WM 2014: Niederlande nach Wahnsinn gegen Mexiko im Viertelfinale

Wahnsinn bei WM in Brasilien : Drama in Fortaleza! Niederlande drehen Spiel in der Nachspielzeit

Wesley Sneijder und Klaas-Jan Huntelaar haben für die Niederlande den Traum vom WM-Titel am Leben erhalten. Der Vize-Weltmeister gewann im Glutofen von Fortaleza durch zwei späte Tore einen packenden Achtelfinal-Krimi gegen Mexiko mit 2:1 (0:0) und erreichte in Brasilien die Runde der letzten Acht.

Sneijder mit seinem Treffer in seinem 15. Spiel bei einer WM-Endrunde (88.) und der Schalker Huntelaar per Foulelfmeter (90.+4) drehten die Partie für die Oranjes, nachdem Giovani dos Santos (48.) das Überraschungsteam aus Mexiko in Führung gebracht hatte. Arjen Robben hatte den Strafstoß in der Nachspielzeit gegen Rafael Marquez herausgeholt.

Bei Temperaturen weit jenseits der 30 Grad und hoher Luftfeuchtigkeit waren vor allem die Oranjes lange Zeit darauf bedacht, kein zu hohes Tempo anzuschlagen. Die Elftal baute ihr Spiel langsam und bedächtig auf und versuchte nur mit gelegentlichen Pässen in die Spitze Arjen Robben oder den nach seiner Gelb-Sperre ins Team zurückgekehrten Robin van Persie ins Spiel zu bringen.

Erst der Rückstand brachte die Oranjes auf Trab, die in der 74. Minute durch Robben eine große Chance zum Ausgleich verpasste, als der Bayern-Star am erneut großartig haltenden Guillermo Ochoa im mexikanischen Tor scheiterte. Gegen den Gewaltschuss von Sneijder war aber auch Ochoa machtlos.

Durch den Ausfall des angeschlagenen Nigel de Jong war Bondscoach Louis van Gaal bereits nach acht Minuten gezwungen, sein taktisches Konzept zu ändern. Daley Blind übernahm die Position des früheren Hamburgers im Mittelfeld. Sein WM-Debüt im Oranje-Trikot gab der Augsburger Paul Verhaegh, dem es jedoch nur selten gelang, die rechte Abwehrseite dicht zu machen. Mehrfach konnte er den starken Miguel Layun nicht am Flanken hindern und wurde im zweiten Durchgang durch den in Brasilien schon zweimal erfolgreichen Memphis Depay ersetzt.

Die besser mit den klimatischen Bedingungen vertrauten Mexikaner gingen ein deutlich höheres Risiko und verbuchten auch die ersten Chancen des Spiels. In der 17. Minute verfehlte Hector Herrera mit einem Flachschuss nur knapp das Gehäuse von Jaspar Cillessen, der in einigen Situationen nicht den sichersten Eindruck hinterließ — so nach 24 Minuten, als er beinahe aus gut 30 Metern von Carlos Salcido überlistet worden wäre. Der 24-Jährige vertrat den nach zwei Gelben Karten gesperrten Jose Vazquez.

Beide Teams waren dankbar, als der portugiesische Schiedsrichter Pedro Proenca nach gut einer halben Stunde Spielzeit zur offiziellen Trinkpause bat. Die kurze Unterbrechung änderte nichts am Verlauf der Partie, in der beide weiter darauf ausgerichtet waren, bloß keinen Fehler zu machen. Drei Minuten vor der Pause verpasste dos Santos aus spitzem Winkel die nächste Gelegenheit zur verdienten Führung für die "Tri" — Cillessen klärte mit Fußabwehr.

Drei Minuten nach dem Seitenwechsel holte dos Santos das Versäumte nach. Der Olympiasieger schüttelte im Laufduell zwei Niederländer ab und zog aus 22 Metern ab — Cillessen reagierte zu spät und bekam den tückischen Aufsetzer nicht mehr zu packen. Erst in Rückstand liegend gaben die Niederländer ihre vorsichtige Spielweise auf und erhöhten das Tempo. Mit einem fantastischen Reflex verhinderte Keeper Ochoa den Ausgleich durch Stefan de Vrij (57.), der nach einem Eckball aus vier Metern frei zum Abschluss kam.

Während van Gaal weiter ruhig auf der Bank saß, tigerte Mexikos Coach Miguel Herrera angesichts des zunehmenden Drucks der Oranje-Elf nervös am Spielfeldrand auf und ab. Und in der Schlussphase schlugen die Niederländer tasächlich noch zweimal zu.

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(dpa)