Fußball-WM: Negativ-Darstellung: Südafrika wehrt sich

Fußball-WM: Negativ-Darstellung: Südafrika wehrt sich

Berlin (RPO). 74 Tage vor dem Start der Fußball-WM hat sich Südafrikas Deutschland-Botschafter Eddie Funde gegen Kritik an der jüngsten Entwicklung seines Landes gewehrt. "Ja, es gibt Herausforderungen", sagte Funde bei einer WM-Konferenz in Berlin, "aber es ist unfair, in 15 Minuten so über unser Land zu urteilen."

Julia Weber von der gastgebenden Konrad-Adenauer-Stiftung hatte zuvor ein düsteres Bild Südafrikas gezeichnet. Die Arbeitslosenquote sei auf 24,3 Prozent angewachsen, die tatsächliche Zahl liege bei 40 Prozent. Die Wirschaft stecke in einer Rezession, das Minuswachstum betrage 6,4 Prozent. 30 Prozent der Haushalte müssten ohne Strom-, 38 Prozent ohne ordentliche Wasserversorgung auskommen.

Besonders erschreckend sei die Entwicklung seit dem Amtsantritt von Präsident Jacob Zuma im vergangenen Mai. Die Korruption sei allgegenwärtig und duchdringe vor allem Bildungs- und Justizsystem. Der Präsident mache mehr durch private Eskapaden als durch gutes Krisenmanagement auf sich aufmerksam. Die Grenzen zwischen Regierungspartei und Staat würden immer mehr verwischen.

"Man kann ein Glas immer halb voll und halb leer sehen", sagte Funde: "Wenn man den jetzigen Stand mit den Verhältnissen aus der Zeit vor der Demokratisierung in den 90er Jahren vergleicht, haben wir viel erreicht." Er lobte die wirtschaftlichen Kooperationen zwischen Südafrika und Deutschland. Deutsche Firmen seien an der WM (11. Juni bis 11. Juli) im großen Stil beteiligt, hätten Technologie für den Bau von Stadien sowie für die Infrastruktur geliefert. "Die Aktivitäten steigen", sagte Funde.

Heiko Schwiderowski, Afrika-Referatsleiter des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, sagte, dass der bilaterale Handel beider Länder durch die Finanzkrise um 25 Prozent eingebrochen sei. Dennoch sei die WM für deutsche Firmen ein "Big Deal". Projekte der Endrunde hätten rund 1,5 Milliarden Euro in Kassen deutscher Firmen gespült. Das "Leuchtturm-Projekt" sei die Beteiligung einer Hamburger Firma am Bau von drei WM-Stadien. In Südafrika selbst seien durch die WM 400.000 Jobs entstanden.

Wie Schwiderowski zudem erklärte, wird es das von der deutschen Wirtschaft geplante "Deutsche Haus" während der WM-Endrunde nicht geben. Baden-Württemberg habe seine finanzielle Unterstützung zurückgezogen. Dafür soll es allerdings einen offiziellen Meeting-Point in Johannesburg nahe der deutschen Schule geben. Dort sollen sich hochrangige deutsche Wirtschaftsdelegationen mit Vertretern anderer Nationen treffen können. "Vor allem der Kontakt zu brasilianischen Vertretern ist hinsichtlich der dortigen Großereignisse wie WM und Olympia von Wichtigkeit", sagte Schwiderowski.

Hier geht es zur Infostrecke: WM 2010: So kommen Sie an Tickets

(SID/chk)