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WM 2018: Fans aus Peru, Argentinien und Mexiko verbreiten beste Stimmung in Russland

Flut der „Hinchas“ : Südamerikaner verbreiten beste Stimmung in Russland

In Russland herrscht am ersten Wochenende beste WM-Stimmung. Das ist nicht zuletzt ein Verdienst der weitgereisten Anhänger aus Mittel- und Südamerika.

Sie sind überall. Seit Tagen. Auf der Durchreise, oder weil ihre Mannschaft in Moskau ihr WM-Quartier bezogen hat. Zahllose Menschen in grünen oder weißen mexikanischen Trikots, in den blau-weiß gestreiften der Argentinier. Dazwischen immer wieder, schier allgegenwärtig, die Anhänger der Peruaner. Das halbe Land scheint in Russland zu sein, beim ersten WM-Spiel seit 36 Jahren im Außenposten Saransk hatten die "Inkas" ein Heimspiel. Gut 11.000 Kilometer von daheim entfernt.

Russland, und vor allem die Hauptstadt Moskau als Basis zahlreicher Mannschaften, erlebt die Flut der "Hinchas", der iberoamerikanischen Schlachtenbummler. Vier Jahre nach der WM im "Nachbarland" Brasilien scheuen sie offensichtlich auch nicht vor Verrücktheiten zurück, damit sie sich die Reise um die halbe Welt leisten können. Der Andrang von etwa 25.000 Peruanern am Samstag in Saransk, mit knapp 300.000 Einwohnern kleinster Spielort der WM, war verblüffend.

Nach Angaben der FIFA sind 43.583 Karten an die Anhänger der Peruaner gegangen. Und irgendwie haben sie es alle nach Moskau geschafft. "Me voy a Russia" - ab nach Russland, nennt Perus Sportzeitung Libero eine Serie, in der Fans von ihren "Opfern" erzählen, um die Blanquirroja bei ihrer Rückkehr auf die größte Bühne des Fußball zu unterstützen. Da verkauft einer schon mal sein Apartment für 170.000 US-Dollar bar auf die Hand an den erstbesten Interessenten.

Da sind auch Astrid, Lita und Karen. "Hinchapelotas" nennen sie sich, die Ballfans. "Als Peru sich qualifiziert hat, habe ich nicht zweimal nachgedacht und meinen Job in der Bank gekündigt", berichtet Astrid. Sie und ihre Freundinnen wollen in Zügen und auf Bahnhöfen schlafen. Bei einer Live-Schalte im Fernsehen sprang ein Fan ins Bild und verkündete seiner Liebsten: "Für alles, was du mit mir durchgemacht hast: Verzeih mir, Carla! Es tut mir aufrichtig leid, aber es spielt Peru." Weg war er.

Viele der peruanischen Anhänger wohnen aber gar nicht mehr im Inka-Land. Sie kommen unter anderem aus den USA, die mit 88.825 der verkauften WM-Eintrittskarten auf Rang zwei hinter dem Gastgeber Russland liegen. Bis eine Woche vor dem WM-Start hatte die FIFA 2,4 Millionen Tickets im freien Verkauf abgesetzt, 54 Prozent davon ins Ausland. In den Top Ten sind Brasilien, Kolumbien, Argentinien und Peru, vier Länder, deren Nationalteams in Russland dabei sind.

Für das Spiel der deutschen Mannschaft gegen Mexiko am Sonntag wurden mindestens 20.000 Anhänger von El Tri erwartet - seit Tagen schon streifen sie durch Moskau. Beim ersten Spiel von Argentinien am Samstag gegen Island waren etwa zwei Drittel der knapp 45.000 Plätze im Stadion von Spartak Moskau mit Fans der Gauchos belegt. Als letzte Südamerikaner steigen am Dienstag die Kolumbianer gegen Japan in die WM ein. Mit dabei: Der schon legendäre "Vogelmann" Gustavo Llanos.

Auffällig an den ersten Tagen auch: Nicht alle Plätze waren belegt, beim Spiel zwischen Marokko und Iran in St. Petersburg am Freitag blieben gut 4000 Plätze leer. Noch etwa 7000 Besucher hätten am gleichen Tag noch ins zweitkleinste Stadion der WM im abgelegenen Jekaterinburg (35.700) gepasst: Die Stimmung war in beiden Arenen trotzdem prächtig, vor allem bei den Anhängern der beiden nordafrikanischen Mannschaften - zumindest so lange, bis jeweils in der Schlussphase die Gegentore fielen.

Beim Spiel von Brasilien gegen die Schweiz am Sonntagabend in Rostow am Don fehlte übrigens der Edelfan "Gaucho da Copa", der stets den WM-Pokal im Arm wiegte. Clovis Acosta Fernandes starb vor drei Jahren an Krebs. Aber: Seine Söhne Frank und Gustavo sind in Russland dabei.

SID xhg th cp nt

(SID)