WM 2018: Mohamed Salah posiert mit Tschetschenien-Machthaber Ramsan Kadyrow

Umstrittenes WM-Quartier: Salah posiert mit Tschetschenien-Machthaber Kadyrow

Die ägyptische Nationalmannschaft hat ihr umstrittenes WM-Quartier in Grosny bezogen. Machthaber Ramsan Kadyrow, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, nutzt die Gunst der Stunde für einen PR-Termin.

Kadyrow erschien zum ersten Training der ägyptischen Nationalmannschaft und schnappte sich Stürmerstar Mohamed Salah, der wegen seiner Schulterverletzung den Teamollegen nur zusah, um für Fotos zu posieren. Damit dürften sich die Befürchtungen derjenigen bestätigen, die die Quartier-Wahl der Ägypter höchst kritisch sehen.

Dass die Hauptstadt der muslimisch geprägten russischen Teilrepublik Tschetschenien, die mit harter Hand vom Moskau-treuen Kadyrow regiert wird, zumindest eine WM-Mannschaft beherbergen darf, hat für heftige Empörung gesorgt.

Die Entscheidung der Fifa, Grosny als Quartier für ein WM-Team zuzulassen, sei "schockierend und ungeheuerlich", sagte Jane Buchanan von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch bei der Bekanntgabe des ägyptischen Quartiers. Insgesamt hatten 67 Standorte für die Mannschaften zur Auswahl gestanden, warum sich die Ägypter für das nach zwei Sezessionskriegen von Moskau aufgepäppelte und mittlerweile aufstrebende Grosny entschieden, taten sie öffentlich bislang nicht kund.

Die Zulassung von Grosny sei eine "Schande", sagte Buchanan, die Fifa legitimiere durch ihre Entscheidung das Regime von Kadyrow. Diesem werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen, unter anderem die Verfolgung Homosexueller. Von der Fifa gab es darauf die erwartbare Antwort: Es bestünde "kein Zweifel", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme, dass "jegliche Art der Diskriminierung", also "auch Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung", verurteilt werde.

Strategisch ergibt die Wahl von Grosny jedenfalls wenig Sinn. Ägypten muss für seine Vorrundenspiele gegen Uruguay, Russland sowie Saudi-Arabien beinahe 12.000 Kilometer reisen. Und damit weiter als jede andere Mannschaft.

(areh/SID)
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