WM 2018: Fotograf wird Teil der kroatischen Jubeltraube

Nach dem 2:1 durch Mandzukic: Fotograf wird Teil der kroatischen Jubeltraube

Yuri Cortez hatte keine Chance zu entkommen. Kroatiens Spieler begruben den Fotografen bei ihrem Jubel nach dem 2:1 im WM-Halbfinale gegen England versehentlich unter sich. Cortez machte das Beste daraus - die Fotos seines Lebens.

Der Torjubel kann eine gefährliche Angelegenheit sein. Vor einem Jahr riss sich beispielsweise Nicolai Müller, damals noch in Diensten des Hamburger SV, bei einem “Propeller”-Jubel das Kreuzband und fiel danach fast die komplette Saison aus. Doch auch für Unbeteiligte kann ein Torjubel schmerzhaft enden. So wie es Yuri Cortez am Mittwochabend im WM-Halbfinale zwischen England und Kroatien passiert ist.

Der AFP-Fotograf saß mit seiner Kamera an der linken Eckfahne vor der kroatischen Kurve im Moskauer Luschniki-Stadion. Wie sich in der 109. Spielminute herausstellen sollte, war es die ideale Position, um Kroatiens Jubel über das 2:1-Siegtor durch Mario Mandzukic einzufangen. Doch Cortez war alsbald nicht mehr Beobachter, sondern Teil des Geschehens.

Zunächst rannte Mandzukic zum Jubeln nur in seine Ecke und posierte vor den kroatischen Fans - und damit auch direkt vor Cortez. Doch da immer mehr Kroaten Mandzukic von hinten ansprangen, fiel das Jubelknäuel irgendwann zu Boden und begrub dabei Cortez halb unter sich. “Ich habe gerade die Linse an meiner Kamera gewechselt, als sie auf mich zugelaufen kamen. Sie sind über mich gefallen. Es war ein verrückter Moment, sie waren außer sich vor Freude”, beschrieb Cortez selbst später die Szene.

Der Fotograf machte das Beste aus der Situation, hielt seine Kamera nach oben und drückte ab. Entstanden sind dabei intensive Aufnahmen, die den kroatischen Jubel unverfälscht festhalten. Näher kann man nicht dran sein an den Emotionen der Fußball-Profis.

Und irgendwann wurde auch Cortez von der Last der kroatischen Ausgelassenheit befreit. Denn die Spieler merkten bei aller Ekstase schon, dass da jemand Teil der Jubeltraube war, der eigentlich nicht dazugehörte. Die Kroaten halfen dem Fotografen hoch, Domagoj Vida gab ihm ein Küsschen und Torschütze Mandzukic entschuldigte sich und drückte ihn. Damit wurde Cortez selbst zu einer Berühmtheit und ein gefragter Interview-Partner.

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Am frühen Donnerstagmorgen war der Rückflug für den in Mexiko-Stadt lebenden Journalisten gebucht. "Ich habe ihm gesagt, er solle später fliegen, weil die Resonanz unglaublich war und das Telefon nicht mehr still stand. Aber er war bereits beim Boarding", sagte der Chefkoordinator bei AFP für die WM, Vincent Amalvy, dem Sport-Informationsdienst (SID).

Sein Wunsch war es, den Fotografen noch zum nächsten Training der Kroaten vor dem WM-Finale gegen Frankreich am Sonntag zu schicken. Durch den Abflug nach Mexiko konnte dies aber nicht in die Tat umgesetzt werden. Amalvy: "Ich gehe davon aus, dass er in Mexiko nach der Ankunft von Fernsehteams und weiteren Journalisten empfangen wird."

Cortez wurde durch den kroatischen Torjubel selbst berühmt. Das Wichtigste aber war: Er blieb unverletzt.

„Mit Material des SID“