WM 2018: "Spion" Emil Forsberg ist Schwedens Hoffnungsträger

Anti-Zlatan und Doppelagent : "Spion" Forsberg ist Schwedens Hoffnungsträger

Emil Forsberg ist Schwedens Hoffnungsträger in der Offensive. Der Bundesliga-Profi von RB Leipzig ist der komplette Gegenentwurf zu seinem Vorgänger Zlatan Ibrahimovic.

Emil Forsberg ist zurzeit in doppelter Mission gefordert. Hochoffiziell lautet sein Auftrag, die deutsche Defensive am Wochenende gehörig durcheinander zu wirbeln. Doch hinter verschlossenen Türen gilt der Bundesliga-Star von RB Leipzig im schwedischen Lager als Geheimagent, der die deutsche Mannschaft auskundschaften soll.

"Emil liest viel über Fußball im Netz und kann gut Deutsch. Deshalb wende ich mich in der Spielvorbereitung an ihn", verriet Roger Sandberg vor der so wichtigen Partie gegen die DFB-Auswahl am Samstag (20.00 Uhr/ARD und Sky und im Live-Ticker) dem schwedischen Aftonbladet. Den gesamten Frühling sammelte Schwedens Chefscout Informationen über das deutsche Team, Forsberg soll diese nun veredeln. Sandberg nennt ihn deshalb seinen "heimlichen Spion".

Forsbergs ohnehin schon schwerer Rucksack wird dadurch nicht leichter. Denn nach dem Rücktritt von Zlatan Ibrahimovic schultert der schmächtige Offensivmann einen Großteil der schwedischen WM-Hoffnungen. Und die sind nach dem erfolgreichen Auftaktspiel gegen Südkorea (1:0), in dem Forsberg nur eine Nebenrolle spielte, noch einmal gestiegen.

"Ich habe schon das Gefühl, dass nach Zlatans Rücktritt der Druck oder die Erwartung an meine Person zugenommen hat", sagte Forsberg in einem Interview der Funke-Mediengruppe am Mittwoch: "Ich empfinde das aber als positiven Druck." Er übernehme gerne mehr Verantwortung, "und ich denke schon, dass auch ich Spiele alleine entscheiden kann".

Forsberg hat keine Lust auf Glamour

Klar ist aber auch: Forsberg ist kein Ibrahimovic. Auf dem Platz (noch) nicht, und vor allem nicht daneben. Der Glamour, die Show, das Rampenlicht - solche Sachen gehen ihm ab. "Er ist schüchtern und bescheiden und deswegen gibt es auch keine großen Interviews mit ihm", sagte Vater Leif Forsberg, der auch Fußball spielte, dem britischen Independent: "Er ist ohne jeden Zweifel der langweiligste Interviewpartner."

Auch in den sozialen Medien findet Forsberg kaum statt. Seit fast sieben Jahren besitzt er inzwischen einen Twitter-Account, doch 14.000 Follower sind im Gegensatz zu Ibrahimovics Zahlen ein Witz: Dem Enfant terrible des Weltfußballs folgen über fünf Millionen Menschen.

Wahrscheinlich schätzen die Schweden Emil Forsberg aber gerade deshalb. Als Anti-Zlatan überzeugt der Familienmensch lieber mit Leistung auf dem Platz, als mit Worten daneben. "Er ist ein wichtiger Spieler für uns, der den Takt vorgibt", sagte Nationaltrainer Janne Andersson über seine Nummer 10 in Russland.

Im Team ist der 26-Jährige inzwischen neben Kapitän Andreas Granqvist einer der Anführer. Sein Wort hat Gewicht. Vor allem in der Ansprache an die jungen Spieler. "Gerade im Erfolgsfall muss man den einen oder anderen daran erinnern, bloß nicht zufrieden zu sein und nicht nachzulassen", sagt Forsberg: "Manchmal muss man den Jungs ja auch ein wenig Feuer unter dem Arsch machen."

Dieses Feuer will Forsberg auch am Samstag versprühen. "Es wird ein geiles Spiel. Deutschland hat den ganzen Druck", sagte der pfeilschnelle Mittelfeldspieler, der angeblich vom FC Liverpool und dem FC Arsenal umworben wird.

Bevor er auf dem Platz Gas geben darf, muss Forsberg aber seinen Pflichten als Spion nachkommen.

(areh/SID)
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