In der Jugend beim SC Grimlinghausen Nüsser Jung vor dem ersten WM-Spiel

Grimlinghausen · Wenn Deutschland am Mittwoch gegen Japan in die Fußball-WM startet, werden sie in Grimlinghausen besonders mitfiebern. In Armel Bella-Kotchap steht ein Spieler im deutschen Kader, der mit der E-Jugend des SCG für Furore sorgte.

 Die ehemalige E-Jugend des SC Grimlinghausen: (h.v.l.) Julian Lohmann, Armel Bella-Kotchap, Sinan Korkmaz, Paul Alex und Tom Reintges; (v.v.l.) Sofian Saysay, Peter Alex, Simon Lovric und Maurice Wolff.

Die ehemalige E-Jugend des SC Grimlinghausen: (h.v.l.) Julian Lohmann, Armel Bella-Kotchap, Sinan Korkmaz, Paul Alex und Tom Reintges; (v.v.l.) Sofian Saysay, Peter Alex, Simon Lovric und Maurice Wolff.

Foto: Michael Wolff

Wenn die deutsche Fußball-Nationalmannschaft am Mittwoch in ihrem ersten Gruppenspiel bei der Weltmeisterschaft in Katar auf Japan trifft, wüsste Maurice Wolff ganz genau, wen er in der Innenverteidigung aufstellen würde, wenn er das zu entscheiden hätte. „Für mich gehört Armel Bella-Kotchap an die Seite von Antonio Rüdiger. Vor physisch so starken Spielern haben Stürmer immer Respekt“, sagt der 21-Jährige, der beim A-Ligisten SC Grimlinghausen das Tor hütet.

Doch Maurice Wolff ist Realist genug, um zu wissen, dass Bundestrainer Hansi Flick sehr wahrscheinlich einem anderen Innenverteidiger-Pärchen den Vorzug geben wird. Schließlich feierte Armel Bella-Kotchap erst im September sein Debüt in der Nationalelf, nachdem er ziemlich überraschend für die Nations-League-Spiele gegen Ungarn und England nominiert worden war. Auch wenn Bella-Kotchap dann gegen England ein paar Einsatzminuten bekam und vergangene Woche im Testspiel gegen den Oman recht früh für den verletzten Lukas Klostermann eingewechselt wurde, haben andere also einen deutlichen Erfahrungsvorsprung. Aber schon damals waren sie mächtig stolz beim SC Grimlinghausen, wo Armel Bella-Kotchap sich ein Jahr in der F-Jugend und zwei Jahre in der E-Jugend einen Teil seines Rüstzeugs für die Profikarriere geholt hatte, bevor er dann zu Borussia Mönchengladbach wechselte, wo dann sein nicht immer geradliniger Weg ins Profigeschäft richtig Fahrt aufnahm. Zum ersten Mal auf tauchte Armel Bella-Kotchap auf der Bezirkssportanlage Grimlinghausen im Jahr 2009 mit seinem ebenfalls talentierten Halbbruder Killian, nachdem die Familie von Ahlen nach Neuss gezogen war. Immer dabei bei den sportlichen Aktivitäten der beiden war Vater Cyrille Florent Bella, der als kamerunischer Nationalspieler viele Jahre in Deutschland als Profi unterwegs war.

Was die Personalie Armel Bella-Kotchap im ersten WM-Spiel anbelangt, ist Maurice Wolff allerdings auch nicht ganz unbefangen. Schließlich war er drei Jahre der Mannschaftskamerad des Jung-Nationalspielers. Der Jahrgang 2001 des SC Grimlinghausen lehrte die Konkurrenz im Rhein-Kreis Neuss damals das Fürchten. „Wenn wir irgendwo hingekommen sind, hat man schon gemerkt, dass die Trainer und Spieler Respekt vor uns hatten“, erinnert sich Maurice Wolff, dessen Vater Michael zusammen Detlef Reintges das Team trainierte. Armel Bella-Kotchap spielte damals im Zentrum und war ständig zwischen den beiden Strafräumen unterwegs. „Er hatte von der Athletik her einfach einen riesigen Vorsprung gegenüber den meisten anderen Spielern“, erklärt Maurice Wolff und sein Vater ergänzt: „Koordinativ hatte er in der F-Jugend zwar noch ein paar Defizite, aber bei seinen Fähigkeiten im 1:1 und bei seinem Tempo kam da kaum jemand hinterher.“ Doch dass Grimlinghausens Nachwuchs damals so erfolgreich war, lag daran, dass auch der Rest der Mannschaft aus talentierten Kickern bestand. So wechselten sie nach dem Abschied von Armel Bella-Kotchap zur Borussia geschlossen nach Reuschenberg, um dort in der Leistungsklasse zu spielen.

 Armel Bella-Kotchap feierte im September sein Debüt im Kreise der deutschen Nationalmannschaft.

Armel Bella-Kotchap feierte im September sein Debüt im Kreise der deutschen Nationalmannschaft.

Foto: dpa/Sebastian Gollnow

 „Die Alex-Brüder waren damals mit Armel sogar auf Augenhöhe“, weiß Michael Wolff zu berichten. Sie konnten aber nicht ansatzweise so viel aus ihrem Talent machen. Paul Alex kickt aktuell in der B-Liga-Mannschaft der TuS Reuschenberg, sein Bruder Peter hat die Fußballschuhe ebenso an den Nagel gehängt wie Simon Lovric und Julian Lohmann. Tom Reintges steht momentan als Stammkraft in der Abwehr mit der SVG Weißenberg an der Spitze der Kreisliga A und Sinan Korkmaz ist nach dem Bezirksliga-Abstieg mit dem SV Uedesheim auf die andere Rheinseite gewechselt. Dort geht er in der Kreisliga A für Tusa Düsseldorf auf Torejagd und hat in 13 Spielen immerhin schon zwölfmal getroffen. Maurice Wolff ist nach einigen Jahren in der Jugend beim SC Kapellen zu seinem Heimatverein zurückgekehrt, wo er zwischen den Pfosten mithilft, den SC Grimlinghausen in der oberen Tabellenhälfte zu etablieren. „Man stellt sich natürlich schon manchmal vor, wie es wäre, wenn man es selbst ins Profigeschäft geschafft hätte. Aber selbst, wenn ich das nötige Talent gehabt hätte, muss ich zugeben, dass es mir am Ehrgeiz gefehlt hat. Und Ehrgeiz und Wille waren die absoluten Stärken von Armel. Da hat er sich voll an seinem Vater orientiert“, erklärt Maurice Wolff.

Doch Neid ist ihm fremd, er freut sich, dass es ein ehemaliger Mannschaftskamerad bis in die Nationalmannschaft und dort sogar in den WM-Kader geschafft hat. Wenn Armel Bella-Kotchap mal auf Heimatbesuch in Grimlinghausen ist, zuletzt im Sommer vor seinem Wechsel in die Premier League zum FC Southhampton, und er ihm über den Weg läuft, tauschen sich die beiden aus. Auch die Mobilnummer des Nationalspielers hat Maurice Wolff in seinem Handy gespeichert. Die würde er natürlich am liebsten bald nutzen, um Armel Bella-Kotchap zu seinem ersten WM-Einsatz zu gratulieren. Und sollte es in Katar doch noch nicht klappen, so ist sich Maurice Wolff doch ganz sicher: „Armel wird in Zukunft in der Nationalelf eine wichtige Rolle spielen.“

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