WM-Qualifikation 2022: Bhutan scheidet als erstes der 211 Fifa-Länder aus

Bhutan scheitert als erster in der WM-Quali : Am anderen Ende der Fifa-Nahrungskette

Dreieinhalb Jahre, bevor in Katar das WM-Finale stattfindet, ist die erste Entscheidung mit Blick auf das Turnier gefallen: Bhutan schied als erstes der 211-Fifa-Mitglieder aus der Qualifikation aus. Ein Blick ans andere Ende der Weltrangliste.

Die letzte Entscheidung der kommenden Fußball-Weltmeisterschaft fällt am 18. Dezember 2022. Am 4. Advent findet in Katar das Finale statt, danach weiß die Fußballwelt, mehr ihr neuer Meister ist. Und auch wenn es noch dreieinhalb Jahre bis zum umstrittenen Turnier am Persischen Golf sind, ist die erste Entscheidung dieser WM schon gefallen: Als erstes der 211 Mitglieder im Weltverband Fifa schied in der Vorwoche Bhutan aus der Qualifikation aus. Auf ein 1:0 im Hinspiel gegen Guam folgte im Rückspiel ein 0:5. Das buddhistische Königreich vom Rande des Himalayas ist damit raus, bevor in Europa überhaupt die Qualifikationsspiele begonnen haben.

Nun hatte sich Bhutan wahrscheinlich keine ernsthaften Hoffnungen gemacht, es bis in die Endrunde in Katar zu schaffen. Egal, ob die nun mit 32 oder doch schon mit 48 Teams stattfindet. Die Zielsetzungen am hinteren Ende der Fifa-Nahrungskette sind andere. Und die Voraussetzungen, unter denen hier Fußball gespielt wird ebenso. Bhutan rangiert in der aktuellen Weltrangliste auf Rang 186. Im Juni 2015 war das Land mal die Nummer 159. Höher ging es nie hinaus. Überregionale Bekanntheit erlangte Bhutans Nationalmannschaft einmalig 2002. Während Brasilien die deutsche Elf im WM-Finale 2:0 schlug, trat Bhutan gegen die Karibikinsel Montserrat an. Beide Verbände rangierten damals am Ende der Weltrangliste, und spielten „The other final“ (das andere Finale) aus. Der niederländische Regisseur Johan Kramer hatte unter dem Eindruck des Ausscheidens von „Oranje“ in der Qualifikation die Idee zu diesem Spiel und hielt die Partie, die Bhutan 4:0 gewann, sowie die Vorbereitungen in einem preisgekrönten Dokumentarfilm fest.

Erst zwei Jahre vor dem Spiel gegen Montserrat war der 730.000-Einwohner-Staat Bhutan überhaupt der Fifa beigetreten. Eine Nationalmannschaft gibt es erst seit 1982. In 85 Spielen gab es seitdem nur sechs Siege, der höchste war ein 6:0 gegen Guam 2003. Aber es gab eben auch ein 0:20 gegen Kuwait im Jahr 2000. Fußball ist in Bhutan nicht der Nationalsport, das ist Bogenschießen. Heimspiele finden im 15.000 Zuschauer fassenden Changlimithang National Stadium statt, das sich die Fußballer mit den Bogenschützen und der Cricket-Auswahl teilen. Die Qualifikation zur WM 2018 war die erste, an der Bhutan teilnahm. Damals setzte sich die Nationalmannschaft in der 1. Runde in zwei Spielen gegen Sri Lanka durch – der bis heute größte Erfolg.

In der heimischen Premier League spielen zehn Mannschaften, zwei können absteigen. Beim 2018er Meister Transport United spielten zwei Inder, beim Zweiten Thimphu City ein Brasilianer und ein Australier. Die aktuelle Saison läuft von Juni bis November. In Europa würde man wahrscheinlich sagen „zumindest ohne Doppelbelastung für die Nationalspieler“.

(klü )
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