WM 2014: So abhängig ist Argentinien von Lionel Messi

Achtelfinale gegen die Schweiz : So abhängig ist Argentinien von Messi

Am Dienstag trifft der zweimalige Weltmeister Argentinien auf die Schweiz – und verlässt sich ganz auf seinen Superstar Lionel Messi. Das könnte ein Problem werden.

Am Dienstag trifft der zweimalige Weltmeister Argentinien auf die Schweiz — und verlässt sich ganz auf seinen Superstar Lionel Messi. Das könnte ein Problem werden.

Auf den Tippzetteln waren die Argentinier ganz weit vorn. Nicht ganz so oft als Titelkandidat genannt wie Brasilien oder die längst heimgereisten Spanier, zugegeben, aber auf einem Level mit den hoch gewetteten Deutschen. Doch obwohl der zweimalige Weltmeister dieser Mitfavoritenrolle rein zahlenmäßig gerecht geworden ist und die Gruppenphase mit drei Siegen hinter sich gebracht hat, ist die Begeisterung ausgeblieben. Mehr noch: Was die Truppe von Trainer Alejandro Sabella bislang in Brasilien geboten hat, ist vor dem Achtelfinalspiel gegen die Schweiz (18 Uhr, Live-Ticker) nicht geeignet, einen ernsthaften Anspruch auf den Titel zu erheben.

In erster Linie liegt das an der allzu großen Fokussierung auf nur einen Spieler. Ein wenig neigen die Südamerikaner ja immer dazu, das Wohl und Wehe ihrer Nationalmannschaften auf die Schultern eines Einzelnen zu packen: Pelé, Ronaldo oder Neymar bei Brasilien, Diego Maradona oder eben Lionel Messi bei Argentinien. Selten war diese Fixierung aber so ausgeprägt wie bei der "Albiceleste" von 2014. Superstar Messi überstrahlt in der öffentlichen Wahrnehmung alles, unterstreicht diese Einschätzung auch noch durch Zählbares. Das entscheidende zweite Tor beim 2:1 gegen Bosnien-Herzegowina, Siegtreffer in der Nachspielzeit beim 1:0 über den Iran, Doppelpack beim 3:2 gegen Nigeria. Ohne Messi geht gar nichts bei Argentinien.

"So wie Maradona 1986"

"Messi ist heute der entscheidende Mann", sagt Sabella, "so wie es Maradona 1986 war." Der 27-Jährige spiele eine großartige WM, betont sein Trainer. "Das habe ich von ihm erwartet, das hat er erwartet, das haben seine Mitspieler erwartet, das haben die Menschen in Argentinien erwartet. Ich bin glücklich, dass er die Erwartungen voll erfüllt."

Die eher ernüchternde Wahrheit steckt zwischen den Zeilen. Beim Weltmeister von 1978 und 1986 verlässt sich alles auf den Tempodribbler vom FC Barcelona - und alles versteckt sich hinter ihm. Rein vom Personal her muss diese Haltung verblüffen, denn es ist ja keineswegs so, dass Sabella keine anderen Stars zur Verfügung hätte. Messis vier beste Kumpels zum Beispiel. Gonzalo Higuaín, früher Torjäger von Real Madrid und inzwischen beim SSC Neapel in Lohn und Brot, war der beste argentinische Torjäger der WM-Qualifikation, ist aber bei der Endrunde nahezu überhaupt nicht zu sehen. Ángel Di María war einer der überragenden Akteure auf dem Weg Real Madrids zum zehnten Champions-League-Gewinn, findet aber in Brasilien nahezu überhaupt nicht statt. Und Maradonas Ex-Schwiegersohn Sergio Agüero agierte in der Vorrunde derart blass, dass seine Oberschenkelverletzung im Nigeria-Spiel Trainerlegende César Luis Menotti sogar zu der Theorie hinriss, dass es ohne ihn nur besser werden könne.

"Ich danke Gott, dass Messi Argentinier ist", sagte Maradona in seiner Show "De Zurda" im venezolanischen TV-Sender Telesur, "aber um Weltmeister zu werden, müssen seine Teamkollegen mitarbeiten." Eine für südamerikanische Verhältnisse fast schon revolutionäre Sichtweise, die möglicherweise schon etwas zu spät kommt. Wenn Higuaín und Co. heute nicht aus Messis Schatten treten, kann die Schweiz Endstation sein.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Messi erzielt Blitz-Tor gegen Nigeria

(RP)
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