WM 2018: Spanien trennt sich von Trainer Julen Lopetegui

Zwei Tage vor WM-Spiel : Spanien trennt sich von Trainer Lopetegui

Nachdem bekannt geworden war, dass der spanische Nationaltrainer nach der WM bei Real Madrid anfängt, hat der Verband Konsequenzen gezogen.

Der spanische Fußballverband hat sich zwei Tage vor dem ersten WM-Spiel gegen Portugal von seinem Nationaltrainer Julen Lopetegui getrennt. Das teilte Verbandschef Luis Rubiales am Mittwoch mit, nachdem tags zuvor der Wechsel Lopeteguis zu Real Madrid nach der Weltmeisterschaft in Russland bekanntgegeben worden war. „Wir stecken in einer komplizierten Situation, die komplizierteste, die man sich vorstellen kann“, sagte Rubiales im WM-Quartier des früheren Welt- und Europameisters in Krasnodar.

Wer die Mannschaft jetzt beim Turnier betreut, war zunächst offen. Auf die Frage, wer das Training am Nachmittag leiten sollte, gab Rubiales auf einer um anderthalb Stunden verschobenen Pressekonferenz keine Antwort. „Wir suchen einen Trainer - von jetzt an“, sagte der Verbandschef. Als Kandidat für das Amt gilt U21-Trainer Albert Celades.

Der Verbandschef erhob schwere Vorwürfe gegen Real. „Wir hatten überhaupt keine Information über das“, sagte Rubiales. „Julen hätte es lieber gehabt, wenn die Dinge anders gehandhabt worden wären.“

Der Verband RFEF war am Dienstag von der Ankündigung des spanischen Rekordmeisters und Champions-League-Siegers offenbar überrumpelt worden. Erst 50 Minuten nach der Real-Mitteilung hatte der RFEF mit einer dürren Presseerklärung reagiert, in der er die Ausstiegsklausel in Lopeteguis Vertrag bestätigte. Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung „akzeptiert“, sagte Rubiales. „Es ist ein harter Schlag, aber wir stehen zusammen, um nach vorne zu schauen.“

Offenbar hatten Lopetegui und Real die Verhandlungen völlig an den RFEF-Funktionären vorbei geführt und Rubiales überrumpelt. „Ich kann mich nicht auf einen Anruf fünf Minuten vorher einlassen“, sagte Rubiales und meinte damit den Zeitpunkt, als die Königlichen ihre völlig überraschende Pressemitteilung veröffentlichten.

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Spieler sollen sich für Verbleib eingesetzt haben

Nach Informationen von „Marca“ hätten sich die Spieler mit Kapitän Sergio Ramos von Real Madrid an der Spitze für den Verbleib Lopeteguis ausgesprochen. Die Spieler hätten die Entscheidung der sofortigen Trennung „akzeptiert“, sagte Rubiales.

Der 40 Jahre alte Ex-Profi war erst Mitte Mai zum neuen Verbandschef gewählt worden und wirkte in seiner ersten Bewährungsprobe gleich auf der Weltbühne des Fußballs von den Ereignissen überrollt. Er sprach von Werten, die man nicht brechen dürfe („Die Umgangsformen sind wichtig“), von „mangelndem Respekt“ und erklärte: „Wir müssen an einer Reihe von Entscheidungen arbeiten, die zwei Tage vor Beginn der WM kommen. Es gibt viel zu tun.“

„Kanonenschuss gegen die Selección“ titelte sogar die Real nahestehende Madrider Sportzeitung „AS“, nachdem Reals Coup bekannt geworden war. Rubiales koche vor Wut, hieß es in Medienberichten weiter. Auch und vor allem der Zeitpunkt der Bekanntgabe sei „schrecklich“ gewesen, schreibt zum Beispiel „AS“. Lopetegui war für die Pressekonferenz am Mittwoch angekündigt worden, erschien aber nicht. Der frühere Torhüter hatte seit seinem Amtsantritt 2016 als Nachfolger von Vicente del Bosque keines seiner 20 Spiele verloren.

Rubiales habe nach Medienberichten Lopetegui und Real-Boss Florentino Pérez am Dienstag darum gebeten, dass die Verpflichtung erst nach der WM bekanntgegeben wird. Die Fachzeitung „Mundo Deportivo“ sprach von einer „Bombe“, das Konkurrenzblatt „Sport“ von einer „Madrider Rakete gegen La Roja“ und auch davon, dass Pérez „die Nationalmannschaft in die Luft gejagt“ habe. Kommentar von Radio Marca aus Krasnodar: „Das ist mehr ein Meteorit als eine Bombe, die hier eingeschlagen hat.“

(dpa)