Defensivarbeit gerichtet. Wir haben gesehen, dass wir nicht immer ganz optimal stehen", erklärt Hansi Flick, Assistent von Joachim Löw. Auf den Bahnen rechts und links ist das Angebot gering. "Wir haben auf den Außenverteidigerpositionen nicht die Masse an Spielern, die wir uns wünschen", betont Flick. Kapitän Philipp Lahm hat internationale Klasse, Marcel Schmelzer auf links dagegen bislang nicht überzeugt. Die Problematik müssten der neue DFB-Sportdirektor Robin Dutt und die Leistungszentren der Vereine angehen, fügt er hinzu.

Nun fallen für beide Begegnungen der Dortmunder Innenverteidiger Mats Hummels und Lars Bender aus. Der Leverkusener wäre für die Position rechts in der Viererkette für den in Dublin gesperrten Lahm infrage gekommen. Erste Kandidaten für diese Rolle dürften Jerome Boateng und Schalkes Spielführer Benedikt Höwedes sein. Dass Löw den Hamburger Heiko Westermann nach Hummels' Absage nachnominierte, ist eine pure Verlegenheitslösung. Dennoch: Die Umstellungen in der defensiven Viererkette können nicht als Alibi herhalten für ein enttäuschendes Ergebnis auf der Insel. Auch so muss es zum Sieg gegen die Nummer 28 der Weltrangliste reichen.

So sehr Löw auch im Mittelfeld aus dem Vollen schöpfen kann, so wenig Wahl hat er in der Spitze. Mario Gomez ist seit Wochen verletzt und allein Miroslav Klose, der morgen mit dem 125. Einsatz (bisher 64 Tore) ein Länderspieljubiläum feiert, eine feste Größe. Marco Reus, den der DFB-Chefcoach als mögliche Alternative sieht, kann seine Stärke besser ausspielen, wenn er mit seiner Schnelligkeit aus dem Mittelfeld in die Spitze läuft.

Heißt eine weitere Lösung Lukas Podolski? Bei der EM war der frühere Kölner einer der großen Verlierer im DFB-Aufgebot, mit dem Wechsel nach London hat er nun vielleicht einen Neuanfang gemacht. Auch für das Angriffszentrum. "Bei Arsenal habe ich ein Spiel ganz vorn gemacht, die restlichen auf der linken Seite", erklärt der 27-Jährige. "Wo ich mich sehe, entscheidet der Trainer. Ich fühle mich in den vorderen Bereichen überall wohl, ob rechts oder links oder ganz vorn."

Hier geht es zur Infostrecke: DFB: Löws Abwehrketten seit der WM 2010

(RP/can/csi)