Neymar liefert und landet im Krankenhaus

Brasiliens Superstar : Neymar liefert und landet im Krankenhaus

Neymar und Brasilien stehen im Halbfinale gegen Deutschland. Doch für den Superstar endete der Abend im Krankenhaus. Sein Trainer schreibt ihn bereits ab für das Spiel am Dienstag. Kolumbiens Regisseur James Rodriguez scheiterte an Brasiliens Beton-Taktik.

Neymar wälzte sich auf dem Boden, das Gesicht vor Schmerz verzerrt. Der Heilsbringer musste nach einem Foul von Juan Zuniga mit der Trage in die Kabine gebracht werden - doch zuvor hatte Neymar geliefert. Wieder einmal. Allerdings erlitt das Barca-Ass eine Rückenverletzung (88.) und wurde zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht. "Ich denke nicht, dass Neymar wird spielen können", sagte Brasiliens Trainer Luiz Felipe Scolari mit Blick auf das Halbfinale gegen Deutschland am Dienstag: "Er hat vor Schmerzen geschrien. Hoffen wir, dass es nichts Ernsthaftes ist und er in ein paar Tagen wieder mittrainieren kann."

Nach einem großen Kampf und einer erneut starken Vorstellung des Superstars dürfen Neymar und der Rest der 200 Millionen Brasilianer dennoch weiter vom sechsten WM-Titel träumen. Im Duell der Wunderfußballer verwandelte Kolumbiens James Rodriguez (80.) zwar einen Foulelfmeter, doch am Ende des Viertelfinal-Thrillers jubelten die Brasilianer (2:1, 1:0). Die Selecao trifft in Rio auf Deutschland (22.00 Uhr/Live-Ticker) im Kampf um den Einzug ins große Finale in Rio. Auch weil das Team von Luiz Felipe Scolari Rodriguez nie zur Entfaltung kommen ließ.

Neymar hingegen wirbelte vor seiner Auswechslung kurz vor Schluss, Neymar dribbelte, Neymar passte und setzte seine Kollegen in Szene. Der kleine große Mann vom FC Barcelona war auf dem Platz überall zu finden, holte sich die Bälle sogar vor dem eigenen Strafraum ab. Wenn es für die Kolumbianer gefährlich wurde, war der 22-Jährige beteiligt. Seine Oberschenkelverletzung aus dem Achtelfinale gegen Chile war ihm nicht mehr anzumerken. Wenn er den Ball hatte, riefen die Fans: "Neeyymaaar, Neeeeyyyymaaaaaar".

Neymar war der Antreiber der Selecao. Die Ecke vor dem Führungstreffer von Thiago Silva (7.) war zwar erst sein erster Assist des Turniers, trotzdem zeigte der Hoffnungsträger der ganzen Nation wieder eine starke Vorstellung. "Brasilien beginn zu spielen wie Brasilien", meinte Stürmer-Legende Gary Lineker bei Twitter.

Shootingstar Rodriguez wirkte hingegen lange seltsam unbeteiligt und schlurfte oft mit hängenden Schultern über den Platz. An die Leistungen seiner zuvor gezeigten Gala-Vorstellungen konnte der 22-Jährige vom AS Monaco, der schon mit Real Madrid in Verbindung gebracht wurde, nicht anknüpfen. Rodriguez schien sichtlich beeindruckt und zunehmend genervt von der intensivsten und harten Dauerbewachung von Paulinho und Fernandinho - das Duo stand Kolumbiens "El Principito" (der kleine Prinz) ständig auf den hochbegabten Füßen herum. Und langte schon mal kräftig zu. "Wir haben alles versucht, stehen aber mit leeren Händen da. Der Schiedsrichter hat auch nicht viel geholfen", sagte Rodriguez enttäuscht: "Wir sind traurig, aber auch stolz."

James rage heraus, "wir müssen uns vor ihm ganz besonders in Acht nehmen", hatte Brasiliens Fernandinho vor dem Spiel gesagt. Und er ließ Taten folgen - mit erlaubten und oft auch unerlaubten Mitteln. Und so konnte Rodriguez den Rhythmus seiner Elf nicht wie zuletzt vorgeben.

Seine auffälligste Szene hatte der bisherige Wunderknabe des Turniers in der ersten Hälfte, als er einen Freistoß kläglich in die Mauer drosch. Danach steigerte sich Rodriguez zwar, doch sein Foul an Hulk ebnete den Weg zum Freistoß-Tor von David Luiz (69.)

. Zwar traf Rodriguez dann bereits zum sechsten Mal bei diesem Turnier, der Kolumbianer ist damit der zweitjüngste Spieler (22 Jahre und 357 Tage) mit mindestens sechs WM-Treffern. Nur Pele war 1958 jünger (17 Jahre, 249 Tage). Doch das konnte ihn nicht trösten. Rodriguez weinte bitterlich, als er geschlagen vom Platz schlich.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Neymar erleidet Wirbelbruch nach Foul

(sid)
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