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WM 2018: Belgien und England gelten mal wieder als Geheimfavorit

Belgien und England vor WM-Auftakt : Mal wieder Geheimfavorit

Belgien und England starten am Montag ins Turnier – mit Vorschusslorbeeren, aber auch skeptisch beäugt. Für beide beginnt die WM jeweils mit einem vermeintlich leichten Aufgalopp.

Es ist das Prädikat, das keiner haben will: Geheimfavorit. Zwar drückt es Respekt seitens der Konkurrenz aus – aber doch nicht genug, als dass sie einen wirklich fürchtete. Vor allem aber brandmarkt dieses Prädikat einen als erfolglos, denn sonst wäre der Favoritenstatus ja nicht geheim.

Belgien und England kennen sich mit diesem Prädikat bestens aus, schleppen sie es doch ebenso wie Kroatien und vielleicht noch Kolumbien schon seit einiger Zeit mit sich herum. Die Engländer, seit sie den Umbruch in ihrem Nationalteam wagten und einige vielversprechende Talente ins Rennen schickten. Die Belgier schon ein wenig länger, seit die Generation um die Mittelfeldstars Eden Hazard und Kevin De Bruyne nicht mehr ganz so feucht hinter den Ohren war.

Am Montag beginnt für beide das Turnier, jeweils mit einem vermeintlich leichten Aufgalopp. Belgien trifft um 17 Uhr auf Fußballzwerg Panama, England drei Stunden später auf Tunesien, das bislang ebenfalls noch nicht durch Großtaten von sich reden machte. Alles scheint angerichtet für einen späteren Gruppen-Showdown zwischen den beiden Favoriten, die dann in den K.o.-Runden endlich mal zeigen können, was in ihnen steckt.

„Belgien gehört zum absoluten Favoritenkreis“, hat Bundestrainer Joachim Löw unlängst gesagt. Aber sind die „Roten Teufel“ und auch England wirklich schon bereit für den Rollenwechsel? Beide tauchen auf vielen Tippzetteln weit vorn auf, doch es gibt mindestens ebenso viele Skeptiker. Das hat in erster Linie mit dem mäßigen Abschneiden bei den jüngsten internationalen Turnieren zu tun. 2014 war das für die angeblich doch goldene Generation der Belgier ja noch okay, aber 2016? Und jetzt wird es nun wirklich Zeit, sind die zentralen Säulen Hazard und De Bruyne mit 27 und 26 doch im besten Alter, ihre Vorreiter Vincent Kompany (32) und Marouane Fellaini (30) sogar schon leicht über ihren Zenit hinaus.

Die Parallelen zum Geheim-Leidensgenossen von der Insel sind frappierend. Zum einen verdienen viele Belgier in der englischen Premier League ihre Brötchen: Torjäger Romelu Lukaku und Fellaini bei Manchester United, Eden Hazard und Torhüter Thibaut Courtois beim FC Chelsea, De Bruyne bei Manchester City, Toby Alderweireld, Jan Vertonghen und Moussa Dembele bei Tottenham. Alle sind dort feste Größen, ihr Talent unbestritten – aber liefern sie endlich auch im Nationaltrikot ab?

Zum anderen steht England in etwa dort, wo Belgien vor vier Jahren war. Viel Talent, wenig internationale Erfahrung, große Hoffnungen. Viele davon fußen auf Jordan Pickford, dem Torhütertalent, für das der FC Everton mehr als 30 Millionen Euro an den AFC Sunderland überwies. Der 24-Jährige überragte bei der U21-EM, gilt nach zahlreichen unsäglichen Pannen seiner Vorgänger als erster starker britischer Keeper seit Jahrzehnten. „Wie weit wir bei der WM kommen? So weit, wie wir wollen“, gibt Pickford zu Protokoll. „Wir haben ein wirklich starkes Team.“

Tottenhams Stürmer Harry Kane, mit 24 einer der jüngsten Kapitäne der Three-Lions-Geschichte, ergänzt: „Ich möchte, dass die Menschen wieder stolz auf England sind.“ Geheim war gestern.

(jol)