WM-Traum für Arjen Robben und Co. geplatzt: Das Ende der Oranje-Revolution

WM-Traum für Robben und Co. geplatzt : Das Ende der Oranje-Revolution

Robin van Persie und Arjen Robben prägten gemeinsam mit Wesley Sneijder eine Ära im niederländischen Fußball. Doch der Traum vom Weltmeistertitel bleibt für die Ausnahmespieler unerfüllt.

Es hätte ein Offensivfeuerwerk werden können, Niederlande gegen Argentinien. Robben gegen Messi. Doch es wurde mit das langweiligste Spiel der WM. Der Iran und Nigeria lieferten sich in der Gruppenphase einen ähnlich spannenden Kick (0:0). Es schmerzt sportlich gesehen, dass am Ende eines solchen Spiels ein Sieger stehen muss. Und gerade den Niederländern dürfte es besonders wehgetan haben, dass sie es nicht waren.

4:2 siegte Argentinien im Elfmeterschießen und schickte Louis van Gaal und seine Spieler zurück in die Heimat. Die Niederlande verpassten ihr viertes WM-Finale: 1974 (gegen Deutschland), 1978 (gegen Argentinien) und 2010 in Südafrika (gegen Spanien) scheiterte ihr Team. Dieses Mal sorgte Argentinien im Halbfinale für die Niederlage. Doch es ist mehr als eine Niederlage, dieses Mal ist es das Ende einer Ära.

Nach dem Spiel nahm Arjen Robben seinen Sohn in den Arm, um ihn zu trösten. Auch bei dem Bayern-Star rann so manche Träne über die Wangen. Robben weiß, dass es für ihn die letzte WM gewesen sein könnte. In vier Jahren wäre er 34. Kein unmögliches Alter für einen Profifußballer, noch aktiv auf dem Platz zu stehen, aber auch kein sehr wahrscheinliches. Zusammen mit Robben würden weitere Spieler gehen, die die niederländische Offensive in den vergangenen Jahren geprägt haben.

Auch Robin van Persie ist 30. Der Kapitän des Oranje-Teams ist mit einem Marktwert von 45 Millionen Euro sicherlich noch einer der begehrtesten Stürmer - was sein Wechsel vom FC Arsenal London zu Manchester United beweist. Doch ob es in vier Jahren noch als Stammspieler für eine WM reicht? Der "Fliegende Holländer", wie van Persie nach seinem Flugkopfball im Spiel gegen Spanien (5:1) auch scherzhaft genannt wird, würde eine tiefe Lücke in die Offensive reißen. Zumal sein Stürmerkollege Klaas-Jan Huntelaar (ebenfalls 30) bereits jetzt schon nur noch zweite Wahl ist. Die nächste WM in Russland dürfte Huntelaar vor dem Fernseher verbringen.

Wesley Sneijder (30) könnte auf seiner offensiven Mittelfeldposition noch durch seine Passgenauigkeit und Schussstärke im Team bleiben. Diesmal tauchte Sneijder allerdings weitestgehend unter. Nur selten beteiligte er sich an den Vorstößen seiner Teamkollegen. Bei Dirk Kuyt waren wohl etliche Kritiker vor der WM überrascht, dass er noch dabei war. Dabei lieferte der 33-Jährige eine solide Leistung ab. Doch auch er wird wohl in den kommenden Jahren für jüngere Spieler Platz machen müssen.

Die sind allerdings noch in der Wachstumsphase - fertige Tulpen sind sie nicht. Linksverteidiger Bruno Martins Indi (22) hat Potenzial, müsste aber früher oder später zu einem Topklub wechseln, um dazuzulernen (derzeit spielt er bei Feyenoord Rotterdam). Gleiches gilt für Stefan de Vrij (22). Mit dem 20-jährigen Memphis Depay (PSV Eindhoven) wartet auf der linken Flügelseite ein schneller und trickreicher Spieler, der schon in der Gruppenphase mit zwei Toren und einer Vorlage auf sich aufmerksam gemacht hat. An einen van Persie oder Huntelaar reicht der 1,70 Meter große Dribbler derweil nicht heran.

Einer, der den Sprung in die Stammelf eigentlich längst geschafft hat, ist Kevin Strootman. Der 24-jährige Mittelfeldspieler vom AS Rom zog sich allerdings kurz vor der WM einen Kreuzbandriss zu und fiel für das Turnier aus. Strootman hätte Sneijder in so manchem Spiel entlasten können - bei der nächsten WM könnte er ihn längst beerbt haben.

Noch schmerzhafter als das Karriereende vereinzelter Top-Spieler dürfte der Abgang von Louis van Gaal sein - obwohl der schon zu Beginn seiner (zweiten) Amtszeit klar datiert war. Der Ex-Trainer vom FC Bayern hatte in den bisherigen Spielen bei dieser WM oft ein feines taktisches Händchen bewiesen. Hervorzuheben freilich die Einwechslung von Tim Krul für Jasper Cillesen im Elfmeterschießen gegen Costa Rica im Viertelfinale. "Louis van G(eni)aaal)" titelten internationale Medien. Ungeachtet des Sprachlichen ist der Vergleich treffend, denn van Gaal stand mit Beginn seiner Amtszeit für den Erfolg der Niederländer.

Nach der enttäuschenden EM 2012 übernahm van Gaal im August den Posten von Bert van Marwijk. Mit einer der brüchigsten Abwehrketten hatte van Gaal keine leichte Aufgabe. Das 4-2-3-1-System von van Marwijk wandelte das "Feierbiest" zunächst wahlweise in ein offensives oder defensives 4-3-3. Zum Start der WM fand van Gaal dann mit einem 5-3-2 sein bestes System. Lange und präzise Bälle aus der Abwehr in die Spitze auf die laufstarken Robben und van Persie. Beide dankten es ihrem Trainer mit schönen Toren.

Van Gaal geht nun als Trainer zu Manchester United, wo van Persie schon auf ihn wartet. Sneijder ist auch noch im Gespräch. Neuer Bondscoach wird Guus Hiddink. Seine bescheidende Aufgabe: eine neue "Oranje-Revolution".

Hier geht es zur Bilderstrecke: Niederländer trauern nach dem verlorenen Elfmeter-Krimi

(RP)
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