WM 2018: Warum sich die Fans auch auf das Spiel um Platz drei freuen sollten

Kleines Finale am Samstag: Warum sich die Fans auch auf das Spiel um Platz drei freuen sollten

Wissen Sie noch, wer 2014 Dritter wurde? Oder wer 2002 das kleine Finale gewann? Keine Frage, der sportliche Wert des Spiels um Platz drei bei einer WM ist überschaubar. Doch damit muss es nicht zugleich ein schlechteres Fußballspiel sein.

Arjen Robben fand klare Worte. “Der dritte Platz kann mir gestohlen bleiben. Allein der Titel zählt, das Spiel dürfen sie von mir aus echt abschaffen”, sagte der Niederländer vor dem kleinen Finale der WM 2014, in dem sein Team auf Brasilien traf. Vielleicht machte Robben noch seinen Frieden mit dem Spiel um Platz drei, gewann die Niederlande doch 3:0. Aber mit der Forderung, es abzuschaffen, steht Robben nicht alleine da.

Im Halbfinale ausscheiden, aber doch noch irgendwie dabei sein: Nur den wenigsten Fußballern ist das Spiel der Enttäuschten schmackhaft zu machen. Deswegen verzichtet die Uefa bei den Europameisterschaften bereits seit 1980 auf diese Partie. Immerhin: Den Deutschen gelang es in der WM-Historie noch am Besten, sich nochmals richtig zu motivieren. Bei fünf Teilnahmen am Spiel um Bronze gab es vier Siege.

Die Bedeutung des Spiels ist überschaubar. Das muss aber nichts über die Attraktivität der Partie aussagen. Im Gegenteil: Gerade bei den vergangenen Weltmeisterschaften war das Spiel um Platz drei dem großen Finale zwar in Sachen Spannung unterlegen, dafür war es meistens kurzweilig - und vor allem wesentlich torreicher. Zum Vergleich: Bei der WM 1986 in Mexiko fielen zuletzt mehr als drei Tore im Finale - Argentinien schlug Deutschland 3:2. Seitdem gab es in sieben WM-Endspielen nur noch zehn Tore. Im gleichen Zeitraum fielen im kleinen Finale 27 Tore.

Wer in der vorletzten Partie einer Weltmeisterschaft keine große sportliche Herausforderung mehr sieht, der hat auch wenig zu verlieren. Entsprechend sind die taktischen Fesseln deutlich gelockert im Vergleich zu den übrigen K.o.-Runden, in denen nur das Ergebnis zählt und oftmals jegliches Risiko gemieden wird.

Zudem verspricht die Besetzung der aktuellen Auflage eine offensiv geführte Partie. Belgien (14 Treffer) und England (zwölf) sind die bislang torgefährlichsten Mannschaften der WM 2018. Außerdem wird am Samstag wohl der Kampf um den Goldenen Schuh zwischen Harry Kane (sechs Tore) und Romelu Lukaku (vier) entschieden.

Somit gibt es gute Gründe, auf ein unterhaltsames Spiel um Platz drei (Samstag, 16 Uhr MESZ/ARD und Sky) zu hoffen. Und im Unterschied zu den Profis können die Fans durchaus auch etwas mit dem kleinen Finale anfangen. Das zumindest legen die Einschaltquoten in Deutschland nahe: 2014 sahen 17,51 Millionen Fußball-Fans den Sieg der Niederlande gegen Brasilien.

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