Deutscher Gegner: Ramadan könnte für Algerien zum Problem werden

Am Samstag beginnt der Fastenmonat : Algerien-Kapitän will Ramadan einhalten

Erstmals seit 28 Jahren fällt der Ramadan wieder in die Zeit einer WM. Der am Samstag beginnende Fastenmonat stellt die muslimischen Profis wegen des Klimas in Brasilien vor große Herausforderungen. Auch der deutsche Achtelfinal-Gegner Algerien ist betroffen.

Mesut Özil stellt sich die Glaubensfrage in Brasilien nicht. "Ich kann nicht mitmachen" beim am Samstag beginnenden Ramadan, sagte der Fußball-Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, er müsse während des muslimischen Fastenmonats schließlich "arbeiten". Beim deutschen Achtelfinalgegner Algerien könnte der Speiseplan am Montag in Porto Alegre hingegen sehr wohl sehr enthaltsam sein. Denn fast die gesamte Mannschaft der Nordafrikaner ist betroffen.

"Ich entscheide nach meiner körperlichen Verfassung, aber ich glaube, ich werde es machen", sagte Kapitän Madjid Bougherra. Das Fasten sei eher "eine mentale Sache", das Klima "geht schon, es ist gut". In der K.o.-Runde gegen die DFB-Elf (22 Uhr MESZ/Live-Ticker) erwartet die Nordafrikaner in der Tat keine Hitzeschlacht, im Süden Brasiliens herrschen seit Tagen gemäßigte Temperaturen — ein Risiko bleibt dennoch.

Angesichts des Flüssigkeitsverlustes von "individuell unterschiedlich bis zu sechs Litern" müsse mit einer "großen physiologischen Leistungseinbuße" gerechnet werden, sagte Markus de Marees, Leiter des Bereichs Leistungsphysiologie und Höhenmedizin an der Deutschen Sporthochschule in Köln: "Wenn die Spieler während des Tages kein Wasser und keine Nahrung zu sich nehmen, so ist dies nur im Rahmen von geringer körperlicher Belastung und in gemäßigten klimatischen Bedingungen ohne gravierende gesundheitliche und Leistungseinbußen durchzuführen."

Zusammen mit Özil spielen in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in Sami Khedira und Shkodran Mustafi noch zwei weitere muslimische Profis. Auch fertige und angehende Stars wie die Franzosen Karim Benzema und Paul Pogba, sowie Belgiens Marouane Fellaini und Mousa Dembele befolgen die Heilige Schrift des Islam und müssen sich am Zuckerhut für oder gegen das strenge Fasten von Sonnenauf- bis Untergang entscheiden.

"Das ist ein heikles Thema"

"Das ist ein heikles Thema, ich kann dazu nichts sagen, weil ich jedermanns Religion respektiere, aber ich mache mir da keine Sorgen, jeder wird sich da anpassen", sagte Frankreichs Coach Didier Deschamps. Laut gängiger Interpretation der im Koran verankerten religiösen Pflicht dürfen "Reisende" das Fasten aber nachholen — die Trainer werden das vor allem in den hitzigen Orten Brasiliens gerne hören.

"Es ist mehr als sehr unwahrscheinlich, eine 90-minütige Belastung innerhalb einer zwölfstündigen Fastenperiode bei 30 Grad Celsius und einer Luftfeuchtigkeit von über 80 Prozent ohne Leistungseinbuße — wenn überhaupt - ohne gesundheitliche Schäden zu absolvieren", sagte de Marees.

Der Weltverband Fifa sieht das anders und verweist auf zwei Experten-Studien in Tunesien und Algerien. "Die Ärzte, mit denen wir gesprochen haben, fürchten kein gesundheitliches Risiko", sagte Chefmediziner Jiri Dvorak: "Das Ergebnis war, dass es keine signifikante Leistungsminderung gibt, wenn man den Ramadan befolgt."

Andere muslimische Spieler hatten bereits vor dem Turnier auf die erlaubten Ausnahmen verwiesen. "Fasten? Habt ihr das Wetter gesehen? Ich würde ja sterben", sagte Yaya Toure, der mit der Elfenbeinküste bereits ausgeschieden ist, der Zeitung "The National".

(sid)
Mehr von RP ONLINE