Matthew Booth ist Publikumsliebling: Südafrikas weiße Wand

Matthew Booth ist Publikumsliebling : Südafrikas weiße Wand

Düsseldorf (RPO). Der Kameramann bleibt bei der Nationalhymne Südafrikas bei der Nummer 14 hängen. Matthew Booth ist mit 1,98 Metern nicht nur der größte Spieler des WM-Gastgebers, er ist auch der einzige Weiße in der "Bafana Bafana" - und das, obwohl Fußball am Kap der guten Hoffnung der Sport der Schwarzen ist.

Die ausländischen TV-Kommentatoren staunten beim Confederations Cup im vergangenen Jahr nicht schlecht. Immer, wenn der südafrikanische Abwehrschrank den Ball hatte, gröhlten die Zuschauer ein langgezogenes "Booooooooooooooth" durch die Arena. Manch ein Experte glaubte, die Zuschauer buhen den Hünen wegen seiner Hautfarbe aus. Dabei feuerten die frenetischen Südafrikaner ihn nur an.

"Ich nehme das überhaupt nicht mehr wahr", sagt Booth über die Sonderrolle, die an jene von Chester Williams 1995 erinnert. Der Flügelspieler war vor 15 Jahren der einzige Schwarze im Kader der südafrikanischen Rugby-Nationalmannschaft. Die Springboks schnappten sich im eigenen Land den Titel und sorgten so dafür, dass weiße und schwarze Bevölkerungsgruppen ein bisschen mehr zusammenwuchsen.

Booth ist nicht nur Publikumsliebling in seinem Heimatland, der Verteidiger steht wie kein Zweiter für das Ende der Apartheid. Auch 16 Jahre nach dem Ende der Politik der Rassentrennung ist in den Stadien kaum ein weißer Zuschauer zu sehen, die Ränge werden von den Schwarzen beherrscht. Das Apartheid-System verbannte Fußball in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die Schwarzenghettos, in denen die billigen Arbeitskräfte vom Land leben mussten. In den Townships dienten Fußballmatches als eine Art Ventil.

"Viele Fußballstadien stehen in Townships. Vielleicht fühlen sich die Leute nicht wohl, wenn sie dorthin gehen", sagt Booth, der erst spät in seiner Kindheit zum Fußball fand. Booth ging in Fish Hoek in der Nähe von Kapstadt ausschließlich mit weißen Kindern zur Schule. Fußball war verpönt, lediglich Cricket und Rugby wurden im Schulsport praktiziert. Dank seines fußballverrückten Vaters Paul durfte Booth nach der Schule bei Fish Hoek AFC mittrainieren, schnell wurde sein Talent erkannt.

Russisches Abenteuer

Die Profikarriere der "weißen Wand", wie Booth genannt wird, begann 1996 bei den Cape Town Spurs. Nach einem Streit mit dem Klub wechselte er 1999 zum amtierenden Meister Mamelodi Suntowns und verteidigte mit seinem neuen Arbeitgeber den Titel. 2001 führte sein Weg dann nach Europa.

Booth heuerte beim englischen Zweitligisten FC Wimbledon an, schaffte dort aber nicht den Durchbruch. Ein Jahr später wagte Booth den Sprung nach Russland und spielte jeweils drei Jahre lang für FK Rostow und Sowetow Samara. Unter dem Jubel der südafrikanischen Fans kehrte Booth 2009 in seine Heimat zurück, spielt seitdem wieder für Mamelodi Sundowns.

Auch privat ist der "weiße Ritter der schwarzen Massen", wie ihn die britische Times einmal nannte, ein Vorbild für die südafrikanische Bevölkerung. Als einer von ganz wenigen Weißen ist der Fußballer mit einer Schwarzen verheiratet. Sonia Bonneventia Pula wurde 2001 zur Vize-Schönheitskönigin ihres Landes gewählt. Das Model wuchs in ärmlichen Verhältnissen im Schwarzen-Ghetto Soweto auf. Ihre Schönheit ebnete Sonia den Weg in die weite Welt, im Alter von 18 Jahren ging sie nach New York und startete eine internationale Model-Karriere.

Bei der Heim-WM sind auch alle Augen auf den Volkshelden Booth gerichtet. Nicht nur, wenn die Nationalhymne ertönt und er Kameramann ins Stocken gerät.

(mit Agenturmaterial)