WM 2018: Italien und Niederlande kämpfen gegen den WM-Schmerz

Nicht qualifizierte Fußball-Großmächte: Italien und Niederlande kämpfen gegen den WM-Schmerz

Der WM-Start riss die Wunden in Italien und den Niederlanden noch einmal auf. Wehmütig schauten die Fußball-Großmächte, die sich nicht qualifizieren konnten, nach Moskau.

Ein klein wenig WM-Flair konnte der KNVB am Donnerstag dann doch verbreiten. Dass Schiedsrichter Björn Kuipers schon am Freitag zum Einsatz kommt und Oranje somit bei der Endrunde vertreten sein wird, war die Top-News auf der Homepage des niederländischen Fußballverbandes. Die Kollegen vom italienischen FIGC setzten dagegen auf Ignoranz als Mittel gegen den Schmerz. Sie ließen den WM-Start komplett links liegen und beschäftigten sich stattdessen mit Frauenfußball sowie ihrer U19.

All das änderte allerdings nichts daran, dass die Wunden beim viermaligen Titelträger aus Italien und rund um den dreimaligen Vize-Weltmeister aus den Niederlanden am Donnerstag neu aufgerissen wurden. Die verpasste Qualifikation tat noch einmal besonders weh. Mit großer Wehmut schauten die Tifosi und die Anhänger der Elftal deshalb nach Moskau - wenn sie überhaupt den Fernseher für das Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Russland und Saudi-Arabien einschalteten.

Gianluigi Buffon tat es jedenfalls - zumindest erweckte er den Anschein. Wenige Stunden vor der Partie twitterte die italienische Torwart-Ikone seinen neuen Werbespot, der ihn zunächst traurig mit Fußball-Pantoffeln an den Füßen auf dem Sofa vor der Glotze zeigt. Dann entscheidet sich Buffon aber doch dafür, vergnügt mit seinen neuen Küchengeräten zu backen. "Ich habe in diesem Sommer ein bisschen Zeit. Also verbringe ich sie in der Küche", schrieb der Ex-Nationaltorhüter dazu.

Einfallsreich zeigte sich auch die niederländische Zeitung Telegraaf. Als Ersatz für die Elftal stellte das Blatt eine Mannschaft aus WM-Teilnehmern der heimischen Ehrendivision auf. Auf diese Weise warb die Zeitung dafür, die Partien aus Russland trotz der Abwesenheit von Oranje anzuschauen.

Schon in den Wochen vor der WM haben die Verantwortlichen der WM-Abstinenzler, die sich am 4. Juni im "Trauerspiel von Turin" 1:1 trennten, mit dem Neuaufbau begonnen. Mit neuen Trainern und frischem Blut im Kader soll der Anschluss an die Weltspitze zügig wiederhergestellt werden.

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Die Vorbereitung auf die Qualifikation für die EM-Endrunde 2020 läuft bereits. Bei den Italienern, die in den Play-offs an Schweden gescheitert waren, hat Roberto Mancini den Trainerjob übernommen. Die Niederländer, die schon in der Gruppenphase versagten, bauen auf Ronald Koeman als neuen Coach.

"Ich möchte derjenige sein, der die Nationalmannschaft wieder auf das höchste Niveau bringt", sagte Mancini bei seiner Vorstellung Mitte Mai: "Das wird nicht einfach - doch wir werden es schaffen." Dabei scheut sich der ehemalige Trainer von Manchester City und Inter Mailand nicht vor schwierigen Stars. Als eine seiner ersten Amtshandlungen holte der 53-Jährige das Enfant Terrible Mario Balotelli zurück in den Kader.

Bei den Niederlanden möchte Bondscoach Ronald Koeman, als schussgewaltiger Libero beim EM-Triumph 1988 in Deutschland dabei, zukünftig eher auf Teamgeist statt auf individuelle Klasse setzen: "Die Mannschaft soll im Vordergrund stehen - sie muss es machen. Es soll eindeutige Absprachen und ein klares System geben - das müssen wir installieren."

Sollte Koeman das gelingen, dürfte auch der WM-Traum von adidas-Chef Kasper Rorsted wahr werden: "Mir ist Holland gegen England viel lieber als Dänemark gegen Finnland."

(SID)
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