WM 2018: England und Belgien kämpfen um die Trostpreise

Dritter Platz und Goldener Schuh: England und Belgien kämpfen um die Trostpreise

Das große Ziel ist verpasst: Nun spielen England und Belgien um den dritten Platz. Für die Stürmer Harry Kane und Romelu Lukaku geht es aber noch um eine weitere Auszeichnung.

Es ist das ungeliebte Duell der Verlierer, doch das Spiel um Platz drei zwischen England und Belgien ist auch ein "Finale der Herzen". Nach dem abrupten Ende ihrer mitreißenden WM-Abenteuer wäre die Bronzemedaille für beide Teams immerhin ein Trostpflaster. Genau wie der Goldene Schuh, um den die Stürmer-Stars Harry Kane und Romelu Lukaku kämpfen.

"Um ehrlich zu sein, es ist nicht das Spiel, das irgendeine Mannschaft spielen möchte", gab Englands Teammanager Gareth Southgate vor dem Duell am Samstag (16.00 Uhr MESZ/ARD und Sky Deutschland) in St. Petersburg zu. Er betonte nach dem Halbfinal-K.o. gegen Kroatien (1:2 n.V.) aber auch: "Wir schulden uns selbst und den Fans einen gelungenen Abschluss. Es geht um eine Medaille, diese Gelegenheit bekommt nicht jeder."

Die ungekrönte "brillante Generation" der Belgier (Jean-Marie Pfaff) hat nach der Niederlage gegen Frankreich (0:1) noch Historisches im Blick. "Wir werden alles geben, um Dritter zu werden. Das ist Belgien noch nie gelungen", sagte Mittelfeld-Star Kevin De Bruyne. Thomas Meunier versicherte: "Wir wollen aufs Podium und unsere Geschichte schreiben." Platz vier 1986 in Mexiko ist das bislang beste belgische WM-Ergebnis.

Englands "Captain Kane" hat derweil schon eine Hand an der Trophäe für den WM-Torschützenkönig. Mit sechs Treffern führt der Angreifer von Tottenham Hotspur die Liste an, ausgerechnet gefolgt von Belgiens Torjäger Lukaku (Manchester United), der bislang bei vier Toren steht.

Beide hatten pausiert, als England und Belgien zum Abschluss der Vorrundengruppe H vor rund zwei Wochen bereits aufeinandertrafen. In Kaliningrad schickten Southgate und Belgien-Coach Roberto Martinez mit dem Achtelfinal-Ticket in der Tasche ihre B-Teams auf den Platz. Am Ende setzten sich die Roten Teufel mit 1:0 durch.

Traditionell kommt ja auch im kleinen Finale der zweite Anzug zum Einsatz. Gerade beim Weltmeister von 1966, der einen Tag weniger Zeit zur Regeneration hatte, werden einige Stammkräfte wie Kieran Trippier oder Ashley Young gar nicht zur Verfügung stehen.

"Einige sind angeschlagen. Aber wir haben die Chance, auf das zweitbeste Ergebnis unserer Historie", sagte der im Mutterland des Fußballs bereits zum "Messias" (The Sun) erhobene Southgate: "Wir werden eine Mannschaft aufstellen, die am besten für den Job geeignet ist."

Klar ist aber nun einmal auch: Der Verlierer erhält wenige Tage nach dem tränenreichen Halbfinal-Aus den nächsten Nackenschlag. Bei der Europameisterschaft wurde das spöttisch als "Spiel um die goldene Ananas" bezeichnete Duell nach 1980 abgeschafft.

Ein Grund, warum Louis van Gaal vor vier Jahren eine legendäre Schimpftirade abließ. "Das Schlimmste ist, dass man eventuell zweimal in Folge verliert. Und dass man ein Turnier, das so toll war, vielleicht als Loser beendet. Das hat mit Sport nichts mehr zu tun", motzte der damalige Oranje-Bondscoach.

Die Niederländer schlossen die WM trotzdem mit einem 3:0 gegen Gastgeber Brasilien ab. Verlieren will das ungeliebte Spiel dann doch niemand.

(old/sid)
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